Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Künstliche Intelligenz | Deutsch

Warum Roboter Gefühle haben

Werden Roboter zu den besseren Menschen? Dieser Artikel zu Erkenntnissen einer Konferenz zur "Digitalen Transformation" stellt recht optimistisch in Aussicht, dass in absehbarer Zeit Roboter in der Lage sein werden, wie Menschen zu agieren. Dies gilt inklusive der Gefühle, zu der genügend komplexe Roboter auch in der Lage sein werden. Das sind gewagte Thesen. Denn sie setzen voraus, dass es auf die schiere Rechenleistung von Computern und Robotern ankommt, um sie menschenähnlicher zu machen. Das heißt, dass das, was die Menschen von den Robotern unterscheidet, vor allem die Rechenleistung ist. Doch was wäre, wenn es Probleme und Konstellationen in der menschlichen Welt gibt, die nicht mit Rechenleistung korreliert werden können? Michael Tomasello hat die Fähigkeit zur gemeinsamen Intentionalität als das Kennzeichen menschlicher Kultur identifiziert. Wenn man das annimmt, dann hätten diese Roboter wohl eine höhere kombinatorische Intelligenz (das ist wahrscheinlich) aber sie würden sich verhalten wie Inseln, der Wagenhebereffekt (Tomasello) der die menschliche Kultur ausgelöst hat, bliebe aus.... - fv

Erstellt von hhp | | Künstliche Intelligenz | Bioethik | Englisch | Hirnforschung

Vatican ponders power, limits of artificial intelligenz

Der Artikel berichtet von einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften über "Möglichkeiten und Grenzen der Künstlichen Intelligenz". Wie immer, so waren auch dieses Jahr prominente Protagonisten der Szene eingeladen. Der französische Neurowissenschaftler Stanislas Dehaene referierte über die Frage "Was ist Bewusstsein, und könnten Maschinen es haben?" und hielt es für "sehr wichtig", die gesellschaftlichen Auswirkungen, vor allem für den Arbeitsmarkt, zu bedenken. Maschinen müssten außerdem ethische Kontrollen implantiert bekommen, damit sie moralische Gesetze respektierten. Der Direktor der KI-Forschung von Facebook, Yann LeCun, legte den Schwerpunkt auf die zunehmende maschinenunterstützte Kommunikation, die intelligente Maschinen voraussetze. Als Beispiel nannte er, dass bereits heute 1 Milliarde Fotos täglich auf Facebook hochgeladen und dort inhaltlich identifiziert würden, um den Nutzern ähnliche Bilder zeigen und Sehbehinderten Textbeschreibungen anbieten zu können. Für die Zukunft denkt LeCun an selbstfahrende Autos, Autos on demand via smartphone, größere Verkehrssicherheit, aber auch an medizinische Anwendungen. Letztere sind bei Demis Hassabis, Chef des KI-Unternehmens "Google Deep Mind", längst Praxis - wenn auch im vorliegenden Artikel unerwähnt. Statt dessen wird berichtet, für wie wichtig Hassabis die kirchliche Beteiligung zum gesellschaftlichen Wohl der KI-Forschung hält, und dass er mit der Einrichtung eines Ethikrates an die vorderste Front ethischen Denkens über KI-Anwendungen gelangen will. Der Artikel erwähnt nicht, dass Anfang 2016 Google Deep Mind die Zusammenarbeit mit der britischen Gesundheitsbehörde National Health Service (NHS) bekannt gab und Zugriff auf 1,6 Millionen Versichertendaten erhielt. Das öffentlich benannte Ziel war die Unterstützung von Nierenkranken. Ein dem New Scientist vorliegendes Dokument jedoch "enthüllte, dass die Zusammenarbeit des Technikgiganten mit dem NHS weit über die öffentlichen Ankündigungen hinausgeht". So seien ebenfalls Daten über Abtreibungen, Drogenabhängige und HIV-Positive zugänglich. (New Scientist vom 29.04.16) Wen wundert es, dass Kritiker auf den Plan getreten sind. Soll die im vorliegenden Artikel von allen KI-Protagonisten bekräftigte Offenheit für gesellschaftlich-ethische Belange kein reines Lippenbekenntnis bleiben, muss die Zusammensetzung und Wirkungsweise evtl. Ethikräte künftig wohl demokratischer, transparenter und glaubwürdiger sein. - hhp

Erstellt von al | | Deutsch | Anthropologie | Psychologie | Tod | Künstliche Intelligenz

Virtuell in alle Ewigkeit

Forscher wollen Verstorbene als digitale Klone wiederkehren lassen, unsere Online-Daten sollen diese Abbilder speisen. Der kanadische Informatiker Hossein Rahnama, Experte für Künstliche Intelligenz, will digitale Klone Verstorbener erzeugen, z.B. als lebensechtes Hologramm für die virtuelle Realität. Sollte ihm das gelingen, könnte man künftig Oma und Opa für immer um sich haben, ohne Zauberei, dafür mit Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI). Den Begriff des Klons kann man missverstehen, das Wort "digital" ist hier entscheidend. Erstens, weil das Ich mit dem Gehirn stirbt. Ein virtuelles Abbild wird vielleicht wissen, dass es einmal ein biologisches Vorbild hatte, ein eigenes Bewusstsein entwickeln wird es hingegen nicht – "so weit ist die KI noch nicht", gibt Rahnama zu. Und zweitens, weil nicht der gesamte Mensch die Vorlage für den digitalen Klon bildet, sondern lediglich sein Online-Verhalten. "Jeder von uns läuft mit einer Vielzahl von Sensoren in der Tasche herum und erzeugt eine Flut an Daten, die ausreichen, um mit Algorithmen das Verhalten eines Menschen zuverlässig vorhersagen zu können." Das stößt direkt hinein in die alte Debatte um den freien Willen und damit ins Wesen des Menschseins. Abgesehen davon, was ist davon zu halten? "Wir verdrängen den Tod, indem wir symbolische Unsterblichkeit anstreben", sagt Sheldon Solomon, Sozialpsychologe am Skidmore College in Saratoga bei New York. Virtuelle Klone von Verstorbenen könnten aber auch Trauernde dabei unterstützen, die Verbindung zu den Toten zu bewahren und in die neue Realität zu überführen. Am Ende kommt es darauf an, wie wir mit dieser möglichen Technik umgehen. - al