Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Franziskus (Papst) | Astronomie | Evolution | Gottesbild | Kosmologie | Vatikan | Wissenschaftsgeschichte | Englisch

Pope Francis invites scientists to the Vatican after Catholic Church realises the Big Bang is real

Der Artikel bezieht sich auf die Einladung führender Wissenschaftler und Kosmologen zur Sternwarte des Vatican, um bei einer Konferenz den Jesuiten und Kosmologen George Lemaitre, der als Begründer der Urknalltheorie gilt, zu ehren. Mit Papst Franziskus und dem Leiter der Sternwarte, Guy Consolmagno SJ, betont der Artikel die Vereinbarkeit von Evolution und Urknall mit dem christlichen Glauben, mahnt aber auch - wie seinerzeit Lemaitre Papst Pius XII. - zur Vorsicht: Der Schöpfungsakt Gottes habe nicht vor 13,8 Milliarden Jahren stattgefunden, er finde permanent und kontinuierlich statt. Ein Gott, dessen Schöpfung sich auf den Urknall reduziere, sei nicht der christliche Gott. Der Artikel räumt damit über prominente O-Töne mit einem in christlichen Kreisen verbreiteten Missverständnis auf. - hhp

Erstellt von hhp | | Englisch | Evolution | Gottesbild | Theodizee

The Uncontrolling Love of God

Paul Wallace, Autor des Buches "Unter uns die Sterne - Gott im evolvierenden Kosmos finden", erzählt in diesem biografischen Artikel, wie er seine Glaubenszweifel überwinden konnte, die er angesichts der vermeintlichen Unvereinbarkeit eines liebenden, vorsehenden Gottes mit der ineffizienten und Leid schaffenden Evolution empfand. Schlüssel für Wallaces Umdenken war ein Buch von Thomas Jay Oord, das ihm den Grund seiner Zweifel vor Augen führte: eine "falsche Sicht von Gottes Wirken in der Welt", das unter Gottes Vorsehung ein ständiges, korrigierendes Eingreifen in den Lauf der Welt verstand. Demgegenüber habe Oord die Evolution als 3 Milliarden Jahre dauerndes Drama göttlicher Liebe vorgestellt, in dem Gott "nicht wesentlich allmächtig, sondern wesentlich liebend und kreativ" gesehen wird. Insofern es in einer solchen Welt "keinen Hauch eines göttlichen Zwangs" gebe, könne Gott auch Tod und Leid nicht beenden. Diese Sicht würden manche wohl nicht befriedigen, vermutet Wallace. Für ihn selbst jedoch macht Evolution nun wieder "Sinn im Lichte göttlicher Liebe". - hhp

Erstellt von hhp | | Evolution | Gottesbild | Kreationismus | Schöpfung | Theologie | Interdisziplinarität | Englisch

It's Time To Retire 'Theistic Evolution' - Forbes

John Farrel sorgte mit der Überschrift "Es wird Zeit, die 'theistische Evolution' in den Ruhestand zu schicken" zunächst für eine kurze Schrecksekunde, regte dann aber zum Nachdenken an. Beliebt ist das Konzept der theististischen Evolution (TE) weder bei Kreationisten, da diese dem "Feind" in die Hände spiele, noch bei Richard Dawkins, der in der TE den Versuch wittere, Gott "durch die Hintertür einzuschmuggeln". Aber auch gläubige Wissenschaftler raten vom Etikett TE ab: Für die Chemikerin Stacy A. Trasancos sehen Gläubige automatisch alle biologischen und physikalischen Prozesse als von Gott geschaffen und im Sein gehalten an. Der Zusatz "theistisch" sei daher unnötig und impliziere zudem, dass auch das Gegenteil möglich sei. Und der Biologe Kenneth R. Miller lehnt die Bezeichnung TE für sich ab, da sie immer wieder zu dem Missverständnis geführt habe, er vertrete damit einen intervenierenden Gott - dabei glaube er an das exakte Gegenteil. Ähnlich wie Trasancos glaubt auch Miller, dass die Qualifizierung der Evolution als religiös bedeutsam impliziere, dass anderen Feldern der Wissenschaft diese Bedeutsamkeit fehle. Genau dies aber weist Miller zurück. - hhp