Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Deutsch | Hirnforschung | Komplexität | Psychologie | Wissenschaftstheorie

Simulation eines Gehirns - Viel Geld für wenig Erkenntnis - faz online

Mit einer Milliarde Euro von der EU soll das Human Brain Project (HBP) ein komplettes menschliches Gehirn simulieren. Falls dies gelänge, könnten Theorien über die Funktionsweise des Gehirns getestet und bspw. medizinische Experimente durchgeführt wären, die am lebenden Menschen nicht durchführbar sind. Es verwundert kaum, dass derart optimistische Versprechungen zu einem offenen Brief an die EU-Kommission führten, den 600 renommierte Kritiker unterzeichnet haben. Ein Erfolg sei genauso wenig wie beim Vorläuferprojekt zu erwarten, wichtige Teilprojekte seien gestrichen worden und das derzeitige Wissen reiche für ein derart ambitioniertes Projekt nicht aus. Auch Methodenkritik wurde laut: Nicht der Bottom-up-Ansatz, der von der Zellebene aus das Ganze verstehen wolle, sei zielführend, sondern ein (psychologischer) Top-down-Ansatz, der das Gehirn vom Verhalten her zu verstehen suche. So hält ein Kritiker das HBP für ein "milliardenschweres Glücksspiel auf Basis falscher Annahmen". - hhp

Erstellt von hhp | | Astronomie | Englisch | Kosmologie | Vatikan | Wissenschaftstheorie

Jesuit Brother Guy Consolmagno Wins Carl Sagan Medal from the American Astronomical Society - jesuits.org

Dem Jesuit Guy Consolmagno, Astronom an der Vatikanischen Sternwarte, wurde von der American Astronomical Society (AAS) die diesjährige Carl Sagan Medaille für seine "einzigartige Perspektive sowohl als Wissenschaftler als auch als Mann des Glaubens" zuerkannt. Die AAS würdigte Consolmagno für seine unterschiedlichen Methoden, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und bemerkte darüber hinaus: "Als Jesuitenbruder ist Guy zu einer Stimme für das Nebeneinander von Planetologie / Astronomie und christlichem Glauben geworden, ein rationaler Wortführer, der außergewöhnlich gut vermitteln kann, wie für Gläubige Religion und Naturwissenschaft koexistieren können." Der Preis wird im November verliehen. - hhp

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"Mich wundert, wie zahm wir waren" - Zehn Jahre 'Das Manifest' - Geist und Gehirn 3/2014, 64-69

Klar, dass auch die Zeitschrift "Geist und Gehirn", in der vor 10 Jahren das Manifest führender Hirnforscher veröffentlicht wurde, eine Bilanz der damals geäußerten Prognosen vornimmt. Dazu befragte GuG die Hirnforscherin Katrin Amunts und den Mitautor des Manifests Gerhard Roth. Mit den Kritikern (siehe "Memorandum reflexive Neurowissenschaft") stimmt Roth darin überein, dass die vorausgesagte 'theoretische Neurowissenschaft' "noch in weiter Ferne" liegt: "Da haben wir uns im Manifest wohl doch etwas verschätzt" (66). Ebenfalls im Konsens mit den Kritikern betonen sowohl Roth als auch Amunts die Notwendigkeit von Interdisziplinarität (66, 69). Während hier jedoch im interdisziplinären Konzert die Philosophie nicht erwähnt wird, spielt sie bei den Kritikern eine geradezu "essentielle" Rolle. Vielleicht ist dieser Ausfall der Philosophie dafür verantwortlich, dass es nicht recht überzeugt, wenn Roth sich so vehement gegen den Vorwurf des "platten Reduktionismus" (65) verwahrt. oder wenn Amunts sich von der Vermehrung empirischer Daten (67) induktiv ein besseres Verständnis verspricht, was die Kritiker ausdrücklich bezweifeln. - hhp