Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von hhp | | Englisch | Wissenschaftstheorie | Evolution | Kreationismus | Intelligent Design

An Evolutionary Biologist’s Reflections on the Scopes Trial - History News Network (HNN)

Die Website des HNN widmet 2 Artikel dem 85. Jahrestag des "Affenprozesses". Im ersten beklagt der Evolutionsbiologe David Reznick, dass die Renaissance des Evolutionsdenkens nicht lange vorhielt und wir zu den Bedingungen zurückgekehrt sind, die den Affenprozess umgeben haben. Warum diese permanente Kontroverse um Evolution? Der Hinweis, es handle sich "nur um eine Theorie" (umgangssprachlich = Spekulation), erklärt die Skepsis nicht: Keiner kritisiere die Relativitätstheorie aufgrund ihres Theoriestatus. Offenbar ist es die religiöse Propaganda, deren aktuelle Intelligent-Design-Form nur leicht verkleideter Kreationismus sei. Auch die Argumente seien kaum von William Paleys "Natürlicher Theologie" verschieden, ob man sich auf die Komplexität des Auges oder heute auf die der Bakteriengeißel beziehe. Obwohl widerlegt, sei dies nicht totzukriegen. Schließlich erwartet der Autor in dieser Konfliktsituation auch Schützenhilfe von seinen geisteswissenschaftlichen Kollegen - hhp

Erstellt von hhp | | Englisch | Neuer Atheismus | Dawkins | Darwin | Wissenschaftstheorie | Evolutionismus | Evolution

A Humanist's Reflections on Evolutionary Biology - History News Network (HNN)

Im 2. Artikel des HNN zum "Affenprozess" von 1925 antwortet der Geisteswissenschaftler Hamner seinem naturwissenschaftlichen Kollegen Reznick. Dessen historische Analyse, v.a. die Gleichsetzung des heutigen Klimas mit dem von 1925, sei zwar nicht komplex genug, gern engagiere sich Hamner aber als Geisteswissenschaftler in der Kontroverse Wissenschaft und Religion. Er empfiehlt folgendes Vorgehen: 1. Saubere Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Szientismus, der vorschnell in Metaphysik abgleite (z. B. der Neue Atheismus von Dawkins oder Hitchens). 2. Darwin und andere Wissenschaftler sind unideologisch darzustellen, damit ihre Ideen ernst genommen werden. 3. Die Spaltung von religiös und säkular ist zu bedenken. 4. Die Lektüre der heiligen Schriften ist sorgfältig zu betreiben, nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn man die Unterschiede zwischen Bibel, Koran und "Ursprung der Arten" verstanden hat, beginnen sich die Haupt-Stopersteine auf dem Weg der Versöhnung aufzulösen - hhp

Erstellt von hhp | | Englisch | Evolution | Wissenschaftstheorie | Fodor / Piatelli-Palmarini: What Darwin got wrong

It Got Eaton - Review of Fodor et al. "What Darwin got wrong"

Philosoph und Darwin-Kenner Godfrey-Smith hinterfragt den Kern der jüngsten Darwinkritik von Jerry Fodor und Massimo Piattelli-Palmarini. Diese hatten bestritten, dass der äußere Faktor der natürlichen Selektion stark überbewertet werde und keine hinreichende Erklärung darstelle. Vielmehr müsse bei der Selektion ein intentionaler Rest, so etwas wie ein geistiger "Agent" unterstellt werden, damit die Selektion die überlebensträchtigen Merkmale aussuchen könne. Godfrey-Smith räumt zwar ein, dass manche Formulierung (z. B. "Auslese") diesen Schluss nahelegt, man aber jederzeit zu einer präziseren Terminologie wechseln könne, falls sich intentionale Konnotationen einschleichen wollen. Auch der Umweg über das philosphisch notwendige Werkzeug der "kontrafaktischen Implikation", das der Lokalisierung wahrer Ursachen dient und Intentionalität voraussetze, greife nicht, weil es zum Funktionieren der Selektion durchaus nicht notwendig ist. Es lebe die natürliche Selektion! - hhp