Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Deutsch | Psychologie | Quantenphysik | Wissenschaftstheorie

Grenzen der Wissenschaft?

Eine Metastudie in Science hat darauf aufmerksam gemacht, dass ein sehr großer Teil der psychologischen Forschungsergebnisse nicht reproduzierbar ist. Das wirkt wie eine schwerwiegende Infragestellung für all die, die der Meinung sind, das auch die Psychologie gleichen Kriterien genügen müsse wie die Physik oder die Chemie. Offenkundig ist es außerordentlich schwierig, hier diegleichen methodischen Standards zu etablieren. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Wirklichkeit sich vielfältig zeigt und nicht in jeder Hinsicht mit dengleichen methodischen Standards bearbeitet werden kann, dann ist diese Nachricht keine so neue. Heisenberg hat in seiner Schrift "Ordnung der Wirklichkeit" schon 1940 die Auffassung vertreten, dass es sukzessive Objektivierungsgrade unter den Wissenschaften gibt. Die Quantenphysik siedelte er dabei zwischen der klassischen Physik und der Chemie an, dann folgen Biologie und andere Wissenschaften. Wenn man mit diesen Einschränkungen leben kann, dann zeigt sich ein spannendes Panorama unterschiedlicher Wissenschaften, die aber nicht an dem einen Objektivitätsideal arbeiten müssen! - fv

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Deutsch

Können Vernunft und Glaube Freunde werden? - Tagesspiegel

Uwe Lehnert beantwortet die Frage des Titels mit einem klaren "Nein"! Theologischen Vertretern einer wechselseitigen Verwiesenheit von Glaube und Vernunft (z. B. Johannes Paul II und Wolfgang Huber) unterstellt Lehnert Widersprüchlichkeit und den Versuch, "die Vernunft an die Kette des Glaubens zu legen". Dagegen singt er das hohe Lied der Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse "an der Realität" überprüft (als ob Glaubensaussagen sich nicht in der 'Realität' bewähren müssten), "auf Begründung" setzt (als ob Theologie keine Gründe benennt), ferner auf "intersubjektive Nachvollziehbarkeit" (als ob Theologie keinen synchronen oder diachronen Konsens anstrebt) und "logische Widerspruchsfreiheit" (als ob der Theologie das Kohärenzkriterium fremd wäre). Dass auch die (Natur-)Wissenschaften glaubensartige Voraussetzungen hat, wird als Suggestion der Theologen heruntergespielt. Dabei liefert Lehnert selbst eine solche Voraussetzung, wenn er die kausale Geschlossenheit der Welt einführt: Was für ihn ontologisch 'Realität' ist, kann mit guten Gründen als (notwendige) Forschungsmaxime und in diesem Sinne als glaubensartige Voraussetzung angesehen werden. Ansonsten wird der vermeintliche Konflikt zwischen Vernunft und Glaube durch religiöse Zerrformen und Anachronismen konstruiert. Gott ist entweder ein intervenierender Handwerker oder er löst sich pantheistisch auf (als ob der PanENtheismus nicht längst theologisch gängig wäre), er fordert Menschenopfer, foltert in der Hölle usw. usf. Diese "legendenhafte Einfachheit" müsste doch längst der "naturwissenschaftlichen Eleganz" gewichen sein (als ob diese simple Säkularisierungsthese nicht lange in die Kritik geraten wäre). - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropisches Prinzip | Astronomie | Deutsch | Kosmologie | Naturwissenschaft | Physik | Quantenphysik | Wissenschaftsgeschichte | Wissenschaftstheorie

Frontalangriff auf die wissenschaftliche Methode - spektrum.de

Der Kosmologe und Mathematiker George Ellis und der Astronom Joe Silk sehen in neuen spekulativen Theorien einen Frontalangriff auf die mit Poppers Falsifikationsprinzip verbundene (natur-) wissenschaftliche Methode. Die Gefahr, experimentelle Überprüfbarkeit durch Eleganz zu ersetzen, liege bei Multiversums-, Viele-Welten- oder Stringtheorie nur allzu nahe. Wenn Theorien so variabel sind, dass sie sich mit jedem empirischen Befund vereinbaren ließen, seien sie nicht falsifizierbar und willkürlich. Die Kritik der Autoren hat aber offenbar auch einen strategischen Hintergrund: Man müsse bedenken, dass diese "Überprüfbarkeitsdebatte" die Tür für Politiker, Fundamentalisten und Pseudowissenschaftler öffne. (Der Artikel ist die Übersetzung eines Nature-Artikels, über den bereits die FAZ unter dem Titel "Physik am Scheideweg" am 07.01.15 nicht unkritisch berichtete; s. u.). - hhp