Erstellt von al | | Deutsch | Hirnforschung

Endlich befreit!

Entscheidet unser Gehirn unbewusst, ist der freie Wille eine Illusion? Nach Jahrzehnten haben Berliner Hirnforscher die berühmte These mit einem raffinierten Spiel gegen den Computer widerlegt, so lauter der Aufmacher dieses interessanten Artikels. Es geht um die Libet-Experimente, nach denen das Gehirn die Entscheidung unbewusst längst vorweggenommen hat, lange bevor wir uns bewusst entscheiden, etwas zu tun. Stichwort war das Bereitschaftspotential des Gehirns, das sehr frühzeitig aufgebaut wird. Die Computerexperimente zeigen nun, dass sich der Mensch dennoch umentscheiden kann. Das war allerdings auch schon eine spätere Einsichts Libets (der an eine Vetomöglichkeit dachte), die allerdings nicht bei allen angekommen ist, und anscheinend auch nicht beim Verfasser dieses Artikels. - al

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Physik des Lebens - spektrum.de

Wenn sich Physiker auf die Suche nach einer "grundlegenden Theorie des Lebens" machen, werden manche eine Reduktion der Biologie auf die Physik wittern. Der Artikel (eine exklusive Übersetzung aus nature) berichtet jedenfalls von der Faszination der "aktiven Materie", die auf der Ebene kristalliner, biomolekularer und synthetischer Elemente selbstorganisierende Strukturbildungen und Bewegungen auszeichnet - ganz wie dies bei lebenden Organismen zu finden ist. So können für den Autor "die scheinbaren Gemeinsamkeiten zwischen der im Labor hergestellten aktiven Materie und lebenden Dingen ... schon unheimlich sein". Das kleine Wörtchen "scheinbar", das übrigens im englischen Original fehlt, trübt die Euphorie ein wenig. Denn künftig wird sich klären müssen, "ob sich mit Hilfe der Theorie der aktiven Materie auch biologische Mechanismen nachbilden lassen", und der Autor weiß, "dass die meisten Biologen erst noch davon überzeugt werden müssen". Aber laut dem Biologen Tony Hyman gibt es Hoffnung: "Die neue Generation von Biologen wird ... von Anfang an besser in Physik ausgebildet". - hhp

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Nobelpreis oder Häme für die Jäger von Gravitationswellen?

Der direkte Nachweis von Gravitationswellen wäre eine Sensation, der Nobelpreis so gut wie sicher. Kurz nach dem 100. Geburtstag der Allgemeinen Relativitätstheorie wäre damit eine von Einsteins verblüffendsten Vorhersagen bestätigt. Die Wellen werden ausgesandt, wenn im All gewaltige Massen in Bewegung sind. Trifft eine Gravitationswelle auf die Erde, staucht und dehnt sie den Raum und alles, was sich darin befindet: Menschen, Häuser, Kontinente – aber nur um Bruchteile eines Atomkern-Durchmessers. Seit 1960 bauen Physiker Detektoren, um die Wellen nachzuweisen. Allerdings waren andere Physiker zuletzt vor allem durch fehlerhafte Messungen aufgefallen, die sie auf Pressekonferenzen vorschnell für revolutionär erklärt hatten. Allerdings spricht einiges dafür, dass die neuen Daten kein Fake sind. Unter anderem eine Spezialeinheit, die Fakesignale aussendet, um die Genauigkeit der Beobachtung zu messen. - al

Erstellt von al | | Deutsch | Tierethik

Eine Frage der Haltung

In Reaktion auf eine Leserumfrage führt die ZEIT ein Interview mit einem Landwirt, einem Zoodirektor und einem Hirnforscher darüber, wie sie ihre Arbeit rechtfertigen, und ob sie mit den Tieren empfinden, die sie für ihre Arbeit benötigen. Darf man Tiere mästen? Darf man Tierversuche machen? Brauchen wir Zoos? - al

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Maßmenschen

Über kurz oder lang werden die ersten Babys mit künstlich verändertem Erbgut geboren werden, lautet die Einschätzung in der betreffenden Szene. Die Frage ist nun: Wie, wann, wofür und für wen soll man die Genomschneiderei erlauben? Der Mechanismus, CRISPR/Cas9 (kurz Crispr), ist simpel zu handhaben, billig und hocheffizient. Im Erbgut einer Zelle funktioniert er gleichsam wie die Suche-und-Ersetze-Funktion einer Textverarbeitung. Beliebige Gene lassen sich damit zielgenau austauschen. Wirklich erforderlich ist Crispr aber nur dann, wenn ein genetisch veränderter oder verbesserter Mensch erzeugt werden soll. Um den Homo crispr zu erschaffen, den Menschen mit Erbanlagen und Eigenschaften, wie sie uns die Genlotterie der Natur nicht oder nur selten bietet, dafür muss man gezielt eingreifen. Deswegen muss die zentrale Gerechtigkeitsfrage behandelt werden: Wie verhindert man die Spaltung der Gesellschaft? Hier die Reichen, die sich die Genomverbesserung ihrer Kinder leisten können; dort das genetische Lumpenproletariat, das zu Krankheit und Minderbegabung verurteilt bleibt? - al

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Angemessener über Gott sprechen - Herder Korrespondenz

Klaus Müller, Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie, empfiehlt der Theologie, der "panentheistischen Wende" und ihren "prozessphilosophischen Motiven" zu folgen, wenn sie "die Herausforderung durch das alle moderne Naturwissenschaft leitende Paradigma der Evolution ernst nehmen" will. Der PanENtheismus (die Welt ist in Gott, Gott aber mehr als die Welt) überbiete einerseits einen Pantheismus, der Gott und Welt gleich setze, andererseits einen klassischen Theismus, der die Gott-Welt-Differenz betone. Dadurch wäre Gott als Schöpfer, ja auch als Person angemessener zur Sprache zu bringen: "Sofern der Mensch sich selbst in seiner Personalität als staunenswert gewahrt, begegnet ihm im Staunenswerten der Welt etwas ... Konnaturales, das ihn ermutigt, eben jener Weltdimension Personalität zuzuschreiben". Bei aller Zustimmung könnte man an Müller die Frage richten, ob der "schultheologische Monotheismus", der laut Müller "knietief in der Krise" steckt, nicht bereits den geforderten Panentheismus in Ansätzen enthält - implizit (Karl Rahner, Jürgen Moltmann) oder explizit (Hans Kessler, Prozessphilosophie inklusive). Dass die Theologie diese Ansätze ausformulieren sollte, um "für die ontologischen Verpflichtungen, die sie mit ihrer Gottrede eingeht, auch intellektuell aufzukommen", wäre freilich im interdisziplinären Dialog mit den Naturwissenschaften eine plausible Forderung und ein vielversprechendes Forschungsprogramm. Und nach der Forschung käme dann die Vermittlung ... - hhp

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Einstein in der Grübelfalle - Zeit-online

Vor exakt 100 Jahren legte Einstein die finale Version der Allgemeinen Relativitätstheorie vor. In einer interessanten Kombination aus Biografie und Entdeckungsgeschichte zeichnet der Artikel das lange Ringen Einsteins um eine Theorie der Gravitation nach, die Newtons Schwerkraft überlegen sein sollte. Dieser Versuch schien anfangs genau so zu scheitern, wie Einsteins Bemühungen um Pazifismus. Es sollte bis 1915 dauern, bis sich Einsteins erneut modifizierte Theorie am Planeten Merkur empirisch bestätigen ließ. Der Artikel vergisst nicht zu erwähnen, dass das damit errungene Fundament der modernen Kosmologie nicht nur auf genialen Geistesblitzen beruht, sondern vor allem auf permanente und harte mathematische Arbeit. - hhp