Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Bioethik | Wissenschaftsgeschichte

Monströs vereinfacht

Die Erschaffung Frankensteins gilt als monströses Unterfangen und abschreckendes Beispiel. Tatsächlich ist "Frankenstein" der Name des Schöpfers und nicht seines mythsichen Geschöpfes. Der Artikel rekapituliert Rezeption und Entstehungsgeschichte der Romanvorlage im naturgeschichtlichen Zusammenhang und aktualisiert die Fragestellung anhand der Notwendigkeit moderner Technikfolgenabschätzung. Mit Bruno Latour resümiert der Artikel, um unsere Technologie müssten wir uns kümmern wie um unsere Kinder: einsehen, dass sie nicht perfekt sein können, dass sie immer wieder Probleme machen werden - und dass wir sie dabei begleiten müssen. Alles andere wäre eben "monströs vereinfacht". - al

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Psychologie | Tod | Künstliche Intelligenz

Virtuell in alle Ewigkeit

Forscher wollen Verstorbene als digitale Klone wiederkehren lassen, unsere Online-Daten sollen diese Abbilder speisen. Der kanadische Informatiker Hossein Rahnama, Experte für Künstliche Intelligenz, will digitale Klone Verstorbener erzeugen, z.B. als lebensechtes Hologramm für die virtuelle Realität. Sollte ihm das gelingen, könnte man künftig Oma und Opa für immer um sich haben, ohne Zauberei, dafür mit Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI). Den Begriff des Klons kann man missverstehen, das Wort "digital" ist hier entscheidend. Erstens, weil das Ich mit dem Gehirn stirbt. Ein virtuelles Abbild wird vielleicht wissen, dass es einmal ein biologisches Vorbild hatte, ein eigenes Bewusstsein entwickeln wird es hingegen nicht – "so weit ist die KI noch nicht", gibt Rahnama zu. Und zweitens, weil nicht der gesamte Mensch die Vorlage für den digitalen Klon bildet, sondern lediglich sein Online-Verhalten. "Jeder von uns läuft mit einer Vielzahl von Sensoren in der Tasche herum und erzeugt eine Flut an Daten, die ausreichen, um mit Algorithmen das Verhalten eines Menschen zuverlässig vorhersagen zu können." Das stößt direkt hinein in die alte Debatte um den freien Willen und damit ins Wesen des Menschseins. Abgesehen davon, was ist davon zu halten? "Wir verdrängen den Tod, indem wir symbolische Unsterblichkeit anstreben", sagt Sheldon Solomon, Sozialpsychologe am Skidmore College in Saratoga bei New York. Virtuelle Klone von Verstorbenen könnten aber auch Trauernde dabei unterstützen, die Verbindung zu den Toten zu bewahren und in die neue Realität zu überführen. Am Ende kommt es darauf an, wie wir mit dieser möglichen Technik umgehen. - al

Erstellt von fv | | Anthropologie | Bioethik | Deutsch

Es war einmal ein Mensch

Erneute Diskussion um den Schutz menschlicher Embryonen? Ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung fordert eine erneute Diskussion um die Schutzwürdigkeit menschlicher Embryonen in Deutschland. Im Hintergrund stehen neue Möglichkeiten, "genchirurgisch" in die embryonale Entwicklung einzugreifen und gegebenenfalls erbliche Krankheiten zu bearbeiten. Um dies erforschen zu können, sei es wichtig, erneut intensiver an Embryonen zu forschen. Der Deutsche Ethikrat will sich in der kommenden Woche mit dem Thema befassen. Die Autorin des Beitrags zielt offenkundig darauf, dass die Embryonen vor der Nidation (Einnistung in der Gebärmutter) frei gegeben wird. Eine solche Regelung wäre ohne Zweifel anders, aber wäre sie klarer? Die Autorin stellt Widersprüche zum Abtreibungsrecht heraus. Das stimmt, aber diese Widersprüche blieben auch, wenn man die Schutzwürdigkeit um 5 oder 6 Tage verschiebt (Nidation). Wahrscheinlich werden wir mit Widersprüchen leben müssen, weil es keine Eindeutigkeiten in diesem Feld gibt! Die Frage ist nur, welche Widersprüche uns erträglich erscheinen.... - fv