Erstellt von fv | | Deutsch | Künstliche Intelligenz

Denn sie wissen nicht, wie sie es tun

Kann man künstliche Intelligenz kontrollieren? Zunächst einmal scheint diese Frage leicht zu beantworten zu sein: Natürlich kann man künstliche Intelligenz kontrollieren und man muss es auch. Doch so einfach ist es nicht, jedenfalls nicht für die neuen Ansätze künstlicher Intelligenz, die durch selbstlernende Systeme entsteht. Das Problem ist, dass die Systeme so viele innere Freiheitsgrade aufweisen, dass nicht klar ist, wie genau die Systeme lernen. Der angehängte Artikel der FAZ macht das an einfachen Beispielen deutlich. Selbstlernende Systeme lernen durch sehr viele iterative Prozesse, so dass die jeweiligen Veränderungen in den Systemen nicht mehr im Einzelnen nachvollzogen werden können. Zu prüfen ist dann nur das äußere Verhalten. Das aber kann jetzt richtig und in einer neuen Situation plötzlich anders und dann falsch sein. So gibt es schon Versuche, selbstlernende Systeme wiederum durch neue mathematische Systeme zu analysieren: Warum tun sie, was sie tun? Wenn man bedenkt, wofür selbstlernende Systeme eingesetzt werden sollen (Verkehr, Übersetzung von Sprachen etcpp), dann ist deutlich, dass ein Verhalten, dass nicht ganz und gar verstanden ist, ein Problem darstellt. Es bleibt spannend, ob und wie diese Systeme künftig unsere Welt mit steuern werden...! - fv

Erstellt von al | | Deutsch | Bioethik | Crispr | Wunder

Doktor Seltsam

Wundersame Heilungen wurden früher meist als Zufall abgetan. Immer wieder stehen Mediziner aber vor Menschen, die eigentlich an einer bestimmten Krankheit leiden sollten – von ihr aber auf unerklärliche Weise verschont werden. Pharmaforscher, Mediziner und Biowissenschaftler haben nun begonnen, eine neue Sicht zu entwickeln: Gerade die außergewöhnlichen, scheinbar zufälligen Glücksfälle können sich als ungeheuer wertvoll erweisen; in solch besonderen Menschen, ihren Genen oder Lebensumständen, liegt womöglich ein gewaltiger Erkenntnisschatz verborgen: Wissen für unmögliche Heilungen und überraschende Therapien für Leiden, vor denen die Medizin kapituliert hat. Wissenschaftler nennen diese rätselhafte Eigenschaft biologische Resilienz. Was aber ist ihr Geheimnis? Kriegen Wissenschaftler das heraus, haben sie ein fantastisches Wissen darüber erlangt, wie unheilbare und oft tödliche Erbleiden gelindert oder geheilt werden können. Denn es ist zu erwarten, so jedenfalls formuliert es der US-Genomexperte Dan McArthur, dass man "durch die Analyse solch resilienter Individuen deren schützende Faktoren identifizieren" könne. Diese Erkenntnis werde man nutzen, um jene zu behandeln, die nicht das Glück haben, als genetische Superhelden zur Welt gekommen zu sein. Auch wenn Medikamente, die sonst nicht helfen, bei einigen außergewöhnliche Wirkung zeigen, hat das immer einen Grund. Solche "exceptional responders" sind keineswegs nur Glückspilze und ihre Therapieerfolge nicht nur Zufall. Es dämmerte die Erkenntnis, dass auch jeder Krebspatient eine höchstpersönliche Krankheit hat und daher eine auf seinen Tumor zugeschnittene Therapie benötigt. Das Konzept ist heute in aller Munde, aber noch lange nicht verwirklicht – die individualisierte Medizin. Es fehlte bislang schlicht an dem genetischen Werkzeug, mit dem sich ein notwendiger Eingriff im Erbgut präzise hätte durchführen lassen. Seit wenigen Jahren gibt es endlich das gesuchte Werkzeug: eine hochpräzise Genschere. Mit dem als Crispr/Cas9 bekannt gewordenen genchirurgischen Verfahren haben die Therapeuten ein ultrafeines Skalpell, das den entsprechenden Eingriff erlaubt. Heikel sind derartige Versuche trotzdem. Niemand kann die veränderten Zellen zurückholen, sind sie erst in den Körper des Patienten zurückübertragen worden. Die Mediziner müssen absolut überzeugt sein, dass die Verfahren wirklich funktionieren und sicher sind. - al

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Atheismus | Bioethik | Biologie | Evolutionismus | Evolution | Soziobiologie | Deutsch

Wir waren nie Darwinisten - Richard Dawkins Foundation

Der bekannte Biologiehistoriker Thomas Junker beklagt sich hier über "eine eigenartige neue Spezies: Darwinisten, die sich nicht für die Biologie interessieren". Viele dieser "Salon- oder Pseudo-"Darwinisten hätten die Evolution zur Religionskritik genutzt, parteipolitisch oder weltanschaulich missbraucht, aus der Biologie dann aber letztlich keine lebenspraktischen Konsequenzen gezogen. Im Gegenteil: Junker identifiziert unter den neuen "Darwinisten ohne Biologie" geradezu "Biologiehasser", die sofort Biologismus wittern, sobald es um menschliches Verhalten geht. Wenn es Junker demgegenüber um "biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens" ('Grundlagen', nicht 'Determinanten') geht und um die Klärung, "ob es eine biologische Erklärung geben könnte und wie weit sie trägt", dann ist dem sicher zuzustimmen. Nur sollte man darüber hinaus nicht verkennen: Zwar neigen Biologiehasser zum Biologismusvorwurf, aber nicht hinter jedem Biologismusvorwurf steckt ein Biologiehasser! - hhp

Erstellt von fv | | Evolution | Deutsch

Regierung streicht Evolutionsunterricht

Kein Evolutionsunterricht mehr? Eine Meldung aus der Türkei lässt aufhorchen: Die türkische Regierung scheint die Evolutionstheorie aus dem Schulunterricht drängen zu wollen! Das ist sehr bedenklich, aber es wirkt aber auch hilflos. Diese Entscheidung wird, vorsichtig gesagt, den Anschluss der Türkei an Wissenschaft und Technik nicht befördern. Was soll dann die langfristige Perspektive für das Land sein? - fv

Erstellt von fv | | Quantenphysik | Deutsch

12000 km entfernt und doch verbunden!

Quantentechnik und Quantenrätsel In China soll kürzlich ein Experiment gelungen sein, den Verschränkungszustand zweier Photonen auf einer Distanz von 1200 km zu erhalten. Das ist in der Tat ein weiterer erstaunlicher Fortschritt. Hier mag, wie der Artikel nahe legt, ein erster Schritt zur Nutzung der Quantenkryptographie über weite Distanzen gemacht sein. Erstaunlich ist, dass man das, was in den Grundlagen erhebliche Deutungsprobleme aufwirft - für die Verschränkungszustand gibt es keinerlei Anschauung - in der Technik immer weiter zu beherrschen lernt. Hier kann man zweierlei sehen: Technik setzt nicht immer ein vollständiges Verständnis der Dinge voraus, zum anderen aber sollte man vorsichtig sein, in das Unverstandene etwas "hineinzugeheimnissen". Nicht wenige haben hier einen Zugang zum Welträtsel oder dessen Lösung gesehen. Doch scheinbar lassen sich die Bedingungen dieses Rätselhaften doch ganz gut reproduzierbar beherrschen! - fv

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Deutsch | Evolution

Anthropologie - Erster! - zeit.de

Wieder einmal werden neue Fossilfunde von Homo sapiens als Sensation gefeiert ("Das wird die Lehrbücher ändern"). Wieder einmal spricht man von der Rückdatierung der "Geburtsstunde der Menschheit" (diesmal um 100.000 Jahre auf 300.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) und der Verlegung der "Wiege der Menschheit", die jetzt "panafrikanisch" lokalisiert werden muss. Der Artikel vermittelt einen interessanten Einblick in das 'making of' unseres Stammbaums, weil nicht nur über die Forschungsergebnisse berichtet wird, sondern auch über das Ringen und die "feurigen Debatten", ja auch über forschungsexterne Einflussfaktoren. So ist die Rede davon, dass ein Forscher "zu Optimismus verpflichtet ist", da "an dieser Frage seine ganze Forscherkarriere" hängt. Könnte da - so frage ich mich - nicht gern etwas zu einer Sensation hochstilisiert werden, indem man die Grenzziehung zu den Vorfahren des Homo sapiens vielleicht etwas verschiebt (vgl. Kommentar von Nick Matzke auf fb). Denn, nun ja, so richtig symbolisch denken (charakteristisch für Homo sapiens) konnte er wohl nicht, der neue Fund - mutmaßt Forscherkollege Ian Tattersall. Immerhin: Die Fossilfunde müssen immer wieder abgeglichen werden mit den Stammbäumen, die die Genforschung aus den rezenten Humangenomen rekonstruiert. Und hier scheint sich eine auffällige Korrelation zu ergeben: Genau vor 300.000 Jahren scheint sich ein markanter genetischer Umbau vollzogen zu haben (siehe Presseschau vom 29.09.16). Und der gefeierte Fund fällt in diese Umbauphase. Konnte er bereits von der genetischen Innovation profitieren?, fragt der Artikel. - Angereichert wird der Beitrag noch durch Links auf die frei verfügbare Nature-Dokumentation, durch Animationen des Schädelfundes und Überblicke zur Entwicklung der Hominidenentwicklung. - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Gottesbild | Kosmologie | Schöpfung | Theologie | Vatikan

"Das Universum ist sinnlos" - science.orf.at

Wenn der Leiter der vatikanischen Sternwarte, Guy Consolmagno, ganz wie seine atheistischen Freunde Gott im Universum nicht finden kann, ja das Universum für sinnlos hält, wird man hellhörig. Bei näherem Hinsehen erweist sich der Titel des Artikels allerdings als leicht erschummelt, denn vollständig wiedergegeben heißt es: "Das Universum AN SICH ist sinnlos". Dies stimmt für Consolmagno deshalb, da es für ihn mehr gibt als das Universum und mehr als Wissenschaft, und da er Sinn, Zweck und Gott außerhalb des Universums verortet. Gott sei "übernatürlich, jenseits des Universums". Poesie sei eine bessere Ausdrucksform dafür als die Sprache der Wissenschaft. Man verlange schließlich auch keinen mathematischen Beweis für Mutterliebe. In gleicher Weise sei auch der Schluss von Design auf Gott ("Intelligent Design") unstatthaft. Auch wenn Consolmagno keinen deistischen Gott meint, so betont er doch primär die Transzendenz Gottes. Die Immanenz kommt indes zu kurz mit der Gefahr, sich "unter Gott ein übergroßes, räumlich von uns getrenntes Wesen, einen himmlischen Übervater, der über aller Welt thront, also im Jenseits sitzt" vorzustellen, wie der systematische Theologe Hans Kessler an anderer Stelle betont. Dabei werde "nicht bedacht, dass ein derart außerhalb der Welt sitzender Gott durch die Welt begrenzt, also nicht unbegrenzt, nicht unendlich und damit gar nicht Gott wäre". - hhp