Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | |   Anthropologie

Wir waren nie Darwinisten - Richard Dawkins Foundation

Der bekannte Biologiehistoriker Thomas Junker beklagt sich hier über "eine eigenartige neue Spezies: Darwinisten, die sich nicht für die Biologie interessieren". Viele dieser "Salon- oder Pseudo-"Darwinisten hätten die Evolution zur Religionskritik genutzt, parteipolitisch oder weltanschaulich missbraucht, aus der Biologie dann aber letztlich keine lebenspraktischen Konsequenzen gezogen. Im Gegenteil: Junker identifiziert unter den neuen "Darwinisten ohne Biologie" geradezu "Biologiehasser", die sofort Biologismus wittern, sobald es um menschliches Verhalten geht. Wenn es Junker demgegenüber um "biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens" ('Grundlagen', nicht 'Determinanten') geht und um die Klärung, "ob es eine biologische Erklärung geben könnte und wie weit sie trägt", dann ist dem sicher zuzustimmen. Nur sollte man darüber hinaus nicht verkennen: Zwar neigen Biologiehasser zum Biologismusvorwurf, aber nicht hinter jedem Biologismusvorwurf steckt ein Biologiehasser!

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Erstellt von hhp | |   Anthropologie

Anthropologie - Erster! - zeit.de

Wieder einmal werden neue Fossilfunde von Homo sapiens als Sensation gefeiert ("Das wird die Lehrbücher ändern"). Wieder einmal spricht man von der Rückdatierung der "Geburtsstunde der Menschheit" (diesmal um 100.000 Jahre auf 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) und der Verlegung der "Wiege der Menschheit", die jetzt "panafrikanisch" lokalisiert werden muss. Der Artikel vermittelt einen interessanten Einblick in das 'making of' unseres Stammbaums, weil nicht nur über die Forschungsergebnisse berichtet wird, sondern auch über das Ringen und die "feurigen Debatten", ja auch über forschungsexterne Einflussfaktoren. So ist die Rede davon, dass ein Forscher "zu Optimismus verpflichtet ist", da "an dieser Frage seine ganze Forscherkarriere" hängt. Könnte da - so frage ich mich - nicht gern etwas zu einer Sensation hochstilisiert werden, indem man die Grenzziehung zu den Vorfahren des Homo sapiens vielleicht etwas verschiebt (vgl. Kommentar von Nick Matzke auf fb). Denn, nun ja, so richtig symbolisch denken (charakteristisch für Homo sapiens) konnte er wohl nicht, der neue Fund - mutmaßt Forscherkollege Ian Tattersall. Immerhin: Die Fossilfunde müssen immer wieder abgeglichen werden mit den Stammbäumen, die die Genforschung aus den rezenten Humangenomen rekonstruiert. Und hier scheint sich eine auffällige Korrelation zu ergeben: Genau vor 300.000 Jahren scheint sich ein markanter genetischer Umbau vollzogen zu haben (siehe Presseschau vom 29.09.16). Und der gefeierte Fund fällt in diese Umbauphase. Konnte er bereits von der genetischen Innovation profitieren?, fragt der Artikel. - Angereichert wird der Beitrag noch durch Links auf die frei verfügbare Nature-Dokumentation, durch Animationen des Schädelfundes und Überblicke zur Entwicklung der Hominidenentwicklung.

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Erstellt von hhp | |   Anthropologie

Evolution - Familie Mensch

In das Dunkel unseres Ursprungs, des Übergangs vom Vormenschen zum Homo sapiens, fällt neues Licht durch Genforschung. Vor 280.000 Jahren verbesserte sich durch Genverstärkung der Eisenstoffwechsel und damit die Sauerstoffversorgung. Nur dadurch konnte der Mensch zu dem ausdauernden Langstreckenläufer und guten Jäger werden, der den Energiehunger eines ständig wachsenden Hirns durch fleischliche Nahrung stillen konnte. Durch Genaustausch mit anderen Stämmen ("Afrika war ein Schmelztiegel") kamen andere Faktoren wie kognitive Optimierungen und damit die notwendige Ausstattung zusammen, die sich zum Homo sapiens verdichten konnte. Die genannte Genverstärkung hatte dabei nur an Stellen des Erbgutes eine Chance, die besonders instabil waren. Die Kehrseite der Medaille: Da sich an den unstabilen Stellen durch Zufall auch Verluste ereignen, muss eine Vielzahl von geistigen Behinderungen als der Preis angesehen werden, der für die Erfolgsgeschichte des Homo sapiens zu zahlen war. Wieder einmal zeigt sich – und damit wird der Artikel zu einem (unbeabsichtigten) Beitrag zur Theodiezeefrage –, dass dieselben Mechanismen, die für die Entstehung des Menschen notwendig sind, auch für die Entstehung von Übeln verantwortlich sind. Das eine scheint ohne das andere nicht zu haben zu sein.

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