Quantentheorie und Theologie

Jürgen Audretsch

Wer heute dem Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie folgen will, muss sich über Grundzüge der Quantentheorie informiert haben und darüber hinaus bereit sein, über seinen „theologischen Tellerrand" zu schauen. Die Quantenwelt ist fremder als die schon so oft beschriebene Welt der klassischen Physik. Sie verlangt einen neuen Umgang mit der physikalischen Wirklichkeit. Die vielen Berührungspunkte mit der Theologie zeigen, dass sich ein neues Nachdenken lohnt.

Immer mehr kirchliche Akademien befassen sich mit dem Verhältnis von Naturwissenschaften und Theologie. Sie holen damit nach, was im angelsächsischen Sprachraum schon lange üblich ist. Aber warum sollen sich Theologen bzw. Geisteswissenschaftler zum Beispiel mit Quantenphänomenen und der zugehörigen Quantentheorie beschäftigen? Hier wie in allen anderen naturwissenschaftlichen Theorien kommt Gott nicht vor. Dass man bei der Beschreibung der Natur auf theologische Argumente und auf einen Bezug zum Menschen völlig verzichtet hat, ermöglichte erst die Erfolgsstory der schnellen und großen Fortschritte. "Glanz und Elend der Physik." Oder hat sich die Rolle des Menschen in der Quantentheorie geändert, wie oft behauptet wird? Eine Antwort auf diese und ähnliche Fragen ist so einfach nicht zu erhalten. Wer es sich nicht leisten kann, ein Zweitstudium in Physik zu machen, ist auf eine verlässliche Elementarisierung und Vereinfachung angewiesen, die Einwänden und kritischen Nachfragen standhält. Und hier beginnt für den interessierten Laien das Problem.

Popularisierung

Eine Popularisierung geht bei der Vereinfachung noch über eine Elementarisierung hinaus. Oft beschränkt sie sich nur auf Schlagworte wie Welle-Teilchen-Dualismus und Aussagen wie die, dass uns die Quantentheorie zeigt, wie in der Welt angeblich alles mit allem zusammenhängt. Die Titel von Büchern und Vorträgen und Kursen vermitteln einen Eindruck: "Quantenheilung leicht gemacht", "Der kleine Quantentempel","Quanten-Yoga" usw. Quantentheorie bleibt bei diesen Zugängen letztlich ein Geheimnis, um dessen Verständnis man sich gar nicht erst bemühen muss, weil das sowieso nicht erreicht werden kann.

Für eine kritische Diskussion vieler populärer Behauptungen im Bereich Esoterik und Quantentheorie muss man von der Quantentheorie nur wissen, dass sie in soweit eine ganz normale physikalische Theorie darstellt, als sie, wie alle anderen, durch ihren Anwendungsbereich charakterisiert ist. Wenn sich für die Quantentheorie, wie behauptet, eine Erweiterung des bisherigen Anwendungsgebiets finden ließe, dann müsste es zum Beleg experimentelle Ergebnisse geben, die sich ganz im Rahmen der gebräuchlichen  Theorie erklären ließen. Die sind aber nicht bekannt. Damit sind alle Versuche in dieser Richtung unbewiesene Spekulation. Aber darf man denn nicht mehr spekulieren? Selbstverständlich ist das erlaubt, aber man sollte dann fairerweise darauf hinweisen, dass es sich um Science-Fiction handelt, nicht mehr und nicht weniger.

Kehren wir zum Dialog Naturwissenschaften-Theologie zurück. Es ist charakteristisch für diesen Dialog, dass als physikalisches Thema zumeist die Kosmologie und bei der Biologie die Evolution gewählt wird. Das sind wichtige Themen, aber man sollte wissen, dass die physikalische Kosmologie nicht zu den Grundlagen der Physik gehört. In ihr wird nur die jeweils modernste Physik angewendet. Sie ist in diesem Punkt eher der Technik verwandt. Christliche Theologie bevorzugt auch hier die Auseinandersetzung mit historischen Großerzählungen. Chemie z.B. ist hingegen nicht Thema des Dialogs. Gott und seine Theologen scheinen Chemie nicht zu mögen… Unsere Aufgabe ist es nun, sich im Dialog nicht nur mit der kosmologischen Großerzählung zu befassen, sondern die Aufmerksamkeit auf die Grundlagen der modernen Physik zu lenken. Die Quantentheorie ist dabei ein guter Ausgangspunkt. Wie soll man mit ihr umgehen?

Empirische Unterbestimmtheit

Man sollte im Blick behalten, dass es sich bei der Quantentheorie um eine physikalische Theorie handelt. Wie alle anderen hat sie einen All-Anspruch: Alles was die Theorien der so genannten klassischen Physik – also in erster Linie die Newtonsche Mechanik – beschreiben und erklären können, kann sie auch. Darüber hinaus gibt es aber Phänomene, die sie zusätzlich erklären kann. Ihr Anwendungsbereich ist also größer. Wenn man sich die Theorie genauer anschaut, dann stellt man fest,dass sie selber keine Aussagen über die Grenze ihres Anwendungsbereichs macht. Grenzen werden ihr dadurch gesetzt, dass experimentell Effekte auftauchen, die sie nicht beschreiben kann. In unserem Fall sind das Experimente bei denen zum Beispiel Elektronen in Photonen oder Photonen in Elektronen umgewandelt werden. Das wird erst in der Quantenfeldtheorie beschrieben, die auf der Quantentheorie aufbaut. Wir müssen also etwas genauer sagen, dass wir nur die unrelativistische Quantentheorie betrachten wollen.

Aber diese Charakterisierung reicht noch nicht.Das führt auf einen wichtigen Punkt. Man kann nie ausschließen, dass es eine ganz andere Theorie gibt, die alle Effekte aus dem Anwendungsbereich beschreiben kann.Das wäre dann eine Alternativtheorie. Dass solche Alternativtheorien stets möglich sind, ist eine Folge der empirischen Unterbestimmtheit von Theorien. Aus der Menge der endlichen empirischen Daten kann nicht zwingend auf genau eine erfolgreiche Theorie geschlossen werden. Ein Kandidat für eine Alternativtheorie ist in unserem Fall die Bohmsche Theorie. Wir gehen nicht genauer darauf ein und beschränken uns auf die Standard-Quantentheorie. Das ist die Theorie, die weltweit in einheitlicher Weise gelehrt und angewendet wird. Dem allgemeinen Gebrauch folgend nennen wir sie einfach ohne Zusatz „Quantentheorie“.

Was sind nochmal Quanten?

Warum spricht man von Quanten? Damit soll verdeutlicht werden, dass man zum Beispiel einem Lichtfeld wohlbestimmter Farbe nur in festen extrem kleinen Portionen Energie zufügen oder entnehmen kann. Diese Energieportionen nennt man Quanten, in diesem Fall Quanten des Lichts oder Photonen. Die Portionen sind gemessen an den Energien die uns im Alltag begegnen, winzig klein. Wenn sehr viele dieser Quanten vorliegen, dann verhält sich das Feld wie das bekannte klassische Licht. Das rechtfertigt es bei diesen speziellen Quanten von Lichtquanten zu sprechen. Die Frequenz des Lichts bestimmt die Größe der Energieportion. An diesem System kann man bereits lernen, dass man vorsichtig mit der Sprache umgehen sollte. Es handelt sich um Energieportionen und nicht um Energiepakete. Mit Paketen assoziiert man eine Lokalisierung. Pakete haben eine endliche Ausdehnung und fliegen auf wohl bestimmten Bahnen. Wer das annimmt, liest aus dem experimentellen Ergebnis mehr heraus als darin enthalten ist.

Davon, dass es keine Lichtpakete gibt, die auf wohl bestimmten Bahnen fliegen, kann man sich auch direkt überzeugen. Betrachten wir das berühmte Doppelspalt-Experiment. Zwei parallel ausgerichtete Spalte, deren Öffnungsbreite geeignet dimensioniert ist, werden nacheinander mit einzelnen Lichtquanten beschossen, die aus einer Ein-Photonen-Quelle per Knopfdruck erzeugt wird. Hinter dem Doppelspalt befindet sich eine große Fotoplatte. Es zeigt sich, dass mit jedem einzelnen Photon ein Schwärzungspunkt verbunden ist. Das ist die erste wichtige Beobachtung. Darüber hinaus sieht man, dass Schwärzungen nicht nur an einem Punkt stattfinden, sondern sich eine mal schwächere, mal stärkere Schwärzung über die ganze Platte verteilen. Der Versuch, vorherzusagen, welcher Punkt als Nächster geschwärzt wird, misslingt. Betrachtet man allerdings die Gesamtheit der sehr vielen Schwärzungspunkte, dann zeigt die ortsabhängige Intensität der Schwärzung das von der Beugung von Licht am Doppelspalt bekannte Bild aus der klassischen Optik.

Wie ist das Ergebnis zu verstehen?

Am einfachsten lässt sich das verstehen, indem man annimmt, dass es für das Einzelereignis einen nicht hintergehbaren Zufall gibt. Man kann nur eine Wahrscheinlichkeit dafür angeben, dass ein Photon an einer bestimmten Stelle des Schirmes aufschlägt. Diese Wahrscheinlichkeit liegt fest. Sie spiegelt das klassische Beugungsbild wieder. Das muss auch so sein, denn viele Photonen gleichzeitig sollen sich ja wie das klassische Licht verhalten. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass auch dann wenn nur einzelne Photonen nacheinander von der Quelle ausgeschickt werden, sich dennoch für sehr viele Photonen dasselbe Schwärzungsbild entsteht. In der Standard-Quantentheorie wird das wiedergegeben durch eine ortsabhängige Wahrscheinlichkeitsverteilung. Darüber hinaus macht die Theorie keine Aussagen. Aber woher "weiß" das einzelne Photon wo alle seine Tausende Vorgänger Schwärzungen bewirkt haben, so dass es selber das Beugungsbild korrekt vervollständigt?

Niemand kann an dem Versuch gehindert werden,die verschiedensten Ursachen zu postulieren, durch die einzelne Photonen passend geführt werden, mal auf einer wohl bestimmten Bahn durch den einen Spalt mal durch den anderen. In der Bohmschen Theorie wird ein solches Führungsfeld eingeführt dessen Einzelheiten der Standard-Quantentheorie entnommen werden. Wenn man das geschickt macht, führt diese Alternativtheorie auf die gleichen Ergebnisse wie die Standard- Quantentheorie. Erinnern wir uns, dass es immer eine Pluralität verschiedener Theorien geben kann, die ein einziges Experiment erklären können. Die Bedeutung der Bohmschen Theorie besteht nicht darin, dass man mit ihrer Hilfe rechnerisch besonders schnell zu nachprüfbaren Aussagen kommt. Die meisten Physiker kennen sie nicht einmal. Ihre Bedeutung liegt vielmehr darin, dass sie eine Alternativtheorie mit völlig anderer Ontologie ist:Photonen fliegen geführt auf wohl definierten Bahnen stets nur durch einen der Spalte. So wie man sich das etwa für kleine Kugeln vorstellen würde. Das Führungsfeld, in dem die ganze Information der Standard-Quantentheorie steckt, sorgt dafür.

Das Dilemma vieler Alternativen

Und welche der Alternativtheorien ist nun die Richtige? Das ist eine sinnlose Frage. Da beide das genau gleiche Erklärungspotenzial haben, sind beide gleich richtig. Aber was ist dann die Wirklichkeit im Quantenbereich? Ganz einfach, es gibt eine solche einzige Wirklichkeit nicht. Mit der Wahl einer physikalischen Theorie wählt man eine spezielle Wirklichkeit mit. Dass keine Entscheidung zwischen den vielen Wirklichkeiten möglich ist, kann man das Viele-Wirklichkeiten-Dilemma[1] nennen. Man kann rein willkürlich die einfachere oder die computergerechtere oder auch die schönere (was immer das heißen mag) Theorie wählen. Stets wählt man die entsprechende Wirklichkeit gleich mit. Eine ganz ähnliche Situation findet sich im religiösen Glauben. Es gibt ein Viele-Religionen-Dilemma. Die Wahl eines speziellen Glaubens ist von außen betrachtet letztlich willkürlich. Was kann man lernen? Sei bescheiden und mach dir keine Gedanken über unbeantwortbare Fragen. Akzeptiere die Pluralität. Vielleicht kannst Du sie sogar im praktischen Leben nutzen.

Der Welle-Teilchen-Dualismus ist eines der populärsten irreführenden Konzepte, die an die Quantentheorie herangetragen werden. In diesem Zusammenhang wird häufig behauptet, dass zum Beispiel einzelne Photonen sich je nach Situation wie Teilchen (lokalisierte Energiepakete) oder wie eine Welle verhalten. Wir hatten aber im Experiment gesehen, dass nicht das einzelne Photon sondern erst sehr viele Photonen etwas aufbauen können, das zu Wellenphänomenen führt. Mit "Welle" und mit "Teilchen" werden spezielle klassische Vorstellungen angesprochen. Zumindest auf einzelne Photonen passen sie nicht.

Objekte (fast) ohne Eigenschaften

Eine weitere charakteristische Struktur der Quantenwelt, die ein neues Denken erfordert, muss noch erwähnt werden. Quantenobjekte wie Photonen, Elektronen usw. sind Objekte (fast) ohne Eigenschaften. Betrachten wir wieder der Einfachheit halber einzelne Photonen in einer Doppelspalt-Anordnung: eine Ein-Photon-Quelle, dahinter ein Doppelspalt und hinter dem Doppelspalt eine große Fotoplatte. Wenn der Knopf an der Quelle gedrückt wird, sieht man irgendwo auf der Platte ein punktförmiges Blitzen. Wir können das als Ergebnis einer Ortsmessung auffassen. Die ganze Platte ist das Messgerät. Die verschiedenen Orte auf der Platte sind die verschiedenen möglichen Messergebnisse. Und wo war das Photon in dem Raum vor und hinter dem Doppelspalt? Durch welchen der Spalte ist es geflogen? Darüber sagt die Standard-Quantentheorie nichts aus. Es ist sinnlos Fragen zu stellen, die, wie in diesem Fall, grundsätzlich nicht beantwortbar sind. Die Eigenschaft an einem Ort zu sein kommt dem Photon nicht zu. In diesem Sinne hat das Photon keinen Ort. Erst durch die Wechselwirkung mit der Platte, also durch die Wechselwirkung mit dem Messgerät, wird das Photon mit der Eigenschaft Ort ausgestattet. Bei der einfachen Platte kann das Photon nach der Wechselwirkung sich nicht weiter ausbreiten. Es gibt aber zerstörungsfrei Messungen, für die man zeigen kann, dass sie einen präparierenden Effekt haben. Sie statten das Photon mit einem Ort aus. Und wieso habe ich den Zusatz "fast" angefügt, als ich davon sprach, Quantenobjekte wie Photonen, Elektronen usw. seien Objekte ohne Eigenschaften? Ein Photon verliert bei allen durch die Standard-Quantentheorie beschriebenen Prozesse nicht seine Eigenschaft ein Photon zu sein. In der relativistischen Quantentheorie können Photonen auch diese Eigenschaft noch verlieren und unter anderem in Elektronen übergehen.

Negative Theologie

Im Zusammenhang mit Eigenschaften drängt sich eine Analogie auf. Vorsichtiger gesagt, eine mehr oder weniger starke Strukturähnlichkeit lässt sich erkennen. Die Negative Theologie macht auf die Begrenztheit theologischer Aussagen aufmerksam. Moses will den Namen Gottes wissen und er erhält als Antwort "Ich bin, der ich bin." Ein Reden über Gott ist unmöglich. Augustinus spitzt das zu: "Wenn du begreifst, ist es nicht Gott." Gott eine Eigenschaft zuzusprechen ist so wahr und so falsch wie die Abwesenheit dieser Eigenschaft zu behaupten. Auf diese Kernaussage könnten sich viele Religionen verständigen. Also ein „fast“ eigenschaftsloser Gott. „Fast“ deshalb, weil die Existenz Gottes jedenfalls nicht geleugnet wird. Ein Gott, der von sich sagt, dass es ihn nicht gibt, wäre nur schlecht widerspruchsfrei denkbar. Erst wer mehr aussagen will gerät in ein Viele-Religionen-Dilemma. Das wird aufgehoben, wenn man der speziellen Offenbarung Gottes und dem Mittler dieser Offenbarung glaubt. Erst durch eine messungsähnliche Wechselwirkung mit dem Menschen entstehen die Eigenschaften. Gott kann entdeckt werden. Auf der vorangehenden Phase der Argumentation war eine Kultur des reduzierten Sprechens unvermeidlich.

Ausblick

Zum Abschluss und in aller Kürze noch ein Hinweis auf ein für den Dialog charakteristisches Thema: die Weltformel. Hier hat offenbar die Theologie der Physik das Motiv vorgegeben. Dem einen Gott steht die eine Schöpfung gegenüber. Es gibt keinen Raum für Pluralität. Dieser Einstellung entspricht gerade die Suche nach der einen Weltformel. Mit der kann man dann angeblich Gott in die Karten schauen. Armer kleiner Gott, wir werden alle Deine Tricks kennen. Schön, dass beispielsweise Hawking selber nicht mehr an eine endgültige Theorie und damit das Ende der Physik glaubt [2][3].

Wir brechen die Diskussion hier ab. Es gibt weitere Punkte, in denen sich Quantentheorie und Theologie berühren[4]:die angebliche Rolle des menschlichen Bewusstseins beim quantenmechanischen Messprozess, quantenmechanische Undeterminiertheit der Zukunft, Verschränkung, Zeitlosigkeit tritt zur Eigenschaftslosigkeit noch hinzu, Sinn und Unsinn der Vielen Welten, Deutung vs. Interpretation einer Theorie und so weiter. Die Themen werden uns also so schnell nicht ausgehen. Freuen wir uns also auf die Diskussionen!

Jürgen Audretsch

Veröffentlicht im Oktober 2012

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Jürgen Audretsch ist Professor i.R. für Theoretische Physik an der Universität Konstanz. Von 1961 bis 1968 hat er Physik in Tübingen und Freiburg studiert. Er promovierte 1971 in Physik mit einer Arbeit über „Fermionen-Felder in der gekrümmten Raum-Zeit“. Nach Assistententätigkeit und einjährigem Forschungsaufenthalt an der University of London erfolgte 1973 die Habilitation. 1980 wurde er Professor für Theoretische Physik an der Universität Konstanz. Er hat Gastdozenturen in Mexico-City, Zürich und Tübingen wahrgenommen. Jürgen Audretsch hat mit einer Reihe von Aufsätzen zum interdisziplinären Dialog zwischen Physik, Philosophie und Theologie beigetragen. Er ist Mitherausgeber mehrerer Aufsatzsammlungen zu diesem Themenkreis. Seit 1998 leitet er an der Evangelischen Akademie Baden zusammen mit einem Theologen die Tagungsreihe „Theologie und Naturwissenschaft im Gespräch“. Jürgen Audretsch engagiert sich für die Idee der „öffentlichen Wissenschaft (public science)“ und hat in mehreren Büchern und Aufsätzen physikalische Themen elementarisiert dargestellt.

[1] J. Audretsch, Der Mensch als Maß auch in der Physik?, in: J. Audretsch, K. Nagorni (Hg.), Der Mensch - Maß aller Dinge? Theologie und Naturwissenschaft im Gespräch, Ev. Akademie Baden, Karlsruhe 2012 (im Druck).

[4] J. Audretsch, Die sonderbare Welt der Quanten – Eine Einführung, Verlag C.H. Beck, München, 2008 (1. Aufl.), 2012 (2. Aufl.).

Bildnachweis
Ergebnis eines Doppelspaltexperiments, Ausschnitt aus 4. (c) Wikimedia Commons
German physicists Max Planck (c. 1930) (c) Wikimedia Commons
Doppelspaltexperiment (c) Wikimedia Commons
Ergebnis eines Doppelspaltexperiments, welches das Interferenzmuster von Elektronen zeigt. Anzahl Elektronen: 11 (a), 200 (b), 6000 (c), 40000 (d), 140000 (e). (c) Wikimedia Commons
Religious symbols from the top nine organised faiths of the world according to Major world religions (From left to right: 1st Row: Christian Cross, Jewish Star of David, Hindu Aumkar2nd Row: Islamic Star and crescent, Buddhist Wheel of Dharma, Shinto Torii3rd Row: Sikh Khanda, Bahá'í star, Jain Ahimsa Symbol) (c) Wikimedia Commons

    Wie berühren sich Quantentheorie und Theologie?

    fragt der Physiker Jürgen Audretsch

    Sehen Sie die Berührungspunkte zwischen Quantentheorie und Theologie dort, wo Jürgen Audretsch sie in seinem Leitartikel setzt? Und kann man analog sagen, Gott eine Eigenschaft zuzusprechen sei so wahr und so falsch wie die Abwesenheit dieser Eigenschaft zu behaupten? Hier ist Platz diese und weitere Fragen zum Artikel zu stellen und überhaupt den Artikel zu diskutieren.

    Kommentare (5)

    • Oliver Welz
      Oliver Welz
      am 22.10.2012
      Wenn die Welt das ist, was wir von ihr denken, ist auch Gott das, was wir von Ihm denken. Und genau das spiegelt auch den Pluralismus wieder, denn auf unserer Erde gibt es bekanntlich mehr als einen Gott. Jeder Mensch oder jede Gruppe, hat ihre eigene Wahrheit und lebt danach. In der Quantenphysik gibt es die "Viele Welten Deutung". Im Grunde tun beide Seiten, Theologie und Naturwissenschaft, genau das Selbe. Sie suchen nach unserem Ursprung, nur das jede der beiden andere Wege geht. Und im Grunde ist es doch nur eine reine Frage der Kreativität, ob dieser Ursprung nun Gott, Budda oder aber Nullpunktfeod oder Quantenmatrix genannt wird.
      www.quanten-web.de
    • Dorothee Janssen
      Dorothee Janssen
      am 03.02.2013
      Zitat: "Ein Reden über Gott ist unmöglich. Augustinus spitzt das zu: "Wenn du begreifst, ist es nicht Gott." Gott eine Eigenschaft zuzusprechen ist so wahr und so falsch wie die Abwesenheit dieser Eigenschaft zu behaupten. Die Argumentationskette beginnt mit dieser Annahme. Auf diese Kernaussage könnten sich viele Religionen verständigen. Also ein „fast“ eigenschaftsloser Gott."
      Wie kann man schließen, dass Gott fast eigenschaftslos ist, wenn es verschiedene Gottesbilder gibt?
      Die Aussage des Augustinus meint nicht, dass Gott als relativ begriffen werden muss. Augustinus selbst hat Zeit seines Lebens nach Gott gesucht und seine Theologie veröffentlicht.
      Wenn die Theologie im Dialog mit der Quantentheorie ist, ist sie als Geisteswissenschaft im Dialog mit einer Naturwissenschaft, die sich mitunter wie eine Geisteswissenschaft gebärdet.
      Mein Standpunkt: wir suchen, forschen, tauschen uns aus. Mit Konsequenzen sollte jeder Mensch vorsichtig sein - oder zumnindest seine Erkenntnisse als bereits in Frage gestellt begreifen.
    • Hans Arnold
      Hans Arnold
      am 23.12.2013
      Erstmal zwei "Ungenauigkeiten" oder Falschinterpretationen durch den Leser;
      Quantenobjekte hätten keine Eigenschaften. Was sind dann Spin beim Atom und Polarisation beim Photon?

      Photonen können in Elektronen übergehen und umgekehrt. Ist eine solche Aussage nicht schon widersprüchlich aus dem Umstand der Ruhemassen Photon=0, Elektron=9,1x10^-31?'

      Leider wird auf DAS Experimentierfeld "Nichtlokalität" bei Quantenobjekten nicht eingegangen. Gerade aber hier findet sich ein bedeutendes Berührunjgsfeld Theologie/Naturwissenschaft/Relativitätstheorie.

      Mit Recht wird (indirekt) darauf hingewiesen, dass mit Begriffen unserer Sprache über Quantentheorie schlicht nicht gesprochen werden kann. Raum und Zeit ergeben die Substanz, das Rohmaterial unserer Sprache. Die gleiche Ausgangssituation wie in der Theologie. Aussagen über Gott mittels uns zur Verfügung stehenden Begriffen, sind a priori unzutreffend, sind falsch, darin eingeschlossen schon der Begriff "Gott".

      Ein Ausgungspunkt um sich dieser "zentralen Ordnung" (Heisenberg) zu nähern, wäre vielleicht die Aussage der Physik, dass der ganze Kosmos sich aus lediglich 3 Elementarteilchen (Protonen, Neutronen, Elektronen) plus 4 verschiedenen "Klebe- Moderierstoffen" zusammensetzt.
      Die Mannigfaltigkeit des Universums ergibt sich einzig und allein aus dem unterschiedlichen Mix dieser "Hardware". Das heisst die Information prägt den Kosmos. "Information" = Geist. (Gott als das SEIN.
      Dazu eine Ergänzung zur Aussage aus dem Feuerbusch, wie sie im Artikel widergegeben ist: in der Septuaginta ist die Hebräische Aussage übersetzt mit: "ich bin das Sein". (Ego eimi ho on)
    • Frank Schlageter
      Frank Schlageter
      am 24.06.2014
      Die wiedersprüche in den vielen theorien die, die Theologie und Physik verbinden sollen, resultieren aus einem Unterschätzen der Kreation die uns bremsen und auch vorran bringen soll.
    • Thomas Portmann
      Thomas Portmann
      am 07.08.2018
      Als Physiker unterstütze ich wohl, was Herr Audretsch über "Popularisierung" sagt, denn es deckt sich mit meinen Erfahrungen und den wissenschaftstheoretischen Grundsätzen, die allgemein geteilt werden.

      Selbstverständlich kann nicht nur mit Begriffen unserer Sprache über Quantentheorie gesprochen werden, sondern es wird faktisch nur mit Begriffen menschlicher Sprache darüber gesprochen, sowohl populär als auch fachlich, letzterenfalls sogar mit sehr weitgehender formaler und empirischer Bestimmtheit. Wäre es nicht so, so müßte man stammeln oder über sie schweigen. - Ähnliches gilt übrigens auch für die Theologie.

      Ich sehe überhaupt nicht diesen Berührungspunkt bzw. diese Analogie zwischen Quantentheorie und Theologie, den Herr Audretsch sieht (Zusprechen einer Eigenschaft). Insofern teile ich wohl den Standpunkt von Frau Janssen.

      Zurecht macht die Theologie einen Unterschied zwischen dem geheimen und dem offenbarten Willen Gottes. So schreibt etwa Luther in seiner Schrift "Vom unfreien Willen":

      "Wir sagen, wie wir schon vorher gesagt haben, über den geheimen Willen der (göttlichen) Majestät dürfe man nicht disputiren, und die menschliche Vermessenheit, welche, wie sie ja immer verkehrt ist und das Notwendige anstehen läßt, sich stets daran macht und zu erforschen strebt (tentat), müsse davon abgehalten und abgezogen werden, damit sie sich nicht mit der Erforschung jener Geheimnisse der Majestät beschäftige, welche zu erlangen unmöglich ist, da sie „wohnt in einem Lichte, da niemand zukommen kann“, wie Paulus bezeugt (1 Tim. 6,16.)."

      Insofern der Mensch Gott außerhalb dessen begegnet, was er als Gottes selbstautorisierte Offenbarung begreift, begegnet er ihm autonom, letztlich mit autonomer Wissenschaft, z.B. als Philosoph oder als Naturwissenschaftler im Sinne Immanuel Kants. Ich verstehe das Augustinuszitat "Wenn du begreifst, ist es nicht Gott" als nur auf das autonome Begreifen des Menschen bezogen. - Es wäre absurd, das Zitat anders, also als auf Gottes in der Heiligen Schrift offenbartes Wort, zu verstehen, denn das würde bedeuten, Augustinus hätte gemeint, man könne Gesetz und Evangelium nicht mit oder in Gott begreifen, was einer Bankrotterklärung der christlichen Theologie gleichkäme, die von ihm sicher nicht intendiert war. Das Begreifen der Offenbarung Gottes im Sinne der christlichen Theologie (Gesetz und Evangelium) ist aber kein autonomes, sondern ein heteronomes Begreifen - das ist der Glaube. - Es ist mir schon klar, daß es "die christliche Theologie" nicht gibt, aber indem ich sie trotzdem bemühe, will ich eben sagen, daß sich hier die großen Denominationen offenbar sogar einig sind.

      Es ist offensichtlich, daß in diesem Sinne nicht die autonome, sondern die heteronome Erkenntnis Gegenstand der Theologie ist, und daß sie sich nur ganz am Rande mit der Frage beschäftigt, inwieweit man Gott außerhalb seiner Offenbarung erkennen könne. In Wirklichkeit hat die Theologie, heteronom und basierend auf der durch Mose, die Propheten und die Apostel übermittelten Offenbarung, insbesondere über das Handeln Gottes in der einen Menschheitsgeschichte, in die unser aller Leben eingebettet ist, sehr viel über Gottes Eigenschaften zu sagen, denn genau das ist ihre eigentliche Aufgabe. Insofern redet sie nicht von einem eigenschaftslosen Gott, sondern ganz im Gegenteil von dem einen Gott, der Himmel und Erde, Sonne, Mond und alle Sterne geschaffen hat, von dem einen Gott Adams und Evas, Abrahams, Isaaks und Jakobs, von dem tatsächlichen Vater des vorher angekündigten Messias, der sich durch die messianischen Zeichen, die die Propheten vorhersagten, als solcher auswies, die Sünden der Menschheit vor zweitausend Jahren an einem römischen Galgen tilgte und danach von den Toten wieder auferstand, seine Schüler und Freunde tröstete und schließlich vor den Augen vieler Zeugen in einer Wolke verschwand - also von einem Gott, der sehr, sehr konkrete Eigenschaften hat, die kein Philosoph aus apriorischen Prinzipien herleiten kann, sondern im Gegenteil: die der Philosophie und Wissenschaft primitiv, dumm und unbefriedigend vorkommen, wie die Theologie selbst von Anfang an ohne Not feststellt.

      Und die Theologie ist nicht gut beraten, wenn sie davon abweicht, so wenig, wie etwa die Physik gut beraten wäre, über Gott zu spekulieren, aus ihrer Sicht eine Entität, die sich ihrer Methoden (Messen, Zählen und Wiegen) absolut vollständig entzieht.

      Das bedeutet jedoch nicht, daß die Theologie (fast) nichts darüber zu sagen hätte, was man von Gott außerhalb der o.g. Offenbarung erkennen kann. So heißt es bereits im Römerbrief, praktisch dem Urstück christlicher Theologie, daß die Menschen Gottes unsichtbares, ewiges Wesen und unmeßbar große Kraft schon aus seiner Schöpfung und sein souveränes Gesetz schon aus ihrem Gewissen erkennen können, was allein schon dafür hinreichend ist, daß sie keine Entschuldigung vor ihm haben. Letztere Tatsache würdigte ausgerechnet sogar Kant ("das moralische Gesetz in mir"), obwohl ja er es war, der der klassisch-orthodoxen evangelischen Theologie den letzten Todesstoß versetzte.

      Das sind schon ziemlich wesentliche Eigenschaften Gottes, die ich als autonomer, auch mäßig bis saumäßig gebildeter Mensch jeden kulturellen Hintergrundes erkennen kann, ohne je mit Quantenmechanik und ohne je mit einer der drei großen monotheistischen Offenbarungsreligionen in Berührung gekommen zu sein.

      Man könnte vielleicht einwenden, das sei doch eine zu unaufgeklärte, naive oder zu ideologisch gefärbte Sichtweise, weil sie ja eben doch einer bestimmten Schrift einer bestimmten Religion entnommen sei oder aus bestimmten Kulturkreisen stamme. - Aber muß es deshalb unrichtig sein? Wenn sich auch Generationen der wichtigsten Theologien über viele Epochen hinweg jedenfalls ungefähr darin einig sind (wenn sie sich ansonsten schon leider bis aufs Blut gegenseitig bekämpft haben) und wenn nicht einmal der große Zerschmetterer der klassischen evangelischen Theologie, der Vordenker des Wissenschaftsbegriffes und der klassischen Physik sich der Erkenntnis einiger ganz bestimmter Eigenschaften Gottes erwehren konnte?

      Man muß allerdings einräumen, daß die Erkenntnis dieser letztgenannten wesentlichen Eigenschaften Gottes letztlich nicht durch die autonome Vernunft zustandekommt, auch wenn sie ohne Offenbarung auskommt und mithin jedem Menschen durch die Lebenswirklichkeit zugänglich ist. Daß die dafür verantwortlichen Erkenntnisgründe hinreichend sind, daß der Mensch vor Gott keine Entschuldigung hat, wie die Theologie sagt, ist eine Sache. Deswegen ist das, was sie sagt, noch nicht wissenschaftlich befriedigend. Das gilt nicht a priori. Das überzeugt nicht per se. Die Vernunft kann es auch anders sehen. Dementsprechend schreiben andere Weltreligionen Gott oder Göttern andere Eigenschaften zu als die letztgenannten. Aber deswegen sind die verschiedenen sich widersprechenden Aussagen auch nicht einfach gleichberechtigt. - Hier sehe ich vielleicht eine Analogie zur empirischen Wissenschaft: Die Aussagen müssen sich der Wirklichkeit stellen, wenn sie denn überhaupt dazu geeignet sind. Die, denen die Erfahrung widerspricht, müssen dann als falsch gelten.

      Auf welcher Ebene läßt sich nun überhaupt ein Dialog führen? Und ist hier die Sprache der Quantenmechanik überhaupt eine Hilfe?

      Das alttestamentliche Zitat der Antwort Gottes auf Moses Frage danach, wer er sei, "Ich bin, der ich bin", scheint mir eher irreführend als ideengebend zu sein. Denn diese Antwort ist nicht, wie Herr Audretsch andeutet, selbstreferenziell oder zirkelschlüssig zu verstehen, in dem Sinne, mehr könne man über Gott nicht sinnvoll sagen, sondern es handelt sich um ein Wortspiel: "Ich bin der „Ich bin“", womit sich der Antwortende als absoluter ontologischer Ur- und Bezugspunkt, als genau der offenbart, der im Römerbrief als der von allen Menschen erkennbare eine Schöpfer bezeichnet wird, nämlich der, der sich durch sein unvergängliches, unwandelbares und souveränes Wesen auszeichnet und von dem der Mensch zur Rechenschaft gezogen wird.

      Aber gut, was bleibt denn übrig, wenn man das alles versucht zu ignorieren und Audretsch bis zu dem quasi gemeinsamen Nenner folgt, daß Gott eine Entität sei, die existiert, und der man ansonsten keine Eigenschaft zu- oder absprechen könne - in Analogie zu einem quantenmechanisch zu beschreibenden Teilchen, dem man z.B. (im Moment) keinen Ort zuschreiben kann, sondern nur die Tatsache, daß es da ist? - "Auf diese Kernaussage könnten sich viele Religionen verständigen." - Ja? Wie soll ich mir das denken? Kann ich mich als Christ darauf verständigen, daß Gott nicht Schöpfer dieser Welt ist? Oder das Christus nicht Gott ist? Wieso nenne ich mich dann eigentlich "Christ"? - Ach, ich habe etwas nicht verstanden: Auch die Eigenschaft, daß Gott nicht Schöpfer dieser Welt ist, kann ich Gott nicht zuschreiben. Verstehe...

      Wenn ich nun doch mehr aussage, gerate ich in die Situation, daß ich mit einigen Aussagen, die gemacht werden (z.B. im Apostolischen Glaubensbekenntnis), übereinstimme, und anderen widerspreche. Das liegt offenbar in der Natur der Sache. - Ein "Dilemma" würde ich das jetzt nicht nennen. Im wissenschaftlichen Diskurs ist diese Situation das Tagesgeschäft.

      Aber o.k. - Wie soll ich diesem "Dilemma", wenn es denn eines wäre, entgehen? Indem ich die den Widerspruch erregende Eigenschaft nicht Gott (der Entität), sondern eben der Tatsache, daß ich "der speziellen Offenbarung Gottes und dem Mittler dieser Offenbarung" glaube (der meßprozeßähnlichen Wechselwirkung), zuschreibe? Also ich entdecke bzw. konkretisiere Gott für mich, indem ich wie ein Christ glaube, und mein islamischer Nachbar entdeckt Gott für sich, indem er sich dem einen Allah unterwirft, dessen Prophet Muhammad ist?

      Das Problem dieses Ansatzes ist, daß er sachlich nicht möglich ist. Der springende Punkt dabei ist, daß er die Glaubensinhalte entscheidend verändert.

      Die speziellen Eigenschaften in der speziellen Offenbarung Gottes - wie ich z.B. glaube, der Bibel - z.B. daß Gott der Schöpfer ist, sind mit theologischer Notwendigkeit Eigenschaften Gottes, und nicht Eigenschaften meines Glaubens. Wäre es anders, dann würde ich nicht an Jesus Christus, sondern an meinen Glauben glauben. Es wäre dann nicht so, daß Christus ein für alle Mal eine ewige Erlösung erworben hätte (Hebr. 9,12), sondern daß ich mich durch meinen Glauben selbst erlöste (der Akt der Erwerbung geschähe nicht "ein für alle Mal", sondern exklusiv für mich, und zwar jetzt, und nicht vor 2000 Jahren). Allein wenn ich nur im Audretschen Sinne daran glaubte, daß Gott der Schöpfer sei, dann glaubte ich so, daß er es nur für mich sei. Aber dann glaubte ich eben tatsächlich nicht, daß er in Wirklichkeit der Schöpfer sei, zum Beispiel der Schöpfer unseres (auch meines Nachbars!) Mondes, sondern daß Gott es nur in meinem Glauben sei.

      Herr Audretsch nennt auch keinen Grund, weshalb man einen solch bizarren Standpunkt annehmen sollte. Wodurch ist das herausgefordert?

      Auch ist er nicht analog zu dem quantenmechanischen Beispiel, das er nennt. Denn nach dem Meßprozeß zum Ort hat das Teilchen tatsächlich den gemessenen Ort, nicht die Messung (der Meßprozeß hat keinen Ort). Auch für meinen Kollegen hat es den Ort, den ich gemessen habe.

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