Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Anthropisches Prinzip | Deutsch | Evolution | Theodizee

Evolution - Familie Mensch

In das Dunkel unseres Ursprungs, des Übergangs vom Vormenschen zum Homo sapiens, fällt neues Licht durch Genforschung. Vor 280.000 Jahren verbesserte sich durch Genverstärkung der Eisenstoffwechsel und damit die Sauerstoffversorgung. Nur dadurch konnte der Mensch zu dem ausdauernden Langstreckenläufer und guten Jäger werden, der den Energiehunger eines ständig wachsenden Hirns durch fleischliche Nahrung stillen konnte. Durch Genaustausch mit anderen Stämmen ("Afrika war ein Schmelztiegel") kamen andere Faktoren wie kognitive Optimierungen und damit die notwendige Ausstattung zusammen, die sich zum Homo sapiens verdichten konnte. Die genannte Genverstärkung hatte dabei nur an Stellen des Erbgutes eine Chance, die besonders instabil waren. Die Kehrseite der Medaille: Da sich an den unstabilen Stellen durch Zufall auch Verluste ereignen, muss eine Vielzahl von geistigen Behinderungen als der Preis angesehen werden, der für die Erfolgsgeschichte des Homo sapiens zu zahlen war. Wieder einmal zeigt sich – und damit wird der Artikel zu einem (unbeabsichtigten) Beitrag zur Theodiezeefrage –, dass dieselben Mechanismen, die für die Entstehung des Menschen notwendig sind, auch für die Entstehung von Übeln verantwortlich sind. Das eine scheint ohne das andere nicht zu haben zu sein. - hhp

Erstellt von al | | Anthropologie | Deutsch | Evolution | Geschichte | Evolutionsmedizin

Der Sündenfall

Der Übergang des Homo sapiens vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter stellte die dramatischste Verhaltensänderung einer Tierart auf diesem Planeten dar. Um die Bedingungen und Motive dieses Wandels zu erforschen, stützten sich Wissenschaftler bisher auf genetische, archäologische und ethnologische Studien. Unbemerkt blieb, dass es eine Quelle gibt, die wie keine zweite Einblick in diese Misere des Menschen gewährt: die Bibel. Die Geschichten um Abraham und Co. strotzen von Zank und Zwietracht. Dürren, Seuchen und Kriege sind ein beständiges Thema der Thora, der fünf Bücher Mose. Es sind genau jene Krisen, die sich erst aus dem Sesshaftwerden ergeben, dem eigentlichen Sündenfall der Menschheit. Wie diese Katastrophen die kulturelle Evolution auf Touren brachten, das dokumentiert die Bibel. Tatsächlich birgt die Thora nicht nur die Zehn Gebote, sondern weitere 603 Gesetze. Sie sind die Hausordnung der sesshaften Welt. Eine Vielzahl dieser Regeln dient der Gesundheitsvorsorge. In dieser hochinteressanten Lesart erweist sich Gott als protowissenschaftliche Strategie, um Wissenslücken zu überbrücken. - al

Erstellt von fv | | Dawkins | Deutsch | Evolution

Wir sind alle Cousins

Ein Interview mit Richard Dawkins Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit Richard Dawkins veröffentlicht. Dort hat er in einigen Zügen noch einmal seine Position dargestellt: 1. Es gibt Evolution, 2. Alles ist aus der Evolution ableitbar, auch die Funktionalität des Gehirns 3. Deshalb siind auch alle unsere Weltanschauungen aus der Evolution ableitbar 4. Deshalb ist unter anderem auch die Religion nur ein Produkt der Evolution. - Diese Aussagenreihe ist sehr übersichtlich und wirkt auf erstem Blick schlüssig. Doch wie bei jeder Alles-übergreifenden Theorie (auch bei einer theologischen!) muss man genauer hinschauen. In der Regel ist eine Selbstbezüglichkeit verborgen, die das Konstrukt wackeln lässt. - Auch das Gehirn von Dawkins ist wie die Evolutionstheorie selbst dann ein Produkt der Evolution. Jedoch, wie kann man dann noch die Erkenntnisbedingungen kontrollieren? Wenn man eine Theorie über die eigenen Erkenntnisvoraussetzungen macht, wird die Theorie notwendigerweise selbstbezüglich. Und das macht eine Absicherung schwierig, wenn nicht unmöglich. Nun gibt es keinen einfachen Weg daraus, wahrscheinlich müssen wir uns immer wieder mit den begrenzten Bedingungen unseres Erkennens konfrontieren . Aber man sollte doch vorsichtig sein, die Schwierigkeiten zu überspielen, weil das sonst schnell naiv wirkt - und naiv will Dawkins sicherlich nicht sein. - fv