Konsequenzen der Quantentheorie

Niels Bohr, einer der Begründer der modernen Quantentheorie, gestaltete sein eigenes Wappen mit dem Symbol von Yin und Yang und dem Motto: Gegensätze sind komplementär. Kein Wunder, dass seine Ideen die Phantasien vieler beflügelt haben, so z.B. Fritjof Capras „Tao der Physik“. Der Quantenphysiker John Polkinghorne hält Capras Interpretationen allerdings für unseriös. Es bleiben noch genügend überraschende Einsichten übrig, wie z.B. die Nichtlokalität der Quantenwelt, die schon Einstein Kopfzerbrechen bereitete. Trotzdem sollte man nicht gleich glauben, den Beweis für die Möglichkeit von Telephatie gefunden zu haben. Polkinghorne hält sich an die Heisenbergsche Unschärferelation und interpretiert sie mit der Mehrheit der Physiker indeterministisch. Der Weltlauf ist nicht mehr vorherbestimmbar, der Laplacesche Dämon überwunden.  Eröffnet das die Denkbarkeit eines freien Willens oder von Gottes Handeln in der Welt? Auch diese Interpretationen sind nicht unumstritten. David Bohm war einer der ersten, die die Verborgenheit versteckter Variablen angenommen haben und die grundsätzliche Determiniertheit des Naturgeschehens weiter verfolgen.  In der Quantenwelt ist der Einfluss des Beobachters bei der Messung spürbar deutlich. Verschwimmt damit die Subjekt/Objekttrennung  im Erkenntnisprozess? Ein weites Feld an neuen Interpretationsmöglichkeiten eröffnet sich damit. Im deutschsprachigen Bereich wurde Bohrs Begriff der „Komplementarität“ auf viele Bereiche übertragen, und so auch auf das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften. Im angelsächsischen Gespräch der Disziplinen warnt man dagegen vor einer Inflation des Begriffs. Die physikalischen, philosophischen und theologischen Konsequenzen der Quantentheorie werden auch heute noch lebhaft diskutiert. Die Frage bleibt: was folgt, was folgt nicht?

Andreas Losch

Jürgen Audretsch, Quantentheorie und Theologie

Wer heute dem Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie folgen will, muss sich über Grundzüge der Quantentheorie informiert haben und darüber hinaus bereit sein, über seinen „theologischen Tellerrand" zu schauen. Die Quantenwelt ist fremder als die schon so oft beschriebene Welt der klassischen Physik. Sie verlangt einen neuen Umgang mit der physikalischen Wirklichkeit. Die vielen Berührungspunkte mit der Theologie zeigen, dass sich ein neues Nachdenken lohnt.

John C. Polkinghorne, Konsequenzen der Quantentheorie

Die Entdeckung der Quantentheorie im ersten Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts brachte die größte Revolution in unserem Verständnis der Welt der Physik seit den Entdeckungen von Isaak Newton mit sich. Die Newtonsche Welt der klassischen Physik war klar und determiniert; die Quantenwelt ist verschwommen und unvorhersehbar. (This article is also available in the original English version.)

Günter Ewald (PRO) / Christian Hoppe (CONTRA), Gibt es wissenschaftliche Indizien für ein Leben nach dem Tod? 

Seit Anfang 2011 stellt Clint Eastwoods Film "Hereafter - Das Leben danach" die Frage nach dem Jenseits. In dem Film geht es um Nahtoderfahrung und den Kontakt mit Verstorbenen. Was immer man von ihm halten mag, die Frage, ob es wissenschaftliche Indizien für ein Leben nach dem Tod gibt, ist auf jeden Fall eine aktuelle Frage, die im Folgenden von zwei Experten gegensätzlich beantwortet wird.

Hans-Jürgen Fischbeck, Die Schöpfungsgeschichte neu erzählt (pdf)

Die Schöpfungsgeschichte der Bibel wird immer wieder als Beleg dafür angeführt, dass der jüdisch-christliche Schöpfungsglaube in krassem Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft stünde. Der dagegen von Seiten der Theologie vorgebrachte Hinweis, dass die biblische Schöpfungsgeschichte gar keine Beschreibung des realen Geschehens sein wolle, sondern ein Bekenntnis zu Gott, dem „Schöpfer des Himmel und der Erde“ in narrativer Form, wird überhört. Meist wird auch ignoriert, dass die Bibel zwei Schöpfungsgeschichten erzählt, die sich inhaltlich und stilistisch unterscheiden. So wie die Bibel zwei Schöpfungsgeschichten erzählt und beide in gleichem Recht berichtet, wobei sie – wie könnte es anders sein – die Begriffe, Bilder und Vorstellungen ihrer Kulturen vor 3000-2500 Jahren v. Chr. verwendet, so ist es gleichermaßen legitim, dieses Bekenntnis im Lichte moderner Wissenschaft mit ihren Begriffen und Kategorien neu zu erzählen. Das soll hier  versucht werden.

(exklusiv auf theologie-naturwissenschaften.de)

Hans-Jürgen Fischbeck, Gott und die Naturgesetze (pdf)

Gott hat die Naturgesetze als das Fundament seiner Schöpfung nicht geschaffen, um sie immerfort willkürlich außer Kraft zu setzen, sondern um durch sie zu handeln, denn sie beruhen auf der Quantentheorie derart, dass das Weltgeschehen nicht wie ein Uhrwerk durchweg deterministisch abläuft. Die Allgültigkeit der Naturgesetze beschränkt nicht die Allmacht Gottes, sondern bringt sie vielmehr zum Ausdruck.

(exklusiv auf theologie-naturwissenschaften.de)

Hinweis: Georg Linke lädt hier zur Diskussion dieses Aufsatzes ein!

Hans-Jürgen Fischbeck, Über die Wirklichkeit der Seele (pdf)

Die Doppelfrage "Wer und was ist die Seele?" soll in dieser Betrachtung erneut gestellt werden. Eine erste Antwort auf die Wer-Frage lautet: Die Seele ist die geistige Gestalt eines Menschen. Nimmt man die Quantentheorie und die von ihr erkannte Doppelstruktur der Wirklichkeit ernst, so lässt sich zur zweiten Frage sagen: Die Seele eines Menschen ist die (quantenmechanische) Potentialität seines Gehirns. Wenn denn Potentialität die Wirklichkeitsform des Geistes ist und zweitens Potentialitäten allumfassend kohärent sein können, dann ist die These schlüssig: Die Wirklichkeit Gottes - sein Wille - ist die allumfassende Potentialität zum Guten. Unvergänglich ist somit die Seele eines Menschen nach seinem Tode als der Beitrag seiner Potentialität zum Guten.

(exklusiv auf theologie-naturwissenschaften.de)

Peter Kleinert, Religion und Naturwissenschaft (pdf)

Wie stichhaltig sind die Argumente der „Aufgeklärten“? Machen sie sich zu Recht über jede religiöse Heilserwartung lustig? Können sie ihrer Rolle als Aufklärer gerecht werden oder pochen sie störrisch auf ein Wissen, das längst veraltet und weltanschaulich irrelevant und irreführend ist? In der Tat, die scheinbar einleuchten Prämisse der Lehre von der Absurdität des menschlichen Daseins – der mechanisch-materialistische Atomismus – wird von der modernen theoretischen Physik als nicht zielführend, ja sogar als undenkbar verworfen. Das mechanische Gedankenkonstrukt, das feststehen soll, und das Absurdität und Sinnlosigkeit verbürgt, sackt in sich zusammen.

(exklusiv auf theologie-naturwissenschaften.de)

Frank Vogelsang, Die Rätsel der Natur. Publik Forum, Ausgabe Nr. 16/2013, S. 43-45.(pdf)

Die Quantenphysik zeigt, dass sich die Wirklichkeit sehr schillernd verhält. Seit ihren Anfängen vor über hundert Jahren hat sie immer wieder Fragen aufgeworfen, die bis heute unbeantwortet sind. Ihre Bedeutung weist zugleich über die Fachwissenschaft hinaus, denn sie berührt unser allgemeines Wirklichkeitsverständnis. Es gibt populäre Ansätze, die die Quantenphysik für theologische Aussagen nutzbar machen wollen. Reden aber nicht Quantenphysik und Theologie von völlig Verschiedenem? Schnell drohen hier voreilige Identifizierungen und verkürzte Interpretationen. Der Physiker Werner Heisenberg hat eine Interpretation der Quantenpyhsik vorgeschlagen, die auf ein umfassendes Wirklichkeitskonzept zielt. Dieses Konzept kann vielleicht auf einen Weg eines echten Dialogs zwischen sehr unterschiedlichen Wirklichkeitszugängen weisen.

 

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