Helmut Mayer bespricht ein neues Buch des Soziobiologen Edward O. Wilson: "Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen". Mayer weist nach, dass Wilson ohne Zweifel im Laufe seines Forscherlebens eine große Kompetenz in der Beschreibung von eusozialen biologischem Verhalten erlangt hat. Sein Spezialgebiet ist die Beschreibung von Ameisenpopulationen und deren Fortpflanzung. Der entscheidende Punkt aber ist der, dass Wilson in dem Buch nicht eigentlich auf das Verhalten von Ameisen zielt, sondern darauf, menschliches Verhalten zu erklären. Hier bietet er die Unterscheidung von "guten" Merkmalen, die aus einer so genannten Gruppenselektion stammen sollen und "schlechten" Merkmalen, die aus der Individualselektion stammen sollen. Hierauf richtet sich Mayers kluge Kritik, die darauf hinausläuft, dass das Methodenarsenal, das hilft, Ameisenpopulationen zu beschreiben, wissenschaftlich fragwürdig wird, wenn man es unbesehen auf Menschen übertragen will

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Der Verfasser wendet sich gegen die brüske Kritik, das "egoistische Gen" sei eine außer Kontrolle geratene Metapher. Dawkins Metapher sei dagegen klug gewählt, kontrolliert, und Gott sei Dank trage die Jubiläumsausgabe nach 30 Jahren noch denselben Titel. Dawkins‘ Brillanz liege in dem Aufweis, wie Gene ihren "Überlebensmaschinen" so viel Vorteile verschaffen, dass sie der nächsten Generation weitergegeben werden können. Individuelles Leben ist in dieser Sicht nicht mehr als ein "Satzzeichen im blinden, automatischen Verlangen der DNA nach Ewigkeit".

Solche Formulierungen zeigten wohl einen unbarmherzigen Zug in Dawkins' Argumentationsstil. Gelegentliche Zugeständnisse seien nur Schein, denn er habe bereits alle möglichen Einwände durchdacht und mache sie fröhlich und mit scheinbar müheloser Logik zunichte, und so feuere dieses Buch auch die Eröffnungssalven des späteren totalen, intellektuellen Sturmangriffs auf die Religion

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Nicht nur Egoismus wird evolutiv belohnt, sondern auch bestimmte Formen von Altruismus, wie dieser Artikel am Beispiel einer Termitenart und im Rückgriff auf eine aktuelle Science-Veröffentlichung erneut unter Beweis stellt. So opfert sich ein Arbeitertier zur Abwehr von Eindringlingen und zum Schutz des eigenen Volkes, indem es den eigenen Rücken aufsprengt und dadurch ein Gift freisetzt. Den Schluss auf den menschlichen Bereich und die genetische Reduktion der "Nächstenliebe" verkneift sich der Autor dann doch - auch wenn die Überschrift anderes befürchten ließ

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Therapeutisch nicht unbedeutend wird die Entdeckung eines Gens eingeschätzt, welches das Selbstmordrisiko eines Menschen erhöht. Die Erblichkeit suizidaler Tendenzen ist länger bekannt und erklärt die Häufung von Selbstmorden in bestimmten Familien. Prominentes Beispiel sind die Verwandten Ernest Hemingways: Hemingway selbst, sein Vater, zwei seiner Geschwister und eine Enkelin nahmen sich das Leben. Der Artikel geht davon aus, dass das Selbstmordrisiko zu 50% genetisch verursacht ist. Bisher war man zurückhaltend bei der Identifizierung bestimmter Gene, z. T. weil die Unterscheidung zwischen genetischem Selbstmord- und genetischem Depressionsrisiko notwendig, aber schwierig war. Wenn die nun entdeckte Genvariante in weiteren Studien als verantwortlich erweisen sollte, stünde ein Screening-Instrument zur Verfügung, das Suizidrisiko voraussagen könnte

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Mark Vernon bezweifelt mit einem neuen Buch von Robert Bellah, dass Evolutionstheoretiker Religion angemessen beschreiben, solange sie diese in der vorherrschenden Sicht als Abfallprodukt verstehen. Religion mag in dieser Sicht einmal Anpassungsvorteile gehabt haben, letztlich sei sie aber ein kognitiver Fehler. Laut Bellah, einem "ehrwürdigen" Religionssoziologen, ist diese Geschichte wenig überzeugend, weil sie in einem fundamentalen Fehler auf der Oberfläche satzhafter Glaubensaussagen bleibe. Religion mit rituellen Einsichten und symbolischen Repräsentationen sei aber fundamentaler, theoretisch-theologische Reflexion demgegenüber Zweitwirklichkeit. Einer analytischen Philosophie, die auf der Ebene entkörperlichter Satzwahrheiten verbleibt, werde der tiefe Sinn von Religion, wie Soziologen à la Bellah ihn beobachten und Glaubensgemeinschaften ihn leben, nicht offenbar

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David Walsh fragt, ob The Tree of Life ein "erhellendes Licht auf Leben und Welt wirft". Walsh verneint diese Frage, weil die vom Film suggerierte enge Verbindung von Naturprozessen und menschlich-sozialen Prozessen (wie in der Soziobiologie) den Blick auf das für Walsh Eigentliche verstelle: die historisch-sozialen Gesetze, speziell die Beziehung zu Klasse und Produktion. Hier wird die marxistische Herkunft des Autors deutlich, der den Film als statisch, mythisch, somit ideologisch kritisiert und die marxistische "Wahrheit über die Realität" vermisst. Lesenswert, auch wenn man die Perspektive des Autors nicht teit

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Der Artikel berichtet über einen Vortrag des Hirnforschers Manfred Spitzer, der für Schönheit, Kreativität, Fremdenhass etc. biologische Komponenten benennt. Ein Trost für die nicht ganz so ordentlichen unter uns: "Wer kreativ ist, ist nicht ordentlich"

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Rote Feuerameisen in Brasilien geraten häufig in Überschwemmungen. Kein Problem für die Insekten: Sie bilden ein Floß aus ihren eigenen Körpern. [Text automatisch generiert] // Was den - übrigens mit einem anschaulichen Video dokumentierten - Artikel in unserem Kontext interessant mancht, ist vor allem das soziobilogische Phänomen der Schwarmintelligenz

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