Presseschau

Die Gesamtansicht

Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Angriff auf den deutschen Embryonenschutz

Doch auf einer schiefen Ebene? Es gibt jetzt ein neues Papier einiger Wissenschaftler, die für die Liberalisierung der Embryonenforschung in Deutschland eiintreten. Im Hintergrund dieser Initiative stehen neue technologische Möglichkeiten mit er so genannten Crispr-Cas Technik bzw. dem genome editing. Blogbeiträge von Alexander Maßmann hatten auch schon darüber berichtet: (http://www.theologie-naturwissenschaften.de/diskussion/genethik-blog.html). Die neuen Technologien scheinen mittelfristig Keimbahntherapien möglich zu machen. Wenn es dazu kommt, wird auch in Deutschland das Embryonenschutzgesetz in seiner jetzigen Form kaum zu halten sein. Nachdem der Embryonenschutz hierzulande so intensiv diskutiert worden ist, wirkt diese neue Initiative, als ob all die Recht gehabt haben, die die Entwicklung als eine auf einer "schiefen Ebene", auf einer "slippery slope" beschreiben: Was gemacht werden kann, wird auch irgendwann gemacht werden. Man muss nur lang genug warten. Wann wird es dann auch um Enhancement gehen und nicht nur um die Bekämpfung von Krankheiten? Wann wird der erste Mensch geboren sein, der dann später weiß, dass einige seiner Eigenschaften fabriziert worden sind? - fv

Erstellt von hhp | | Künstliche Intelligenz | Bioethik | Englisch | Hirnforschung

Vatican ponders power, limits of artificial intelligenz

Der Artikel berichtet von einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften über "Möglichkeiten und Grenzen der Künstlichen Intelligenz". Wie immer, so waren auch dieses Jahr prominente Protagonisten der Szene eingeladen. Der französische Neurowissenschaftler Stanislas Dehaene referierte über die Frage "Was ist Bewusstsein, und könnten Maschinen es haben?" und hielt es für "sehr wichtig", die gesellschaftlichen Auswirkungen, vor allem für den Arbeitsmarkt, zu bedenken. Maschinen müssten außerdem ethische Kontrollen implantiert bekommen, damit sie moralische Gesetze respektierten. Der Direktor der KI-Forschung von Facebook, Yann LeCun, legte den Schwerpunkt auf die zunehmende maschinenunterstützte Kommunikation, die intelligente Maschinen voraussetze. Als Beispiel nannte er, dass bereits heute 1 Milliarde Fotos täglich auf Facebook hochgeladen und dort inhaltlich identifiziert würden, um den Nutzern ähnliche Bilder zeigen und Sehbehinderten Textbeschreibungen anbieten zu können. Für die Zukunft denkt LeCun an selbstfahrende Autos, Autos on demand via smartphone, größere Verkehrssicherheit, aber auch an medizinische Anwendungen. Letztere sind bei Demis Hassabis, Chef des KI-Unternehmens "Google Deep Mind", längst Praxis - wenn auch im vorliegenden Artikel unerwähnt. Statt dessen wird berichtet, für wie wichtig Hassabis die kirchliche Beteiligung zum gesellschaftlichen Wohl der KI-Forschung hält, und dass er mit der Einrichtung eines Ethikrates an die vorderste Front ethischen Denkens über KI-Anwendungen gelangen will. Der Artikel erwähnt nicht, dass Anfang 2016 Google Deep Mind die Zusammenarbeit mit der britischen Gesundheitsbehörde National Health Service (NHS) bekannt gab und Zugriff auf 1,6 Millionen Versichertendaten erhielt. Das öffentlich benannte Ziel war die Unterstützung von Nierenkranken. Ein dem New Scientist vorliegendes Dokument jedoch "enthüllte, dass die Zusammenarbeit des Technikgiganten mit dem NHS weit über die öffentlichen Ankündigungen hinausgeht". So seien ebenfalls Daten über Abtreibungen, Drogenabhängige und HIV-Positive zugänglich. (New Scientist vom 29.04.16) Wen wundert es, dass Kritiker auf den Plan getreten sind. Soll die im vorliegenden Artikel von allen KI-Protagonisten bekräftigte Offenheit für gesellschaftlich-ethische Belange kein reines Lippenbekenntnis bleiben, muss die Zusammensetzung und Wirkungsweise evtl. Ethikräte künftig wohl demokratischer, transparenter und glaubwürdiger sein. - hhp

Erstellt von fv | | Bioethik | Deutsch

Wir pellen Eizellen aus der Haut

Die unglaubliche Plastizität der Zellen Neue Nachrichten aus der Zellforschung haben die Überwindung einer weiteren Barriere verkündet: Nun scheint es möglich zu sein, aus ausdifferenzierten somatischen Zellen, also zum Beispiel aus Hautzellen durch Reprogrammierung Eizellen herzustellen, die dann nach Befruchtung zur Entwicklung eines auf erstem Blick gesunden Individuums führen. Den Versuch hat man an Mäusen durchgeführt. Die so gezeugten Mäuse waren sogar ihrerseits fortpflanzungsfähig. Das verstärkt den Eindruck, den man mit anderen Methoden der Reprogrammierung gewonnen hat: Die Zellen eines Lebewesen sind in hohem Maße plastisch und lassen sich scheinbar beliebig variieren. Nach Deutscher Rechtssprechung sind Keimbahnzellen besonders geschützt. Doch was, wenn jede beliebige Zelle des Körpers durch geeignete Behandlung zu einer Keimbahnzelle gemacht werden kann? Wie kann man dann sicherstellen, dass die Reproduktion von Menschen nicht beliebigen Eingriffen ausgesetzt sein wird??? - fv