Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Evolution | Gottesbild | Kreationismus | Schöpfung | Theologie | Interdisziplinarität | Englisch

It's Time To Retire 'Theistic Evolution' - Forbes

John Farrel sorgte mit der Überschrift "Es wird Zeit, die 'theistische Evolution' in den Ruhestand zu schicken" zunächst für eine kurze Schrecksekunde, regte dann aber zum Nachdenken an. Beliebt ist das Konzept der theististischen Evolution (TE) weder bei Kreationisten, da diese dem "Feind" in die Hände spiele, noch bei Richard Dawkins, der in der TE den Versuch wittere, Gott "durch die Hintertür einzuschmuggeln". Aber auch gläubige Wissenschaftler raten vom Etikett TE ab: Für die Chemikerin Stacy A. Trasancos sehen Gläubige automatisch alle biologischen und physikalischen Prozesse als von Gott geschaffen und im Sein gehalten an. Der Zusatz "theistisch" sei daher unnötig und impliziere zudem, dass auch das Gegenteil möglich sei. Und der Biologe Kenneth R. Miller lehnt die Bezeichnung TE für sich ab, da sie immer wieder zu dem Missverständnis geführt habe, er vertrete damit einen intervenierenden Gott - dabei glaube er an das exakte Gegenteil. Ähnlich wie Trasancos glaubt auch Miller, dass die Qualifizierung der Evolution als religiös bedeutsam impliziere, dass anderen Feldern der Wissenschaft diese Bedeutsamkeit fehle. Genau dies aber weist Miller zurück. - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Theologie | Philosophie | Schöpfung | Gottesbild | Deutsch

Angemessener über Gott sprechen - Herder Korrespondenz

Klaus Müller, Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie, empfiehlt der Theologie, der "panentheistischen Wende" und ihren "prozessphilosophischen Motiven" zu folgen, wenn sie "die Herausforderung durch das alle moderne Naturwissenschaft leitende Paradigma der Evolution ernst nehmen" will. Der PanENtheismus (die Welt ist in Gott, Gott aber mehr als die Welt) überbiete einerseits einen Pantheismus, der Gott und Welt gleich setze, andererseits einen klassischen Theismus, der die Gott-Welt-Differenz betone. Dadurch wäre Gott als Schöpfer, ja auch als Person angemessener zur Sprache zu bringen: "Sofern der Mensch sich selbst in seiner Personalität als staunenswert gewahrt, begegnet ihm im Staunenswerten der Welt etwas ... Konnaturales, das ihn ermutigt, eben jener Weltdimension Personalität zuzuschreiben". Bei aller Zustimmung könnte man an Müller die Frage richten, ob der "schultheologische Monotheismus", der laut Müller "knietief in der Krise" steckt, nicht bereits den geforderten Panentheismus in Ansätzen enthält - implizit (Karl Rahner, Jürgen Moltmann) oder explizit (Hans Kessler, Prozessphilosophie inklusive). Dass die Theologie diese Ansätze ausformulieren sollte, um "für die ontologischen Verpflichtungen, die sie mit ihrer Gottrede eingeht, auch intellektuell aufzukommen", wäre freilich im interdisziplinären Dialog mit den Naturwissenschaften eine plausible Forderung und ein vielversprechendes Forschungsprogramm. Und nach der Forschung käme dann die Vermittlung ... - hhp

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Gott und der Urknall - Publik-Forum 1/2015, 26-29

Können naturwissenschaftliche Theorien Grundfragen des Daseins beantworten? Für ein entschiedenes "Nein" plädiert der Autor Frank Vogelsang und macht dies am Beispiels des Urknalls deutlich. Scheinbar war der Übergang von der Newtonschen Welt ohne Anfang zu einem Kosmos mit Anfang ("Urknall") theologisch anschlussfähiger. Tatsächlich jedoch - so Vogelsang - "muss vor einer solchen voreiligen Identifizierung von Schöpfung und Urknall nachdrücklich gewarnt werden". Schließlich könnten sich Erkenntnisse samt vermeintlicher Anschlussfähigkeit ändern, man denke an Multiversums- oder anfangsfreie Theorien à la Hawking. Sich auf bestimmte physikalische Theorien festzulegen ist der Theologie aber nicht nur aus strategischen Gründen verwehrt. Solche Theorien "können aus grundsätzlichen methodischen Überlegungen heraus keine theologischen Erwartungen bedienen". Theologie komme dann ins Spiel, wenn es um "Lebenswelt" geht, die umfassender ist als das, was naturwissenschaftlich beschrieben werden kann. - hhp