Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Benedikt XVI. | Englisch | Evolution | Franziskus (Papst) | Galileo Galilei | Gottesbild | Intelligent Design | Johannes Paul II. | Kreationismus | Schönborn | Wissenschaftsgeschichte | Kosmologie

Pope Francis declares evolution and Big Bang theory are real and God isn't 'a magician with a magic wand' - The Independent

Mit der Rede vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften habe Franziskus den Pseudotheorien des Kreationismus und des Intelligent Design (ID) endgültig eine Absage erteilt. Manche mutmaßten, Franzikus Vorgänger, Benedikt XVI., habe diese Pseudotheorien ermutigt. Zumindest im Blick auf den Kreationismus muss dem Autor hier deutlich widersprochen werden. Und Benedikts "offensichtliche Unterstützung" von ID ist so offensichtlich nicht, hat er doch Kard. Schönborns "finding design in nature" ausdrücklich ein gutes Stück weit zurückgenommen. Davon weiß der vorliegende Artikel offenbar nichts, sondern betont hier die Geistesverwandtschaft zwischen Benedikt und Schönborn. Franziskus trenne davon eine gewaltige theologische Kluft; er wird eher in Kontinuität mit Johannes Paul II. und Pius XII. gesehen, mit dem die Öffnung zu Evolution und Urknall begonnen hätte. Dass Pius XII. noch annahm, man könne aus der göttlichen Offenbarung durchaus Einwände gegen die Evolutionstheorie generieren, bleibt unerwähnt. Wissenschaftsphilosoph Giorello vermutet jedenfalls, Franziskus wolle den (vermeintlichen) Kontroversen die Emotionen nehmen. Dazu passt - zusammengefasst - Franziskus' Betonung der Vereinbarkeit von Urknall- und Evolutionstheorie mit einem Schöpfer, und die Vermeidung von Missverständnissen die Gott als "Magier mit Zauberstab" sähen - ein Zitat, das wohl die Runde machen wird, obgleich eigentlich nichts Neues gesagt wurde. - hhp

Erstellt von hhp | | Wissenschaftstheorie | Theodizee | Intelligent Design | Kreationismus | Englisch

God, Darwin and My College Biology Class - The New York Times

Der Evolutionsbiologe David P. Barash richtet sich in diesem Artikel gegen Stephen Jay Goulds Prinzip der "nicht überschneidenden Bereiche" (nonoverlapping magisteria = NOMA) von Evolution und Religion. NOMA habe sich zwar im wissenschaftlichen Establishment weitgehend durchgesetzt, für Barash aber sind "diese Bereiche längst nicht so überschneidungsfrei, wie manche es sich wünschen". Im Gegenteil, der Fortschritt der evolutionären Wissenschaft gehe mit dem Rückschritt der Religion einher. Drei vernichtende Argumente macht Barash für das Rückzugsgefecht verantwortlich: 1. Das seit William Paley benutzte Argument aus der Komplexität sei seit Darwin hinfällig; 2. Die Sonderstellung des Menschen ("ganz der alte göttliche Vater") sei durch die natürliche Abstammung obsolet geworden; 3. Einsichten in die Evolution gäben keinen Indikator für einen guten Schöpfer her (Theodizeefrage). Wer also beide Bereich für vereinbar halte, komme ohne geistige Verrenkungen nicht aus. Soweit Barash. Der Artikel erscheint dem Rezensenten im Blick auf die wirkliche Dialog- oder Konfliktlage unterkomplex. So ist 1. das Komplexitätsargument keine "Säule religiösen Glaubens" - allenfalls im modernen Kreationismus, wie Barash selbst schreibt. 2. Natürliche Abstammung und Sonderstellung schließen sich nicht notwendig aus, und 3. verschärft die Evolutionstheorie das Theodizeeproblem nicht, sondern sie entschärft es. - hhp

Erstellt von hhp | | Schöpfung | Kosmologie | Kreationismus | Intelligent Design | Inflation | Englisch | Astronomie

'Big Bang' discovery may point to a creator - Baptist Press

Der Artikel beschreibt, wie die empirische Untermauerung der Urknalltheorie in der US-amerikanischen Kreationismus- und Intelligent-Design(ID)-Szene aufgenommen wurde. Während die Ablehnung der darwinschen Evolutionstheorie weitgehender Konsens ist, begegnet man der Urknallthese unterschiedlich. Der Wissenschaftshistoriker und -philosoph Bruce Gordon, Mitglied der ID-Hochburg Discovery Institute, würdigt die Entdeckungen zunächst als nobelpreisverdächtig. Aber auch wenn Alan Guth die "Inflation" eingeführt habe, um die Feinabstimmung des Universums ohne Rückgriff auf einen übernatürlichen Schöpfer erklären zu können, gelte nun: "Die kosmische Inflation macht selbst eine derartige Feinabstimmung erforderlich, dass sie ungewollt die Wahrscheinlichkeit der Schöpfung des Universums durch einen intelligenten Designer erhöht". Und auch ein oft mit der Inflation gekoppeltes Multiversum sei das Ergebnis von Feinabstimmung. Wie man sich auch drehe und wende: Es handle sich um Intelligent Design, und die theophoben Wissenschaftsmaterialisten hätten sich mit dieser Tatsache zu arrangieren. Die Neuentdeckungen seien darüber hinaus sogar mit einem Kreationismus verträglich, der eine junge Erde annimmt, es sei denn, man postuliere auch ein junges Universum. Genau dies aber behauptet "Answers in Genesis" im Rückgriff auf ein wortwörtliches Bibelverständnis. Die durch die neuen Entdeckungen vermeintlich gestützten Voraussagen seien schließlich modellabhängig und sähen in einem anderen Modell ganz anders aus. Auch wenn die Messungen bestätigt würden, könnten andere physikalische Mechanismen im Spiel sein als kosmische Inflation. Unabhängig von Stellung eines Gläubigen zum Alter des Universums, ist für den Physiker Bill Nettles die Entdeckung der Gravitationswellen ein Beweis dafür, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen wurde. Dass sich unser kreativer Geist derartige Modelle und Vorstellungen von Phänomenen machen kann, die Fingerabdrücke der frühen Schöpfung sind, zeichne unsere Sonderstellung gegenüber vormenschlichen Arten aus. - hhp