Theologie und Naturwissenschaften – sind das nicht Gegensätze?

Einführung von Andreas Losch

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Die verbreitete Auffassung, Theologie und Naturwissenschaften seien zueinander gegensätzlich wie Feuer und Wasser, ist ein Mythos. Die historische Entwicklung und Auseinandersetzung der beiden Disziplinen, auch im Falle Galileis und Darwins,  ist wesentlich vielschichtiger und daher auch spannender als diese Auffassung nahelegt.

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Ist Nachhaltigkeit ein christliches Gebot?

Leitartikel von Robert S. White, FRS

Einige Christen haben die Ansicht vertreten, dass Gott die Ressourcen dieser Welt in erster Linie den Menschen gegeben hat. Sie argumentieren, dass wir uns, da uns die Herrschaft über die Welt gegeben wurde (in 1. Mose 1,28) und die Welt in der Apokalypse zerstört werden wird, nicht allzu viele Sorgen über die Folgen von Handlungen machen sollten wie dem reichlichen Verbrennen vorhandener fossiler Brennstoffe, scheinbar kleinen, durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimaveränderungen, intensiver Landwirtschaft, die Ökosysteme verändert, und der Zähmung/Zerstörung der Wildnis um der menschlichen Expansion willen . Andere Christen stimmen der Güte von Gottes Schöpfung zu, weisen aber auch auf den Aspekt der menschlichen Verantwortung für die Pflege dieser Schöpfung hin, indem sie sozusagen als Gottes Hände auf Erden handeln. Sie sehen die neue Schöpfung eher als eine Erneuerung der Erde und nicht als einen Ersatz und verweisen auf Bibelstellen, die auf die Kontinuität menschlicher Bemühungen zwischen der gegenwärtigen und der neuen Schöpfung hinweisen. Sie argumentieren, dass "Nachhaltigkeit" ein guter Slogan für die Art und Weise ist, wie wir unsere Interaktionen mit der Welt angehen sollten.

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Nachhaltigkeit gestern heute und morgen

Editorial von Frank Vogelsang

Wir leben in einer herausfordernden Zeit. Zunächst fällt jedem, wenn man heute einen Text so beginnt, die Corona Pandemie als vordringliche Herausforderung ein. Tatsächlich ist sie ja die Quelle vieler akuter Probleme und wirft von Anfang an auch theologische Fragen auf. Die relativ kurzfristige Belastung der Pandemie darf aber nicht die wesentlich drängenderen und langfristigen Probleme des Klimawandels in den Hintergrund schieben. Der Klimawandel hält nicht inne, weil gerade einmal eine Pandemie grassiert. Möglicherweise bieten die gesellschaftlichen Reaktionen auf die Pandemie Potentiale, die man auch für den Umgang mit dem Klimawandel nutzen kann, etwa ein verändertes Kommunikations- und Mobilitätsverhalten, weniger Dienstreisen und Fernflüge. Sicher ist das allerdings nicht. Und eine vollgültige Antwort auf den Klimawandel wäre das auch nicht.

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COVID-19 und Kreationismus

Die unheilige Allianz der Verschwörungstheoretiker. Widerlegen Borger et al. die Drosten-PCR?

In der gegenwärtigen Pandemie nehmen die Aktivitäten von Corona-Leugnern und Impfgegnern in der öffentlichen Diskussion viel Raum ein. Nun bekommen die sogenannten "Querdenker", nicht ganz unerwartet, Schützenhilfe von Evolutionskritikern. Dafür greifen sie einen von Corman, Drosten und anderen im Januar 2020 publizierten Nachweistest auf das SARS-CoV-2 Virus an, das COVID-19 verursacht. Es handelt sich um den sogenannten Corman-Drosten-PCR.

Gerne weisen wir auf einen wichtigen Text von Andreas Beyer und die Hintergrundanalyse von Hansjörg Hemminger hin.

Astrophysiker Heino Falcke: Schwarze Löcher, Universum und Schöpfung

Neues Akademiegespräch

Der internationalen Forschergruppe um den Astrophysiker Professor Heino Falcke gelang es 2019 erstmals, ein Bild eines Schwarzen Loches im Universum zu gewinnen. Dies ist ein Meilenstein in der Erforschung Schwarzer Löcher, jenen Massekörpern, die so hohe Gravitation haben, das nicht einmal Licht hindurchgeht und die u.a. Motoren für die Entstehung des Universums gewesen sein könnten. Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die weitere Erforschung des Universums? In seiner Freizeit engagiert sich der Astrophysiker als Prädikant in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Er predigt in der Kirche in Köln-Frechen, in der dieses Akademiegespräch aufgezeichnet wurde. Diese Konstellation war ein reizvoller Ausgangspunkt für ein Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaften, das Akademiedirektor Dr. Frank Vogelsang mit ihm geführt hat. Kann man von der physikalischen Beschreibung des Universums auf die Rede von der Schöpfung der Welt durch Gott schließen? Welche Parallelen lassen sich ziehen, wo sind die fundamentalen Unterschiede? Gibt es hier Konflikte oder ergänzen sich die Zugänge? Das Gespräch versucht das schwer zu erschließende Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie auszuloten.

Der aktuelle Kommentar aus unseren Diskussionen

Der Fall Bruno in (altem) neuen Licht

Überzeugen Sie die Argumente von Alberto A. Martinez, dass die Katholische Kirche Giordano Bruno wegen astronomischer Ansichten verurteilt hatte? Was sagt das Ihrer Ansicht nach über das Verhältnis von Wissenschaft und Religion aus?

Pierre Leich
06.04.2021 22:33:44

Ich empfinde es außerordentlich wohltuend, wie auf dieser Seite immer wieder Themen gegen den Strich gebürstet werden. Diesmal muss ich dennoch sagen, dass mich die Argumentation zu Bruno nicht überzeugt.

 

Der entscheidende Punkt scheint mir, dass Bruno deswegen kein Märtyrer der Naturwissenschaften sein kann, weil er kein Naturwissenschaftler war und sich mit naturwissenschaftlichen Themen nicht in unserem Sinne substanziell beschäftigt hat. Er legt keinen Wert auf Beobachtungen und sieht keinen Nutzen in der mathematischen …

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Forum Naturwissenschaft Theologie

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Simon Marius (Mayr)

Ein kurzer Lebensabriss und seine Forschungsergebnisse

Der Gunzenhausener Mathematiker, Arzt, Astronom und Kalendermacher Simon Mayr (1573–1624), der sich Marius nannte, war markgräflicher Hofmathematiker in Ansbach. Er entdeckte gleichzeitig mit Galilei die Jupitermonde, veröffentlichte aber erst nach diesem, woraufhin ihn Galilei des Plagiats bezichtigte. Heute ist klar, dass Marius die Jupitermonde völlig unabhängig von Galilei entdeckt hat und seine Beobachtungen teilweise etwas genauer waren. Schon zu seinen Lebzeiten war unbestritten, dass er als erster Europäer den Andromedanebel beschrieben hat.

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Buch zu dieser Webseite

Die Vermessung der Welt und die Frage nach Gott

Die Naturwissenschaften gewinnen immer mehr und immer detailliertere Erkenntnisse über die Welt. Doch die Frage nach Gott entzieht sich wie andere existentielle Fragen unseres Lebens den Methoden einer exakten naturwissenschaftlichen Vermessung. Dabei ist das Verhältnis von Wissenschaft und Religion nicht nur kontrovers, sondern auch sehr vielschichtig, oft überraschend. Wer weiß heute noch, dass schon im Mittelalter bekannt war, dass die Erde eine Kugel ist? Oder dass es auch eine wissenschaftliche Erklärung für Nahtoderfahrungen gibt? Welche neuen Herausforderungen entstehen durch neue Techniken wie das Genom Editing? Die Beiträge des Bandes greifen Geschichte und Gegenwart des Dialogs zwischen Theologie und Naturwissenschaften auf. Es geht darum, beides zu tun: die Welt so exakt wie möglich zu verstehen und zugleich eine Ahnung zu behalten für die Fragen, die jenseits dessen unbeantwortet sind. Der Aufsatzband nimmt Leserinnen und Leser mit hinein in den breit gefächerten Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaften.

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