Jocelyn Bell Burnell
Ich habe ein Bild von einem Gott. Eines, das konventionelle Christen verschrecken würde. Ich sehe ihn nicht als Schöpfer des Universums. Ich sehe Gott nicht als einen, der die Welt kontrolliert. Daher lohnt es sich nicht, für gutes Wetter zu beten. Er könnte es wahrscheinlich einrichten, aber er wird es nicht tun.
Als Quäkerin ist Jocelyn Bell Burnell frei in ihren religiösen Ansichten. Als Astronomin wiederum ist ihr wichtig festzuhalten, dass das Universum sich selbst entwickelt, und nicht etwa von Gott geschaffen worden ist. Vielmehr agiert Gott für sie durch die Menschen, er inspiriert uns zur Kreativität.
Die Idee mit der Kreativität finde ich schön, und sie ist übrigens auch sehr biblisch. Für mich widersprechen sich Evolution und Schöpfung des Universums aber gar nicht. Dawkins und seine biblizistischen Gegenspieler tragen dazu bei, Evolution und Schöpfung immer als Gegensätze zu sehen. Dabei kann man Evolution auch als eine Interpretation der Bibel verstehen. Kein Scherz. Es war gar Charles Darwin selbst, der ab der zweiten Auflage seines grossen Werks von der Entstehung der Arten dort einen Briefwechsel mit dem Geistlichen Charles Kingsley zitiert, der die Idee, dass die Welt sich selbst entwickelt, in der Bibel wiederfindet. Und mehr noch, der «Erfinder» der modernen Urknall-Theorie, Georges Lemaitre, war zu dieser Idee von der Bibel inspiriert worden. Ob Sie es glauben oder nicht.
(Kommentar von Andreas Losch)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/moglicherweise-ist-einsteins-theorie-falsch-3618295.html


