Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von al | | Deutsch | Hawking | Anthropologie | Physik

Gespräch mit Marsianern

Theoretiker wie Stephen Hawking oder Edward Witten, der Vordenker der geheimnisvollen Stringtheorie, sind in ihren ganz eigenen Denkwelten unterwegs. Der Artikel berichtet von Interviews, zunächst mit Witten (Princeton). "Doch nicht umsonst haben ihn seine Studenten den "Marsianer" getauft; tatsächlich scheint der Mann in einer außerirdischen Gedankenwelt zu leben, in der die Hirnprozesse extrem beschleunigt ablaufen." Auch mit Hawking (Cambridge) führte der Autor ein Interview. "Stephen Hawking ist ein Popularisierer, der selbst schwierigste physikalische Themen scheinbar leichthin zu erklären vermag." Dennoch fühlt der Autor sich als Zwerg, und so lautet das Fazit des Artikels: In Princeton und Cambridge wurde dem Autor klar, wie klein und unbedeutend die eigene Existenz ist. - al

Erstellt von fv | | Evolution | Deutsch

Strafende Götter als Erfolgsgeheimnis der Menschheit

Alles Evolution? Eine neue Studie untersucht die Auswirkung des religiösen Glaubens auf das Verhalten glaubender Menschen und meint nachweisen zu können, dass religiöser Glaube das kooperative Verhalten erhöht. Das geschieht vor allem durch ein bestimmtes Gottesbild, das als moralische Instanz zu einem bestimmten Verhalten anleitet. Die Studie ist auf mehrere Religionen ausgedehnt. Die Folgerung, die die Autoren ziehen, ist, dass religiöses Verhalten sich als ein evolutionärer Vorteil erweist. Die Frage ist aber, welches Gottesbild der jeweiligen Religion zugrunde liegt und ob man ein tertium comparationis definieren kann (Allmacht etwa). Hier scheint die Studie doch zu einfach zu argumentieren. Erst recht der Artikel, der ein christliches Gottesbild des 16. und 17. Jahrhunderts auf andere Religionen überträgt. Es wird übersehen, wie schwierig es für religiöse Menschen ist, für ihre Erfahrungen einen adäquaten Ausdruck zu finden. So schlicht, dass das Gottesbild in wenigen Adjektiven beschrieben werden könnte, ist es nur in einer Außensicht auf Religion... - fv

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Bioethik | Evolution | Organtransplantation | PID | Transhumanismus | Deutsch

Der ganz reale Transhumanismus - hpd

Die Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg bedenkt zunächst theoretisch die Möglichkeiten der Verbesserung des Menschen durch sich selbst (Transhumanismus). Angezielte Verbesserung sei dabei nichts Neues: Es gebe "zwischen Ötzis Pelzmantel und dem verpflanzten Herzen ... nur einen graduellen Unterschied". Erst die Gentechnik habe einen qualitativen Sprung erlaubt, indem die Nachkommenschaft genetisch optimiert werden könne; nicht nur durch pränatale Selektion, sondern auch durch präkonzeptionelle Auswahl des Fortpflanzungspartners. Hier setze i. a. Ethik ein: Was heißt "Verbesserung" und welche Auswahlkriterien sollen es sein: Krankheit, Intelligenz, Schönheit, Stärke? Wer entscheidet? Gibt es den Dammbruch? Wichtige Fragen, sicherlich. Aber - so der Clou des Artikels - es gebe sie "schon längst, die Selbstoptimierung des Menschen durch die Genforschung". Das beweise, dass der Mensch keine ethischen Diskussionen abwarte, wenn es um Selbstverbesserung gehe, die offenbar in der menschlichen Natur liege. In dieser Natur liege es aber auch, manches von der Selbstoptimierung auszuschließen wie das Streben nach Macht und Reichtum. Und es erscheint der Autorin nicht unwahrscheinlich, "dass genau dieser Spagat zwischen Selbstoptimierung einerseits und Selbstoptimierungsresistenz andererseits den Menschen letztlich seinen Kopf kosten wird". - hhp