Die Reaktion auf den Tod des bedeutenden evangelischen Theologen Wolfhart Pannenberg ist im deutschsprachigen Bereich (bis jetzt) mehr als spärlich und beinahe auf den vorliegenden Artikel des systematischen Theologen Gunther Wenz beschränkt. Wenz hebt die immense Bedeutung Pannenbergs hervor, der seinerzeit gegen die Vorherrschaft der dialektischen Theologie eine neue Richtung eröffnete. Ziel dieser Richtung und im interdisziplinären Kontext relevant ist der "Nachweis einer allem Irrationalismus und Dezisionismus überlegenen Vernünftigkeit des Glaubens". In Überwindung einer privatistischen Frömmigkeit sollte diese Vernünftigkeit "vor dem Forum das allgemeinen Wahrheitsbewusstseins" gerechtfertigt werden - anthropologisch zum Beispiel mit der Struktur der "Gottoffenheit" des Menschen. Der Artikel gibt einen prägnanten Einstieg in den Ansatz Pannenbergs, schade nur, dass nicht mehr und ausdrücklicher auf Pannenbergs Dialog mit den Naturwissenschaften eingegangen wird.

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Das Interview mit dem Philosophen Robert Spaemann kann als kritische Anfrage an Dworkins Entwurf einer Religion ohne Gott gelesen werden, der im Zentrum des vorausgehenden Artikels stand. Zu Recht fragt Spaemann: "Wie kann man als Atheist die Absolutheit von Werten behaupten?" Die Argumente, die Dworkin gegen einen Relativismus ins Feld führt, sind für Spaemann "Argumente für Gott". Gegen den Relativismus rein subjektiver Perspektiven setzt Spaemann die Wahrheitsfähigkeit, die ohne Gott nicht zu haben sei: "Die Wahrheit des Ganzen braucht die Gottesperspektive". Wer von dem Artikel eine Antwort auf die (vom Interviewer dreimal gestellte) Frage erwartet, ob Gott mehr ist als eine Projektion, wird leider enttäuscht. Enttäuscht wird aber auch der Leser des vorgängigen Artikels, der die Antwort auf die Frage, wie Dworkin die Absolutheit der Werte ohne Gott begründet hat, ebenso schuldig bleibt.

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Peter Hess würdigt den kürzlich verstorbenen Astronomen und Kosmologen William R. Stoeger SJ, der vehement die Annahme verworfen habe, als moderner Wissenschaftler könne man nur Atheist sein. Neben seinen astrophysikalischen Betätigungen habe Stoeger die Bedeutung zeitgenössischer Kosmologie für die Theologie stark gemacht. Kerngedanke dabei sei eine naturimmanente Gerichtetheit, die mit naturwissenschaftlichen Mitteln aus "der Emergenz physikalischer und biologischer Strukturen, von Komplexität, Leben und Geist" erkannt werden könne. Er grenze sich aber scharf vom "Intelligent Design" ab und sehe sich nicht veranlasst, teleologische Mechanismen oder eine "irreduzible Komplexität" anzunehmen. Für Stoeger seien die Naturgesetze eine der zentralen Weisen, durch die Gott im Universum wirke. Gott sei die Erstursache des Universums und der Schöpfer der Zweitursachen der Natur - derjenige, welcher "der Natur die kausale Fähigkeit zur biologischen Evolution des Lebens durch solche Prozesse wie Variation und natürliche Selektion" verleihe.

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Das Auftreten eines neuen, kämpferischen Atheismus in jüngster Zeit interpretiert Detlef Pollak, Professor für Religionssoziologie, als Reaktion auf die in den Medien viel beschworenen Rückkehr der Religion. Zugleich stellt er jedoch fest, dass beide Phänomene – der neue Atheismus und die Rückkehr der Religion – empirisch gesehen in der Gesellschaft keine breite Verankerung haben. Deshalb brauche man eine Erlösung weder vom einen noch vom anderen der beiden Phänomene. Vielmehr sei man – besonders in Deutschland – aufgrund der Erfahrungen mit totalitären Ideologien skeptisch gegenüber jeder Form von fanatischer, welterlösender und welterklärender Heilslehre. Die Werte der Toleranz und der Akzeptanz fremder Lebensformen und Glaubensvorstellungen fänden immer größere Zustimmung. Im Hinblick auf die neuen Formen des Atheismus schließt Pollak deshalb, ein Atheismus, der Anerkennung erlangen wolle, müsste zunächst Respekt vor den kulturellen Leistungen der Religionen aufbringen

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Fiktives Gespräch mit Gott zum 500.Geburtstag von Michaelangelos Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Erstaunlich tiefsinnig und nachdenklich für das Format. Es geht um sehr viele zentrale theologische Fragen, immer bezogen auf die Darstellungen Michaelangelos.

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Mehrfach weist das christliche Medienmagazin auf die Leistung des Films "Hereafter - Das Leben danach" hin, interessante Fragen aufzuwerfen und die auch im Film angedeutete "Verschwörung des Schweigens" aufzubrechen. Der Rezensent kann aber nicht umhin vorwegzunehmen: "Es ist kein besonders theologischer Film". Dem ist sicher zuzustimmen. Kritisiert wird dann aber auch, die Darstellung von Nahtoderfahrung entspräche nicht den gängigen Darstellungen. Das allerdings habe ich anders in Erinnerung: Ich fand die Beschreibung durchaus zutreffend, vor allem die tiefgreifende und nachhaltige Wirkung auf Betroffene - hier auf die zweite Hauptperson Lelay - wurde gut zum Ausdruck gebracht

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Robert Wright will den Kulturkampf zwischen atheistischen Wissenschaftlern und gläubigen Evolutionsgegnern schlichten, indem er auf eine Gemeinsamkeit beider Parteien hinweist: Beide unterschätzten die kreative Kraft der natürlichen Selektion. Nähmen Gläubige dies ernster, könnte auch die darwinistisch so schwer fassbare menschliche Moral plausibel erklärt werden. Wrights Hinweis auf den evolutiv gut erklärbaren "reziprokem Altruismus" greift indes zu kurz, da Moral qualitativ mehr ist als gegenseitiger Nutzen. Moralische Wahrheit sei jedenfalls ähnlich wie mathematische Wahrheit immer schon vorhanden, sie brauche von der natürlichen Selektion nicht erfunden, sondern nur gefunden werden. Diesen "Algorithmus der natürlichen Selektion" könne Gott freigesetzt haben (zur Freude der Gläubigen), aber "seine Rolle in diesem kreativen Prozess endet" damit auch (zur Freude der Naturalisten). Der Preis für die Befriedung indes ist hoch: Es ist der ferne Gott des Deismus!

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Der Atheismus stelle, so Wolfgang Huber, eine Glaubenslehre jenseits von wissenschaftlicher Objektivität dar. Orientiert an einem wissenschaftsgläubigen Fortschrittskonzept gehe der Atheismus davon aus, dass die Wissenschaft die Grundfragen der menschlichen Existenz ohne Rest beantworten werde. Die Erklärung des Lebens sei aber nicht mit dessen Sinn gleichzusetzen und lasse deshalb viele Fragen offen. Zwar gebe es auf solche Fragen durchaus auch säkulare Antworten. Glaube stelle deshalb ebenso wie eine atheistische Grundhaltung eine Option innerhalb der Pluralität von Weltanschauungen dar. Aber gerade angesichts der neuen Möglichkeiten der Lebenswissenschaften sei es zur Wahrung der Menschenwürde unverzichtbar, diese nicht „als Resultat menschlicher Selbstbestimmung“ zu verstehen, sondern als aus der Beziehung des Menschen zu Gott als seinem Schöpfer und der Beziehung zu seinen Mitmenschen resultierend. Deshalb, so Huber, würden Christen an ihrer Hoffnung festhalten

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Die meisten Wissenschaftler seien ungläubig oder trennten Wissenschaft und Religion. Es gebe aber auch erstaunlicherweise führende Wissenschaftler, die aus der Wissenschaft Argumente für Übernatürliches ziehen. So gehe die "Computer-Theologie" Jürgen Schmidhubers von der Prämisse aus, dass es einen "schnellsten, effizientesten, optimalen Weg gibt, alle logisch möglichen Universen zu berechnen, unseres eingeschlossen - falls unseres berechenbar ist, wogegen nichts spricht". Aber, so wendet der Autor des Artikels ein, wenn ein Universum durch einen Computer beschrieben werden kann, bedeute das nicht, dass es auch durch einen solchen und einen "Gottähnlichen großen Programmierer" auch regiert werde. David Eagleman schließt umgekehrt vom Nichtwissen auf Gott: "Unser kosmisches Nichtwissen ist zu gewaltig, um sich zum Atheismus zu bekennen". Zurecht fragt der Autor allerdings, inwiefern sich diese Nichts-ist-unmöglich-Mentalität ("Possibilianismus") vom Agnostizismus unterscheide

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Thomas Jay Oord macht durch seine eigene biografische Entwicklung die Relativierung eines wortwörtlichen Bibelverständnis nachvollziehbar. Der Kernsatz, "der Zweck der Bibel ist unsere Erlösung", gibt die formale Hinsicht an, unter der von "Irrtumslosigkeit" der Bibel gesprochen werden kann. Biblische Wahrheit wird damit nicht in naturwissenschaftlicher Hinsicht beansprucht. Oord, der evangelikal zu verorten ist, erinnert in dieser Sicht der Irrtumslosigkeit der Schrift an die formale Bestimmung, die auch das Zweite Vatikanische Konzil vornimmt: Die Wahrheit der Bibel ist auf unser Heil bezogen ("causa salutis")

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