Presseschau

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh),  Petra Kühn (pk), Heinz-Hermann Peitz (hhp) und Hildegard Peters (pts) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unseren Redakteuren Andreas Losch (al) und Frank Vogelsang (fv).

Erstellt von vf | | Anthropologie | Deutsch | Künstliche Intelligenz

Sind Roboter die besseren Menschen?

Immer wieder gab es in den letzten Jahren Nachrichten aus dem Bereich der Robotik.Ihr gemeinsamer Tenor ist: Die Entwicklung schreitet schneller voran als bisher vermutet. In Europa wird das Thema noch nicht so intensiv diskutiert, das ist in Japan anders. Nun muss man bei dem Thema Künstliche Intelligenz vorsichtig sein, denn Entscheidendes unseres eigenen Menschseins verstehen wir noch nicht ansatzweise. Aber darum mag es in der Robotik auch gar nicht gehen. Es wäre ja schon eine riesige Herausforderung, wenn hochintelligente und flexible Maschinen menschliches Verhalten weitgehend simulieren könnten. Dies würde nicht nur den alltagsnahen Einsatz möglich machen, sondern sicherlich auch unsere zwischenmenschlichen Konventionen verändern. 24 Stunden einsatzfähige Roboter in der Pflege könnten eine Erleichterung darstellen, aber auch ein künstliches GEfängnis für die zu Pflegenden darstellen. Viel wird davon abhängen, wie sich die gesellschaftlichen Konventionen und Regeln im Umgang mit intelligenten Maschinen sich entwickeln wird. - vf

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Bioethik | Deutsch | Tierethik

"Wer darf in den Club?" - Süddeutsche.de

In einem Interview spricht sich Hans Werner Ingensiep, für die Printausgabe ein "ausgewiesener Kenner des Verhältnisses von Mensch und Menschenaffe", dagegen aus, Schimpansen und Orangs mit den Menschen gleichzusetzen. Aus einer "quantitativen biologischen Ähnlichkeit" heraus für "qualitative Gleichheit", gar für "gleiche Grundrechte" einzutreten, sei ein "naturalistischer Fehlschluss", der z. T. in anthropomorphen Fehlzuschreibungen gründe. Dass ein Gorilla - psychologisch gesehen - Persönlichkeit aufweise, sei unbestritten. Doch zu einem normativen Personbegriff gehöre Verantwortlichkeit, was nur dem Menschen zukomme. Hilfreicher wäre es, die "Zwei-Klassen-Terminologie von 'Sachen' und 'Personen'" aufzubrechen; eine Terminologie, die ja das Problem der Grenzziehung unangemessen festschreibe. - hhp

Erstellt von hhp | | Anthropologie | Bioethik | Deutsch | Tierethik

Primaten - Selber Affe - Süddeutsche.de

Der Artikel beschreibt den Versuch von Steven Wise u. a., Schimpansen nicht mehr als Sachen, sondern "als 'nichtmenschliche Personen' mit gewissen Rechten" zu betrachten. Ihr Ziel sind dabei nicht Menschenrechte für Menschenaffen, sondern ein Verbot ihrer Gefangenschaft. Sollte ihr Antrag auf 'Haftprüfung' für die Schimpansen zu einem Gerichtsverfahren führen, "wäre der Affe bereits als Person anerkannt". Mehrere Gerichte lehnten bislang ab, ein weiteres hält die Entscheidung bis voraussichtlich Juni offen, was bereits euphorisch als Etappensieg gefeiert wurde. Die Tierrechtler argumentieren mit der Ähnlichkeit: Die Gehirne erlauben Kognition, Zeichensprache, Kommunikation, mathematische Fähigkeiten, Handlungsplanung, Werkzeugentwicklung, Kultur, gar eine "frühe Form des religiösen Erlebens". Gegner befürchten einen Dammbruch, der sich auf weitere Tierarten bis hin zu Haustieren auswirken könnte. In der Tat haben die derzeitigen juristischen Verhandlungen für das "Great Ape Project" eine Türöffnerfunktion. - hhp