Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Komplexität | Englisch | Wissenschaftstheorie | Evolution

Can Evolution Run in Reverse? A Study Says It’s a One-Way Street - New York Times

Das Dollo'sche Gesetz der Irreversibilität der evolutionären Entwicklung hat nun auf molekularem Level eine Bestätigung erfahren. Neue Mutationen machten es der Evolution praktisch unmöglich, die Richtung umzukehren. "Sie brennen die Brücke nieder, welche die Evolution gerade überschritten hat", sagt der Autor des entsprechenden Nature-Artikels, die Biologe Joseph Thornton. Reversibilität sei nur bei äußerst einfachen Merkmalen (z. B. bei einer einzigen Mutation) denkbar. Werden neue Merkmale produziert mit verschiedenen wechselseitig sich beeinflussenden Mutationen, versperrt die Komplexität eine rückwärtige Evolution. Dieses sage nun Bedeutendes aus über den Kurs der evolutionären Geschichte. "Die natürliche Selektion kann eine Menge erreichen, aber in eingeschränkter Weise. Selbst harmlose, zufüllige Mutationen können ihren Pfad blockieren". Thornton weiter: "Die Evolution zu uns war nicht unausweichlich, sondern nur ein Wurf des evolutionären Würfels" - hhp

| Deutsch | Wissenschaftstheorie | Theologie | Schöpfung | Gottesbild | Evolution | Neuer Atheismus | Pierre Teilhard de Chardin

Schöpfungsglauben mit guten Gründen - Radio Vatikan

Bischof Fürst wies darauf hin, dass Evolutionstheorie und Gottesglaube für "unaufgeregte Betrachter" keinen Gegensatz darstellten. Es handele sich um zwei Sichtweisen auf das Schöpfungsgeschehen, "einerseits um die naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits um die theologische Deutung der Weltentstehung". In unverantwortlicher Weise würden solche Atheisten ein Zerr-Gottesbild von einem "Riesen-Handwerker" aufbauen, das sie dann umso leichter zerstören könnten. "Nach christlichem Schöpfungsverständnis verlockt Gott als Schöpfer seine Schöpfung geradezu zum Entstehen neuer Möglichkeiten", sagte der Bischof und zitierte Aussagen verschiedener Päpste zur Vereinbarkeit von Evolutionslehre und Gottesglauben. Er erinnerte an den französischen Theologen und Naturwissenschaftler Teilhard de Chardin, der das Handeln des Schöpfers so umschrieb: "Gott macht, dass die Dinge sich selber machen." Pressemitteilung: drs/ Uwe Renz

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A Grand Bargain Over Evolution - The New York Times

Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus! - hhp