Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Englisch | Gottesbild | Atheismus | Einstein

Einstein’s God - Big Questions Online

Michael Shermer, Herausgeber des Magazins "Skeptic", fragt, an welche Gottheit Einstein tatsächlich geglaubt hat. Der umfangreiche und kenntnisreiche Artikel schützt vor einseitigen Vereinnahmungen - von welcher Seite auch immer. Einsteins Kurztelegramm ("Ich glaube an den Gott Spinozas") bringt mit anderen Belegstellen auf den Punkt, dass er nicht an einen persönlichen Gott glauben konnte. Genauer besehen, ist aber derjenige persönliche Gott, von dem er sich distanziert, ein Gott des direkten Eingreifens und ein Designer, der in einer Reihe mit innerweltlichen Kausalitäten gesehen wird (ein Gott, den auch Dawkins trefflich abwehren kann). In diesem Verständnis ist Gott in der Tat "anthropomorp" gedacht und "kindisch". So versagt sich Einstein ein konkreteres Gottesbild aus der Haltung der intellektueller Bescheidenheit heraus, und sein "Agnostizismus" ist kein militanter Atheismus, der sich hitzig von religiöser Indoktrination der Jugendzeit befreien muss. Sehr lesenswert - hhp

Erstellt von hhp | | Deutsch | Theologie | Gottesbild | Atheismus

Irrlehren eines Jesuiten: Gottesbild muss atheistisch sein! - kath.net

Der Jesuit Roger Lenaers habe "offen häretische Ansichten vertreten" - in einem Vortrag, der inzwischen online einzusehen ist: http://www.wir-sind-kirche.at/content/index.php?option=com_content&task=view&id=778&Itemid=27. Harter Tobak, in der Tat. Die Forderung, in der zunehmend atheistischen Moderne das Christentum ebenfalls atheistisch und religionslos zu inkulturieren, ist provokant. Man muss aber bedenken, dass er unter "atheistisch" den befreienden Abschied von einer anthropomorph gedachten Macht und "religionslos" i.S. Bonhoeffers versteht. So gesehen sind manche seiner Kritikpunkte theologisch verhandelbar: ein nur jenseitiger, deistischer Gott, Bittgebet als magische Wunscherfüllung, Bibel als verbalinspiriert, reine Gesetzesmoral statt Liebesmoral etc. Aber Lenaers lässt das Pendel m. E. zu weit in die Gegenrichtung ausschlagen, und ein "atheistisches Christentum" wird missverständlich bleiben oder im radikalen Sinn atheistisch werden - hhp

Erstellt von hhp | | Naturwissenschaft | Deutsch | Theologie | Gottesbild

Gott würfelt nicht - wissenrockt.de

"Sind Physiker etwa gläubiger als Biologen?" Ein interessanter Artikel des humanistischen Magazins beleuchtet u.a. die vermeintlich größere Affinität der Physiker zur Religion. Der Autor, Frank Berghaus, wehrt sich dabei zunächst gegen eine religiöse Vereinnahmung von Wissenschaftlern. Eine Gemeinsamkeit zwischen Quantenphysik und Theologie sieht der Autor aber darin, "dass beide ein Realismusproblem haben". Zustimmung: Beide bilden Alltagswirklichkeit nicht einfach 1:1 ab, sondern sind Konstruktionen. Wenn man deshalb affirmative Bezeichnungen Gottes univok wörtlich nimmt (so würde ich formulieren) entstehen falsche Vorstellungen, die dann Konfliktstoff in sich bergen. Zu Recht erwähnt der Autor deshalb A. Benks Gegenprogramm der negativen Theologie (das der offiziellen Kirche übrigens so fremd nicht ist: Analoge statt univoke Rede ist Konsens). Aber: neg. Theologie ist kein Redeverbot, und die bekannten affirmativen Begriffe ("Schöpfer", "Vater") sind durchaus nicht willkürlich - hhp