Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Gravitationswellen und das Entdeckerdilemma

Über die Ambivalenz von Sensationen Vor wenigen Tagen konnten die PhysikerInnen der LIGO Kollaboration der Weltöffentlichkeit eine Sensation mitteilen: Erstmals waren Gravitationswellen nachgewiesen worden. Man könnte meinen, das dies im Vorfeld pure Freude unter den beteiligten Wissenschaftlern ausgelöst hat. Doch weit gefehlt. Eine solche große Entdeckung ist unmittelbar gepaart mit der Befürchtung, einen Deutungsfehler zu machen und am Ende blamiert dazustehen. Wieviel Auffand betrieben wird, um eine solche Blamage zu verhindern, zeigt der unten stehende Artikel sehr schön. Hier wird deutlich: Wissenschaft ist ein Erkenntnisprojekt, das von Beginn an selbstreflexiv und selbstkritisch ist. Das macht seine Würde aus. Das Forschungsszenario ist so ausgelegt, dass man ständig Fehlmessungen und Fehldeutungen berücksichtigen muss - in diesem Fall wurden von BEginn an Störsignale systematisch eingebaut, so genannte blind injections, um eine Kontrolle darüber zu haben, wie die Daten interpretiert werden müssen. Wissenschaft ist ein kompliziertes Unterfangen, nur so aber lassen sich echte Erkenntnisfortschritte erzielen! - fv

Erstellt von hhp | | Biologie | Physik | Wissenschaftsgeschichte | Wissenschaftstheorie | Deutsch | Englisch

Physik des Lebens - spektrum.de

Wenn sich Physiker auf die Suche nach einer "grundlegenden Theorie des Lebens" machen, werden manche eine Reduktion der Biologie auf die Physik wittern. Der Artikel (eine exklusive Übersetzung aus nature) berichtet jedenfalls von der Faszination der "aktiven Materie", die auf der Ebene kristalliner, biomolekularer und synthetischer Elemente selbstorganisierende Strukturbildungen und Bewegungen auszeichnet - ganz wie dies bei lebenden Organismen zu finden ist. So können für den Autor "die scheinbaren Gemeinsamkeiten zwischen der im Labor hergestellten aktiven Materie und lebenden Dingen ... schon unheimlich sein". Das kleine Wörtchen "scheinbar", das übrigens im englischen Original fehlt, trübt die Euphorie ein wenig. Denn künftig wird sich klären müssen, "ob sich mit Hilfe der Theorie der aktiven Materie auch biologische Mechanismen nachbilden lassen", und der Autor weiß, "dass die meisten Biologen erst noch davon überzeugt werden müssen". Aber laut dem Biologen Tony Hyman gibt es Hoffnung: "Die neue Generation von Biologen wird ... von Anfang an besser in Physik ausgebildet". - hhp

Erstellt von fv | | Deutsch | Physik | Wissenschaftstheorie

Die Intuition des Charles Townes

Welche Rolle hat die Intuition in der Wissenschaft? Anbei findet sich ein interessanter Blog-Beitrag, der an den Physiker Charles Townes erinnert und dessen Fähigkeit zur Intuition hervorhebt. Welche Rolle spielt die Intuition in der wissenschaftlichen Forschung? Wahrscheinlich muss man unterschiedliche Phasen wissenschaftlicher Forschung beschreiben: Es gibt Zeiten, an denen neue Gipfel gestürmt werden (die Paradigmenwechsel des Thomas Kuhn) und es gibt Zeiten, an denen die Mühen der Ebene unumgänglich sind und viele kleine Schritte gemacht werden müssen. Spannend sind natürlich die ersteren: Beneidenswert sind jene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihrer Intuition nachgehen und so Neues entdecken können! Wichtig scheint mir das Lob der Einfachheit zu sein: Oft verstecken sich auch unverstandene Anteile einer Theorie in hochkomplexen Rechnungen. Doch das sieht man erst, wenn jemand seiner Intuition folgte und eine einfache Antwort auf die gleiche Frage präsentieren kann. Die Phase der Intuitionen ist natürlich auch für das Verhältnis von Wissenschaft und Philosophie oder Theologie sehr interessant! - fv