Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Evolution | Intelligent Design | Wissenschaftstheorie | Englisch

In Science, It’s Never ‘Just a Theory’ - New York Times online

Die New York Times fragte ihre Leser, welche Missverständnisse sie am meisten frustierten. Die mit Abstand häufigste Eingabe beklagte die falsch verstandene Aussage: "Ist doch nur eine Theorie". Der Wissenschaftsjournalist Carl Zimmer nahm sich dieses Missverständnisses an und stellte im ersten Satz klar: „Theorien haben nichts mit Vermuten oder Rätselraten zu tun, sie sind die Kronjuwelen der Wissenschaft“. „In der Wissenschaft wird ‚Theorie‘ nicht leichtfertig angewandt“, zitiert Zimmer den Zellbiologen Kenneth R. Miller. Miller zufolge ist „eine Theorie ein System von Erklärungen, das ein ganzes Bündel an Fakten zusammenbindet.“ Die Theorie erkläre nicht nur diese Fakten, sondern mache auch Voraussagen über andere Beobachtungen und Experimente. Peter Godfrey-Smith, Autor des Buches „Theory and Reality: An Introduction to the Philosophy of Science“, habe sich Gedanken darüber gemacht, wie man das Missverständnis, das in der Aussagen „Ist nur eine Theorie“ lauert, vermeiden könne. Es sei hilfreich – so Godfrey-Smith – über Theorien wie über Landkarten zu denken, als Versuch, ein bestimmtes Territorium zu repräsentieren. Ähnlich repräsentiere eine Theorie ein Territorium der Wissenschaft. Anstelle von Flüssen, Hügeln und Städten seien die Gegenstände einer Theorie eben Fakten. Um die Qualität einer Landkarte zu beurteilen, müssten wir sehen, wie gut sie uns durch ihr Territorium führe. In ähnlicher Weise testeten Wissenschaftler neue Theorien an vorliegenden Befunden. So viele Karten sich als unzuverlässig herausgestellt hätten, so viele Theorien seien auch verworfen worden. Andere Theorien hingegen seien zur Grundlage der modernen Naturwissenschaft geworden, wie die Evolutionstheorie, die allgemeine Relativitätstheorie, die Theorie der Plattentektonik, die Theorie des Heliozentrismus oder die Keimtheorie der Verursachung von Krankheiten. - hhp

mehr
Erstellt von hhp | | Kreationismus | Intelligent Design | Schule

The evolution of antievolution policies after Kitzmiller v. Dover - Science Express

Zehn Jahre nach der Intelligent-Design-Niederlage durch den Kitzmiller-Prozess, reflektiert Nicholas J. Matzke (hat seinerzeit die Prozess-Argumente des Center for Science Education mit vorbereitet), wie sich die antievolutionistische Gesetzgebung in den 10 Jahren seit „Kitzmiller“ entwickelt hat. Visualisiert durch einen phylogenetischen Stammbaum arbeitet er den Abstammungszusammenhang der Strategien heraus. Demnach habe sich die kreationistische Evolutionskritik in der Dekade seit Kitzmiller zweimal neu erfunden. Die erste Verkleidung war das Etikett der „akademischen Freiheit“ (Academic Freedom Acts, AFAs), aber nach dem Erfolg des Louisiana „science education act“ (SEA) wurden AFA-Anträge fast vollständig durch SEAs ersetzt. Deren Trick bestand in der zusätzlichen Aufnahme der globalen Erwärmung und des Menschenklonens, was die eigentlich religiöse Motivation und damit die Verfassungwidrigkeit verschleiert habe. Verfechter des naturwissenschaftlichen Unterrichts sollten sich nicht von der Vernebelungstaktik der SEAs einschüchtern lassen: Der kreationistische Ursprung der modernen antievolutionären Strategien sei nun klar belegt. (Der Link geht auf eine verkürzte deutsche Übersetzung des Science-Artikels) - hhp

mehr
Erstellt von hhp | | Atheismus | Benedikt XVI. | Englisch | Evolution | Franziskus (Papst) | Gottesbild | Intelligent Design | Johannes Paul II. | Kosmologie | Kreationismus | Schöpfung | Vatikan | Wissenschaftsgeschichte

Stop Celebrating the Pope's Views on Evolution and the Big Bang. They Make No Sense. - newrepublic

Für Jerry A. Coyne, Atheist und Verfechter des Konfliktparadigmas, sprechen "Berge von Beweisen" für die Evolution, "nicht ein Beweis jedoch für die religiöse Alternative einer göttlichen Schöpfung". Entsprechend sei Franziskus' Akzeptanz der Evolution ein reines Lippenbekenntnis, und seine Rede trage immer noch Tönungen eines Kreationismus. Die offizielle Sicht des Vatikan sei nicht auf der Höhe moderner Wissenschaft, sondern eine Kombination von Evolutionstheorie und biblischem Spezialkreationismus, wie er sich in der Erschaffung der Seele und der angenommenen Historizität von Adam und Eva zeige. Ähnlich setze Franziskus für den Urknall Schöpfung voraus, wo wir doch alle wüssten, "dass das Universum durch rein physikalische Prozesse aus dem Nichts entstanden sein kann". Wenn Coyne dieses "Nichts" ausdrücklich mit dem "Quantenvakuum" gleichsetzt, müsste er eigentlich wissen, dass dies nichts mit dem philosophisch-theologischen "Nichts" zu tun hat, hier also gar keine Konfliktsituation entstehen kann. Auch die "Spekulation" Gottes mit Multiversums-Theorien auszuhebeln, ist nicht weniger spekulativ. Wenn Franziskus dann für die Evolution Schöpfung voraussetzt, wundert sich Coyne: "Man beachte, dass das Wort 'Schöpfung' ['creation'] immer noch vorkommt". Hat er ernsthaft erwartet, dass der Papst nicht mehr an Schöpfung glaubt? Im Folgenden räumt Coyne ein, dass überhaupt nicht klar wird, wie genau der Papst Schöpfung versteht. Dennoch weiß Coyne genau: "Es ist klar, dass ein wie auch immer gearteter Kreationismus immer noch wesentlicher Bestandteil von Franziskus' Sicht des Lebens ist". Bei derart unklarer Begriffslage ist der Schluss von 'creation' auf 'creationism' natürlich nicht mehr als ein Taschenspielertrick. - hhp

mehr