Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Deutsch | Umweltverantwortung

Klima und soziale Bewegungen

Der Klimawandel beschäftigt viele. Nun gibt es auch neue Akteure, die neben den etablierten politischen Bewegungen, Kirchen, Gewerkschaften usw. ihren Platz suchen (zB. in diesem Artikel Avaaz). Vielleicht entsteht ja bei dem Problem des Klimawandels eine neue, durch digitale Medien gestützte Sozialform, die auch bei anderen weltweiten Themen denkbar wäre (Gerechtigkeit, Füchtlinge etc). Das war schon einmal 2001 in der Diskussion, als attac aufkam. Möglicherweise war das noch zu früh. Es bleibt zu hoffen, dass der Pariser Umweltgipfel da ein Impulsgeber sein wird! Wichtig wäre allerdings, dass die etablierten weltweiten Akteure - wie etwa die Kirchen - dies mit unterstützen... - fv

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Erstellt von hhp | | Atheismus | Englisch | Evolutionspsychologie | Soziobiologie | Umweltverantwortung

E. O. Wilson: Religious faith is dragging us down - New Scientist magazine, 24 January 2015, pp 28-29

„Es wäre das Beste, die Religionen auszulöschen“, meint E. O. Wilson, Pionier der Soziobiologie, im Anreißer des Artikels. Der martialisch anmutende Rat wird allerdings durch den Nachsatz, dass „die spirituelle Sehnsucht des Menschen“ von der Ausrottung auszunehmen sei, relativiert. Was Wilson damit meint, wird in dem Interview anlässlich seines neuesten Buches, „The Meaning of Human Existence“, deutlicher. Das Buch ist der zweite Teil einer Trilogie, welche die drei Hauptfragen von Religion und Philosophie beantworten will: Woher kommen wir, wer sind wir und wohin gehen wir? Das letzte Buch steht also noch aus, die Richtung deutet Wilson aber vor dem Hintergrund des globalen Artenschwundes an. Dass wir diese globale Bedrohung allen wissenschaftlichen Warnungen zum Trotz ignorieren, sieht Wilson gut soziobiologisch darin begründet, dass wir einem Denken in Stammesstrukturen - durch Religionen institutionalisiert - verhaftet sind. „Jeder Stamm, egal wie großzügig, freundlich, liebevoll und barmherzig er sein mag, schaut nichtsdestoweniger auf alle anderen von oben herab. Was uns runterzieht ist religiöser Glaube“. Wilson sieht dabei sehr wohl, dass die Menschen als Individuen und als Gattung einen starken religiösen, spirituellen Impuls teilen, der die Menschheit vereine. Aber: „Diese transzendente Suche ist von den Stammesreligionen gekapert worden“. Darum also rät Wilson, „dass es zum Wohle des menschlichen Fortschritts wohl das Beste wäre, religiösen Glauben bis zu seiner Auslöschung zu dezimieren, nicht aber die natürlichen Sehnsüchte unserer Spezies oder das Stellen dieser großen Fragen zu eliminieren“. Die Frage stellt sich jedoch, wie (wünschenswert und) aussichtsreich ein solches Wilsonsches Eliminationsprojekt ist. Als „natürliche Sehnsucht“ wird das „große Fragen“ nicht innerlich bleiben, sondern die Kommunikation suchen und sich Kommunikationsgemeinschaften, sprich: Religionen, schaffen. Wäre es nicht ein wünschenswertes Ziel, Religionen nicht abzuschaffen, sondern von fundamentalistischer (Stammes-)Konkurrenz zu globalem Dialog zu bewegen? Zum Schluss bleibt noch die allgemeine Frage, ob die Woher- und Wohin-Fragen, wie Wilson sie stellt, tatsächlich mit den Woher- und Wohin-Fragen der Religionen identisch sind. Wird hier nicht der Geltungsanspruch überzogen, wie dies der Soziobiologie wiederholt – nicht zuletzt von Wilson selbst – vorgeworfen wurde? - hhp

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Erstellt von hhp | | Soziobiologie | Tierethik | Umweltverantwortung | Englisch

An Orang learns to fisch - The New Yorker

Der Artikel weist auf die außergewöhnlichen mentalen Leistungen von Orang-Utans hin: Vom Versuch, Feuer zu entfachen bis zum systematischen Fischfang entdeckten Forscher die Fähigkeit zum Werkzeuggebrauch, zum Problemlösen und zum kulturellen Lernen. Letzteres korrigiere das traditionelle Bild des Orangs als Einzelgänger. Zwar seien die Gemeinschaften weit verstreut, doch einander bestens bekannt. Zudem fungierten jugendliche Streuner als "Fackelträger der Orang-Utan-Kultur". Bedroht würden die Orangs durch Wilderer, noch mehr aber durch die mutwillige Zerstörung ihrer Lebensräume. Die Tatsache von Empfindungsfähigkeit und Ich-Bewusstseins, die Fähigkeit ihres Verstandes und kulturellen Lernens, ihre manuelle Geschicklichkeit und eine "Intelligenz, die unserer unbestreitbar ähnlich ist", mache den bisherigen Umgang mit ihnen zu einer noch größeren Abscheulichkeit. "Orang-Utan" heiße ursprünglich so viel wie "Waldmensch". Der Artikel appelliert: "Vielleicht ist es an der Zeit, wieder den Menschen im Affen zu erkennen". - hhp

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