Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Anthropologie | Deutsch | Evolution

Müde Sammler und Jäger

Warum Müdigkeit keine Schande ist! Manchmal kommt Trost von unerwarteter Seite: Immer ein wenig müde schleppt man sich durch den Alltag und stellt viele Vermutungen an, woran das liegen mag, was man vielleicht einmal ändern sollte. Doch die anthropologische Studie, auf die in diesem kurzen Artikel hingewiesen wird, zeigt: Das war schon immer so! Wir Menschen haben offenkundig die Angewohnheit, immer ein wenig mit Schlafmangel zu kämpfen. Sogar die indigenen Völker in abgelegenen Weltgegenden verhalten sich nicht anders... Also können wir uns getrost in unser Menschheitsschicksal fügen und weiter munter müde sein! - fv

Erstellt von al | | Komplexität | Anthropologie | Deutsch | Hirnforschung | Evolution | Evolutionsmedizin

Im Kern überraschend

Die Idee, dass es keine nennenswerten genetischen Differenzen zwischen den Körperzellen gebe, war einst ein Credo der biomedizinischen Forschung. Anders als bisher vermutet, tragen Körperzellen des Menschen aber kein einheitliches Erbgut in sich, sondern bilden Mosaike. Die biologische Identität des Individuums muss aufgegeben werden. Befunde legen nahe, dass jede einzelne Nervenzelle im Großhirn mehr als 1.500 unterschiedliche Mutationen beherbergt. Wie viel Individuum ist der Mensch? Nicht nur solche philosophischen und anthropologischen Fragen stellen sich. Die neuen Erkenntnisse haben ganz handfeste Konsequenzen. Die Gene, die Eigenschaften und Krankheiten von Menschen steuern und die unser Verhalten leiten, könnten anders agieren als bislang angenommen. Man stehe analog dem großen Unbekannten der Astrophysik "vor der dunklen Materie der Genetik". - al

Erstellt von al | | Evolution | Anthropologie | Deutsch

Unser neuer Vetter vom Kap

Noch nie wurde ein so umfangreicher Fossilienschatz aus der Vorgeschichte des Menschen geborgen wie jener aus der Rising-Star-Höhle westlich der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg. Der dort gefundene Homo naledi verfügte zwar über recht menschliche Füße, hatte aber Hände eher wie ein Affe und ein Gehirn, das ungefähr so groß war wie eine Orange – er ist also ein ziemlich undefinierbares Zwischenwesen, das wohl nicht in die direkte Linie unserer Vorfahren passt, aber doch zur Familie gehört. Der Versuch, im Clan der Menschenartigen den Überblick zu behalten, wird damit immer anspruchsvoller. Die Einteilung in Gattungen, Familien, Ordnungen und Arten ist wie jede Systematik der Natur nur eine Abstraktion. Sie ist hilfreich und sinnvoll, um umfangreiche Sammlungen nach einem verbindlichen Schema zu ordnen. Letztlich aber ist sie ein gedankliches Hilfskonstrukt, das der unübersichtlichen Wirklichkeit nur bedingt entspricht. Das gilt insbesondere für den Begriff der "Art" oder der "Spezies", der zur Einteilung der Natur besonders beliebt ist. - al