Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Wissenschaftsgeschichte | Psychologie | Interdisziplinarität | Hirnforschung | Deutsch

Memorandum „Reflexive Neurowissenschaft“

Unter der Federführung von Felix Tretter und Boris Kotchoubey bilanziert ein 15-köpfiges Team von Neurowissenschaftlern in einem ausführlichen Artikel die Voraussagen und Ansprüche des vor 10 Jahren herausgegebenen "Manifest der Hirnforscher". Da eine Annäherung an die gesetzten Ziele nicht einmal in Sicht sei, fällt die Bilanz der Wissenschaftler eher ernüchternd aus. Die Revolution des Menschenbildes sei ausgeblieben, da die Reduktion des Geistigen, Psychischen, ja des Menschen insgesamt auf das Gehirn von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Den Grund für das Zurückbleiben hinter den Erwartungen sehen die Autoren in Unzulänglichkeiten im Bereich der Theorie und Methodologie der Neurowissenschaften, in ihrem überschätzten Erklärungspotenzial und in den unterstellten wissenschaftstheoretischen und naturalistischen Vorannahmen. So bedeute empirischer Datenzuwachs noch lange kein besseres Verständnis, und die zirkulären Kausalitäten des Gehirn, erst recht aber das Gehirn-Psyche-Geist Problem werde unterkomplex angegangen. Lösung könne hier künftig nur eine systemische und interdisziplinäre Methodologie, die vor allem die Philosophie einzubeziehen und zu einer nichtreduktiven, nachdenklichen (reflexiven) Neurowissenschaft zu führen habe. - hhp

Erstellt von hhp | | Astronomie | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Das Universum auf meiner Festplatt (I) - FAZ Blogs

Man merkt der Autorin Sibylle Anderl an, dass Sie Physikerin und Philosophin ist, wenn Sie der Erkenntnisgewinnung von Astronomen und der Beziehung zu ihren himmlischen "Objekten" nachspürt. Die Frage läge nahe, ob sich die Forscher vom Himmel entfremdet haben, wenn sie erheblich weniger Zeit am Teleskop als am Computer verbrächten. Aber auch wenn dies quantitativ stimme, so habe die "Beobachtung" einen qualitativ hohen Stellenwert, indem "die Erfahrung der Realität astronomischer Objekte sozial konstruiert wird". Konstruktion schließe dabei durchaus Realismus ein: Daten deuteten auf ein reales Objekt, seien sogar oft "ikonische Zeichen", denen eine Ähnlichkeit zum Objekt selbst unterstellt wird. Eine solche "erfahrene Direktheit" mache Reiz und Faszination der Astronomie aus. - hhp

Erstellt von pts | | Physik | Wissenschaftstheorie | Higgs Teilchen | Englisch

Fairytale of New Physics - TheGuardian

Jon Butterworth, Professor für Physik am University College London, wehrt sich gegen Kritik, die Autoren wie Jim Baggott und Lee Smolin an der aktuellen Teilchenphysik üben. Diese kritisieren, die Teilchenphysik ergehe sich in spekulativen, empirisch nicht überprüfbaren Theorien wie der String-Theorie und bewege sich somit abseits wissenschaftlicher Standards. Butterworth hält dagegen: Wissenschaft benötige sowohl Spekulation als auch das strapazierfähige Experiment. Die empirischen Befunde würden dann die Theoriebildung in die richtige Richtung lenken. Die Entdeckung des Higgs-Teilchens gilt ihm als Beispiel sowohl für die Überprüfbarkeit der Hypothesen der Teilchenphysik als auch für das gelungene Zusammenwirken von Theoriebildung und Experiment: Higgs und seine Kollegen hätten sich mit ihren Ideen abseits des wissenschaftlichen Mainstreams befunden. Die ermittelten Daten hätten sie jedoch bestätigt und so auch die Richtung des wissenschaftlichen Mainstreams verändert - pts