Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | |   Hirnforschung

Unser Hirn ist mehr als ein organischer Computer - Deutschlandradio Kultur

Vera Linß bespricht das neu erschienene Buch von David Gelernter. Als Informatiker ist Gelernter in den 1990er Jahren an dem Versuch gescheitert, Aspekte des menschlichen Geistes mit dem Computer zu simulieren. Nun legt er einen Gegenentwurf vor, der zur Erklärung der "Gezeiten des Geistes" (so der Titel des Buches) weniger auf Informatik als auf Dramatiker und Poeten setzt. Der Rezensentin scheint dieser Ansatz plausibel, da sie sich in ihrer "Komplexität und Irrationalität" darin wiederfinde. Wie für den Autor, so ist auch für sie die Idee eines künstlichen Geistes "die (intellektuell) zerstörerischste Analogie der letzten hundert Jahre". Übrigens: Zur Vertiefung enthält der Artikel einen Link zu einem Audio-Interview mit Gelernter.

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Erstellt von hhp | |   Anthropologie

Der ganz reale Transhumanismus - hpd

Die Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg bedenkt zunächst theoretisch die Möglichkeiten der Verbesserung des Menschen durch sich selbst (Transhumanismus). Angezielte Verbesserung sei dabei nichts Neues: Es gebe "zwischen Ötzis Pelzmantel und dem verpflanzten Herzen ... nur einen graduellen Unterschied". Erst die Gentechnik habe einen qualitativen Sprung erlaubt, indem die Nachkommenschaft genetisch optimiert werden könne; nicht nur durch pränatale Selektion, sondern auch durch präkonzeptionelle Auswahl des Fortpflanzungspartners. Hier setze i. a. Ethik ein: Was heißt "Verbesserung" und welche Auswahlkriterien sollen es sein: Krankheit, Intelligenz, Schönheit, Stärke? Wer entscheidet? Gibt es den Dammbruch? Wichtige Fragen, sicherlich. Aber - so der Clou des Artikels - es gebe sie "schon längst, die Selbstoptimierung des Menschen durch die Genforschung". Das beweise, dass der Mensch keine ethischen Diskussionen abwarte, wenn es um Selbstverbesserung gehe, die offenbar in der menschlichen Natur liege. In dieser Natur liege es aber auch, manches von der Selbstoptimierung auszuschließen wie das Streben nach Macht und Reichtum. Und es erscheint der Autorin nicht unwahrscheinlich, "dass genau dieser Spagat zwischen Selbstoptimierung einerseits und Selbstoptimierungsresistenz andererseits den Menschen letztlich seinen Kopf kosten wird".

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Erstellt von al | |   Transhumanismus

Hirn auf Hochtouren

Hirndoping ist zum Massenphänomen geworden. Kritiker warnten in den vergangenen Jahren bereits vor unabsehbaren gesellschaftlichen und gesundheitlichen Folgen. Ein Beweis dafür, dass die Substanzen wirklich halten, was viele sich von ihnen versprechen, fehlte bislang. In diesem Jahr aber ist eine systematische Übersichtsarbeit veröffentlicht worden, die den neuesten Kenntnisstand über ein altes Medikament (Modafinil) zusammenfasst. Es verbessert vor allem das konvergente Denken, wenn es also darum geht, für die Lösung eines Problems verschiedene Informationen zusammenzuführen – also logische Schlussfolgerungen. Divergentes Denken hingegen, bei dem die Gedanken um flexible Lösungen für ein Problem kreisen, wird nicht verbessert. Wären Prüfungen mehr an Kreativität ausgerichtet denn an Reproduktion von Wissen, hätte Modafinil wohl keine Chance. Vor dem Konsum wird in jedem Fall gewarnt, weil die Datenlage bei Gesunden noch unzureichend ist. Bei Patienten, die Modafinil krankheitsbedingt regelmäßig einnehmen mussten, sind in seltenen Fällen auch gravierende Nebenwirkungen aufgetreten. Auch wurde Modafinil fast ausschließlich in Laborexperimenten untersucht und nicht unter lebensnahen Bedingungen, wird kritisiert.

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