Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Englisch | Hirnforschung | Wissenschaftsgeschichte

Three Myths About the Brain - The New York Times

Anfang des 19. Jahrhunderts entfernte der Neurophysiologe Pierre Flourens sukzessive Hirngewebe bei verschiedenen Tieren, um zu dem Schluss zu gelangen, dass mentale Fähigkeiten nur einen kleinen Teil der Zerebrallappen benötigen. Das sei die Geburtsstunde des populären Mythos, dass der Mensch nur ca. 10% seines Gehirns nutze. Unbeeindruckt davon, dass heute die Neurowissenschaft diese Auffassung einmütig zurückweise, lebe der Mythos beharrlich weiter. Ein anderer derartiger Mythos stelle die Meinung dar, linke und rechte Hirnhälfte seien fundamental verschieden: Die linke Hälfte sei angeblich logisch und detailorientiert, wohingegen die rechte Hälfte der Sitz von Leidenschaft und Kreativität sei. Auch diese Karikatur stamme aus dem 19. Jahrhundert und dort gemachten Beobachtungen von Hirnschädigungen. Tatsache sei hingegen, dass die Gemeinsamkeiten beider Hälften größer sind als die Unterschiede, und besonders bei komplexen Aufgaben wie Kreativität und logische Wundertaten seien beide Hälften beteiligt. In den letzten Jahren habe sich ein neuer Mythos herauszubilden begonnen: Der Mythos der Spiegelneuronen. Bei Makaken hatte man entdeckt, dass Spiegelneuronen sowohl bei einer Aktivität als auch bei der Beobachtung dergleichen Aktivität anderer aktiviert wurden. Dies sei Grundlage für z. B. Sprache, Imitation und Empathie - auch beim Menschen. In der populären Kultur werde daraus die Behauptung, durch unsere Spiegelneuronen erlebten wir ein Fußballspiel, als ob wir auf dem Platz wären und jeden Schuss und Pass simulierten. Dagegen betonten aktuellere Theorien eher die Rolle der Spiegelneuronen bei der motorischen Kontrolle als beim Verstehen von Aktionen. "Ein wenig Mythenprävention heute mag uns vor großem neurowissenschaftlichem Unsinn morgen bewahren", rät der Artikel abschließend. - hhp

Erstellt von hhp | | Astronomie | Englisch | Kosmologie | Vatikan | Wissenschaftstheorie

Jesuit Brother Guy Consolmagno Wins Carl Sagan Medal from the American Astronomical Society - jesuits.org

Dem Jesuit Guy Consolmagno, Astronom an der Vatikanischen Sternwarte, wurde von der American Astronomical Society (AAS) die diesjährige Carl Sagan Medaille für seine "einzigartige Perspektive sowohl als Wissenschaftler als auch als Mann des Glaubens" zuerkannt. Die AAS würdigte Consolmagno für seine unterschiedlichen Methoden, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und bemerkte darüber hinaus: "Als Jesuitenbruder ist Guy zu einer Stimme für das Nebeneinander von Planetologie / Astronomie und christlichem Glauben geworden, ein rationaler Wortführer, der außergewöhnlich gut vermitteln kann, wie für Gläubige Religion und Naturwissenschaft koexistieren können." Der Preis wird im November verliehen. - hhp

Erstellt von hhp | | Atheismus | Dawkins | Englisch

Now we know why Dawkins refused to sign that letter from atheists condemning Cameron’s ‘we are a Christian country’: could he be on the way to belief? - CatholicHerald

Warum nur hat Richard Dawkins einen Aufruf von 50 führenden Atheisten nicht unterschrieben? Der Autor des Artikels, William Oddie, mutmaßt, dass Dawkins, der sich jüngst als "säkularer Christ" geoutet hat, "vielleicht unbewusst nach verlorenen christlichen Gewissheiten sucht" und der Entdeckung des Übernatürlichen näher ist, als er selbst es realisiere. Die Biografie Dawkins' erinnert Oddie an seine eigene, die ihn auch durch die Lektüre Darwins zunächst zum Atheismus brachte. Nun müsste Dawkins aber "ernsthaft die Unsicherheiten seines großen Helden, Charles Darwin, bedenken". Als dieser "On the Origin of Species" schrieb, sei er Theist und von Gott als erster Ursache überzeugt gewesen. Und später habe er erklärt, er sei "nie Atheist im Sinne der Gottesleugnung" gewesen: "Agnostiker wäre die korrekte Beschreibung meiner Geistesverfassung" - so Darwin. Inzwischen sieht Oddie gemeinsam mit dem christlichen Mainstream keinen Widerspruch zwischen Evolution und Gottesglauben und Dawkins nur einen winzigen Sprung von dieser Einsicht entfernt. - hhp