Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Aufklärung | Deutsch | Gottesbild | Philosophie | Religionspsychologie | Theologie

Das ganz große Ganze - Zeit online

Der systematische Theologe F. W. Graf stellt die Religionstheorie des Philosophen Volker Gerhardts als Fortschreibung "rationaler Theologie" vor. Nach Gerhardts widersprechen sich Vernunft und Glaube keineswegs, vielmehr sei der Glaube sinnvoll und für das Humanum notwendig. Im Zentrum steht dabei das Festhalten am "Sinn über das Gegebene hinaus", ein Sinnganzes, das jedes ernsthafte Denken und Handeln voraussetzen müsse, und für den "Zusammenhang zwischen Wissen und der autonomen Lebensführung" stehe. Nicht weniger umstritten dürfte Gerhardts Verteidigung der Persönlichkeit Gottes sein, auch wenn klar sei, dass Gott nicht in der Art "irgendeines objektivierbaren Gegenstandes" gedacht werden könne. Ein solches Gegenüber diene auch "humaner Selbstbegrenzung" gerade in einer Zeit "religiös codierte[r] Selbstentgrenzungsfantasien". - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Deutsch | Hirntod | Hirnforschung | Nahtod-Erfahrung | Theologie

Über den Tod hinaus - Der Bund

Im Mittelpunkt dieses Artikels (einer der wenigen guten über Nahtoderfahrung) steht der schweizer Theologe Simon Peng-Keller, der seit Jahren über NTE forscht, sich aber in Abgrenzung zu vollmundiger Jenseitsesoterik zurückhaltend gibt. Dennoch, das Thema bleibt spannend: "Der Nahtod hat sich zum Schlachtfeld entwickelt, auf dem unversöhnliche Weltanschauungen gegeneinander antreten". Den Reduktionisten hätte die jüngste "Aware-Studie" die Grundlage entziehen können, wenn, ja wenn sie nicht gescheitert wäre, wie Peng-Keller urteilt. Außerkörperliche Wahrnehmungen habe sie nicht nachweisen können, wohl aber glaubwürdige Wahrnehmungen bis zu drei Minuten nach dem Herzstillstand - unerklärlich mit heutigen Mitteln, aber vielleicht doch auf Restaktivitäten des Gehirns reduzierbar. Also keine empirisch gestützte "Verklärung des Todes", zumal ein Drittel der Wiederbelebten von negativen Eindrücken berichteten. Immerhin sieht der Theologe "Nahtoderfahrungen am ehesten als Varianten mystischen Erlebens" und in dieser langen Tradition auch wirklich ernst genommen. - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Deutsch | Wissenschaftstheorie | Theologie | Pannenberg

Glaube, Geschichte und Vernunft - Zum Tod des evangelischen Theologen Wolfhart Pannenberg - NZZ

Die Reaktion auf den Tod des bedeutenden evangelischen Theologen Wolfhart Pannenberg ist im deutschsprachigen Bereich (bis jetzt) mehr als spärlich und beinahe auf den vorliegenden Artikel des systematischen Theologen Gunther Wenz beschränkt. Wenz hebt die immense Bedeutung Pannenbergs hervor, der seinerzeit gegen die Vorherrschaft der dialektischen Theologie eine neue Richtung eröffnete. Ziel dieser Richtung und im interdisziplinären Kontext relevant ist der "Nachweis einer allem Irrationalismus und Dezisionismus überlegenen Vernünftigkeit des Glaubens". In Überwindung einer privatistischen Frömmigkeit sollte diese Vernünftigkeit "vor dem Forum das allgemeinen Wahrheitsbewusstseins" gerechtfertigt werden - anthropologisch zum Beispiel mit der Struktur der "Gottoffenheit" des Menschen. Der Artikel gibt einen prägnanten Einstieg in den Ansatz Pannenbergs, schade nur, dass nicht mehr und ausdrücklicher auf Pannenbergs Dialog mit den Naturwissenschaften eingegangen wird. - hhp