Evolution und Schöpfung

Wenn ich eine Taschenuhr am Strand finde, so weiß ich doch intuitiv, dass es sich hierbei um ein Stück Design von Menschenhand handelt, so das klassische Beispiel von William Paley, Autor der „Natural Theology“ Anfang des 19.Jahrhunderts. Genauso verhalte es sich mit ähnlich komplexen Objekten in der Natur, wie z.B. dem menschlichen Auge, nur dass hier der Designer eben Gott und nicht der Mensch sei. Dass dies leider falsch und die Evolution ohne Hilfe zur Entwicklung des Auges in der Lage ist, argumentierte bereits Charles Darwin, und vielerorts wird hierin ein Kampf zwischen Gläubigen und Biologen um Schöpfung und Evolution gesehen. Es sind allerdings Fundamentalisten auf beiden Seiten, die ihn führen, ob szientistische Reduktionisten wie Richard Dawkins auf wissenschaftlicher oder Kreationisten und Intelligent-Design Vertreter auf religiöser Seite. Darwin selbst war da indifferenter, nämlich Agnostiker, und ließ die Möglichkeit offen, dass ein Schöpfer die erstaunlichen Gesetze der Evolution erlassen haben könnte. Der bekannteste Vertreter der Evolutionstheorie in den USA, Asa Gray, war zudem überzeugter Christ. Aber auch in England waren die kirchlichen Reaktionen auf Darwins Darlegungen sehr unterschiedlich – ebenso wie es Wissenschaftler gab, die die Theorie ablehnten, gab es auch Kirchenmänner, wie Frederick Temple, den späteren Erzbischof von Canterbury, die sie positiv aufnahmen. Aus christlicher Sicht kann man die Evolutionstheorie durchaus für richtig halten, wenn man nicht biblizistisch die Schöpfungserzählung aus 1.Mose 1 für einen Tatsachenbericht hält und das zeitbedingte weltanschauliche Material des Kapitels von den tiefer liegenden Glaubensaussagen zu unterscheiden weiß.

Andreas Losch

Hansjörg Hemminger, Warum „intelligentes Design“ keine Naturwissenschaft ist. Eine Einführung für Nichtbiologen (Html)

Die Bewegung für ein „intelligentes Design“ (ID) geht davon aus, dass Naturprozesse, wie sie die biologische Evolutionstheorie voraussetzt, keine Innovationen bzw. neue „Designs“ von Lebewesen hervorbringen können. Dafür sei eine „geistige Verursachung“ nötig, also eine über- oder außer-natürliche Intelligenz, die lenkend in die Evolution eingreift. Michael Behe, einer der wichtigsten ID-Vertreter, ist der Ansicht, dass sich ID biologisch beweisen ließe.

Wolfgang Schreiner, Evolution im Glauben. Theologie eines Naturwissenschaftlers (Html)

Darwin und die Evolution wurden oft als Gegensatz zur Religion empfunden. Immerhin widerspricht die Evolutionstheorie dem Wortlaut der Schöpfungsberichte. Andererseits kommt man als Christ nicht mehr vorbei an der modernen Naturwissenschaft. Dabei zeigt diese auch interessante Details, die nahelegen, christlichen Glauben in neuer Sicht zu deuten. Manches kann man sogar besser verstehen, und bisherige Widersprüche verschwinden. Gott – und insbesondere, wie er den Menschen geschaffen hat – muss man sich meiner Ansicht nach etwas anders vorstellen als vielleicht zuvor.

Heinz-Herrmann Peitz, Evolution und Schöpfung in der Schule – Systematische und pädagogische Überlegungen im Anschluss an das „Evokids“ Projekt (Html)

2017 fördert die nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, wie schon im Vorjahr die „Evokids“-Initiative eine Vorverlagerung des Evolutionsunterrichts bis in den Grundschulbereich hinein. Für den Religionsunterricht ergeben sich damit neue Herausforderungen aber auch die Gelegenheit, mit SchülerInnen früh- und rechtzeitig ein „Sowohl-als-auch“ von Schöpfung und Evolution zu erarbeiten und einem „Einbruch“ des Gottesglaubens durch die Konfrontation mit den Naturwissenschaften vorzubeugen.

Andreas Losch, Was ist Leben, interdisziplinär betrachtet? (Html)

Wenn wir uns fragen, woran man Leben erkennen kann, erscheint uns das zunächst als evident. Man kann doch den Unterschied zwischen einem Stein und einem Baum gut sehen, oder gar den zu einem Tier. Denkt man jedoch weiter über die Frage nach, ist es gar nicht mehr so einfach zu sagen, worin strukturell eigentlich der Unterschied liegt. Was unterscheidet Leben vom Unbelebten? Lange hat man geglaubt, dem Leben sei eine besondere Vitalkraft zu eigen. Biologen sagen aber deutlich: Leben ist nichts als Chemie und Physik. Können Philosophie und Theologie sich damit aber zufriedengeben, wenn Aristoteles von einer selbstverwirklichenden Kraft spricht, die jedem Organismus innewohnt, und es in biblischen Texten Gottes Atem ist, der der Welt Leben einhaucht?

Michael Blume, Vertragen sich Religion und Evolution? (Html)

Charles Darwin (1809 – 1882), der Entdecker der Evolutionstheorie hatte dazu eine klare Meinung: Trotz persönlicher Glaubenszweifel antwortete er auch noch im Alter von 70 Jahren einem anfragenden Studenten, es sei „absurd zu bezweifeln, dass ein Mensch ein entschiedener Theist und ein Evolutionär sein kann. […] In meinen extremsten Schwankungen bin ich nie ein Atheist in dem Sinne gewesen, dass ich die Existenz Gottes geleugnet hätte.“ Auch in seinem letzten Lebensjahr begeisterte sich der studierte Theologe Darwin für ein Buch, das die Vereinbarkeit von Wissenschaften und Religionen vertrat und insbesondere Buddha, Muhammad und Jesus ehrte.

Arnold Benz, Das Universum - Weltbild, Design, Vexierbild, oder Ikone? (Html)

Schaut man im Internet unter „Weltbild“ nach, findet man vor allem Beiträge aus der Astronomie. Sie berichten, wie sich das Weltbild von der flachen Erdscheibe, zur Kugelgestalt, dann zum heliozentrischen Weltbild, und schließlich zu einem galaktischen Weltbild entwickelte. Es ist die natürliche Entwicklung des Gewahrwerdens, wie wir es auch bei Kindern feststellen: zunächst die flache Umgebung (Lebenswelt), dann der runde Globus auf dem Büchergestell (Eltern), dann die Planeten, welche die Sonne umkreisen (Schule). Diese Art von Weltbild entspricht dem räumlichen Aufbau des Kosmos, soweit er bekannt ist. Das war früher nicht so.

Werner Arber, Betrachtung über die Beziehungen zwischen den Wissenschaften und religiösem Glauben (Html)

Neugier ist eine grundlegende Eigenschaft des menschlichen Geistes. Einerseits ist sie die treibende Kraft für wissenschaftliche Untersuchungen zur Identifizierung von Naturgesetzen. Andererseits ist die Neugier auch die Grundlage für das Interesse eines jeden Menschen, die grundlegenden Gesetze der Natur zu kennen, als wesentlicher Beitrag zu seiner Suche nach Sinn und Wahrheit. Während die Naturwissenschaften bei weitem keine entsprechende Antwort auf alle Fragen geben können, insbesondere nicht auf jene, die die natürliche Sphäre übersteigen, nehmen verschiedene Glaubensformen (einschließlich derer, die religiösen Ursprungs sind) ebenfalls einen wichtigen Platz bei Beantwortung der Sinnfrage ein.

Hansjörg Hemminger, Musste der Mensch sein? (Html)

Das anthropische Prinzip in einer „schwachen“ Form besagt, dass das von uns beobachtbare Univer­sum so beschaffen sein muss, dass es Beobachter mit umfasst, die imstande sind, sich eine Vorstellung des Universums (oder der Abläufe in ihm) zu machen. Die biologische Form des Prinzips lautet, dass die Evolution so abgelaufen sein muss, dass ein intelligentes Wesen dabei entstand, das imstande ist, den Prozess der Evolution zu verstehen. Das klingt tri­vial, da wir Menschen erstens da sind, zweitens zum Universum und zur belebten Natur gehören, und drittens über Verstehensprozesse mit der natürlichen Welt interagieren. Was ist, muss auch möglich sein, also warum daraus ein Prinzip machen?

Christian Link, Was bedeutet Schöpfung heute? (Html)

Auf die Frage, wo in seiner Theorie der Planetenentstehung Gott vorkommt, soll der Mathematiker Pierre S. Laplace  Napoleon mit dem Diktum geantwortet haben: „Sire, ich habe diese Hypothese nicht nötig!“ Laplace antwortet als Wissenschaftler. Seine Wissenschaft kommt seit Galilei und Descartes ohne die Annahme eines Gottes aus. Er fragt nach der Natur, nicht nach der Schöpfung. Denn die Frage nach der  Schöpfung kann den Schöpfer, der die Welt im ganzen „gemacht“ hat, nicht ausklammern.

John Hedley Brooke, Charles Darwin über die Religion (Html)

Was hatte Darwin zum Thema "Religion" zu sagen? Was waren seine religiösen oder auch anti-religiösen Glaubensvorstellungen? Glaubte er, dass seine Evolutionstheorie dem Glauben an einen Schöpfer widersprach? War es seine revolutionäre Wissenschaft, die ihn in einen Agnostiker verwandelt hat? Es ist wichtig, diese Fragen sorgfältig zu beantworten, denn Darwins Autorität und Beispiel werden oft herangezogen, um metaphysische oder theologische Behauptungen zu rechtfertigen, die weit über die Einzelheiten seiner evolutionären Biologie und die seiner wissenschaftlichen Nachfolger hinausgehen. (This article is also available in the original English version.)

Hansjörg Hemminger, Und Gott schuf Darwins Welt... Schöpfung, Evolution und der Protest des Kreationismus (Html)

Kreationisten und die Bewegung für ein „intelligentes Design“ sind sich sicher: Die Evolutionstheorie ist falsch oder mindestens unvollständig. Sie meinen, wissenschaftlich beweisen zu können, dass die Schöpfungsgeschichten am Anfang der Bibel wissenschaftlich zutreffen, und dass ein intelligentes Wesen die Welt und die Lebewesen schuf. Sie meinen auch, damit den biblischen Schöpfungsglauben verteidigen zu können.

 

Andreas Beyer, Eineinhalb Jahrhunderte Charles Darwin – was ist vom ‚Darwinismus‘ übrig geblieben? Ein Streifzug durch die Geschichte der Evolutionstheorie (pdf)

Das Darwin-Jahr 2009 hat zu polarisierten Diskussionen über Darwin, sein Werk und dessen Einfluss und Folgen geführt. Insbesondere angesichts des z.Zt. immer mehr erstarkenden ‚Kreationismus’ – aber auch des immer stärker werdenden ‚evolutionären Humanismus’ – war dies nicht anders zu erwarten; allerdings wird hier insbesondere von kreationistischer Seite in mancherlei Beziehung ein Kampf gegen Windmühlen geführt, denn allzu oft werden „Darwinismus“, „Evolutionstheorie“, „evolutionärer Humanismus“ und „Sozialdarwinismus“ von ihnen undifferenziert in einen Topf geworfen.

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.), Über Darwin hinaus?!, Bonn 2010)

Andreas Beyer, Der Wahrheitsbegriff aus der Sicht der empirischen Wissenschaften und wie Kreationisten damit umgehen (pdf)

Gegen Ende des 20. Jh. schien es so, als ob zwischen christlicher Religion und Naturwissenschaft Friede eingekehrt wäre, und sei es nur ein „Burgfriede“ gewesen – aber das hat sich geändert. Fundamentalistische Strömungen werden auch im Christentum immer stärker, und spätestens seit den umstrittenen und provokanten Äußerungen von Kardinal Schönborn ist klar, dass es auch in der katholischen Kirche Tendenzen gibt, von besagtem Konsens abzurücken – was sich auch durch jüngste Äußerungen des Papstes Ratzinger zu bestätigen scheint.

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.),Herausforderungen und Grenzen wissenschaftlicher Modelle in Naturwissenschaften und Theologie, Bonn 2008)

Bernd Friedrich, Naturwissenschaftliche Erklärungen und teleologisches Denken (pdf)

Die moderne Biologie ist bestrebt, die Natur ausschließlich durch Wirkursachen zu deuten. Teleologische Erklärungen finden keine Akzeptanz, und es wurde gar eingewendet, dass der Fortschritt der Naturwissenschaften gerade durch teleologische Interpretationen lange verhindert worden wäre. In dem Aufsatz soll analysiert werden, welche Interpretationen biologischer Sachverhalte zumindest indirekt dennoch selbst auf teleologisches Gedankengut rekurrieren. Dies erfolgt in enger Auseinandersetzung mit der aristotelischen Konzeption des Naturprozesses. 

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.), Über Darwin hinaus?!, Bonn 2010)

Jürgen Hübner, Schöpfungstheologie heute (pdf)

Natürliches Urvertrauen gerät im alltäglichen Leben oft genug in Krisen. Die Erfahrung schöpferischer Gegenwart Gottes eröffnet ein neues Grundvertrauen als beständiger Lebensorientierung. Rationale Erkenntnis ermöglicht zugleich vernünftige Orientierung in der Welt. Die biologische Erforschung evolutiver Strukturen gehört dazu. Beides zusammen ergibt einen Sinnzusammenhang, auf den sich einzulassen Zukunft verspricht.

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.), Über Darwin hinaus?!, Bonn 2010)

Paul Layer, Evolution - ein offenes Konzept (pdf)

Mit folgenden Fragen beschäftigt sich der Artikel: 1. War/ist die Darwinsche Theorie in ihrer neodarwinistischen Form zu simpel? 2. wie muss/kann sie ergänzt bzw. ersetzt werden, und 3. kann der unselige Satz vom „Survival of the fittest” nach heutigem Verständnis möglicherweise in „Survival of the unfit?“ in sein Gegenteil umgemünzt werden? Womit derzeit die Lehrbücher zur Evolutionsbiologie erweitert werden und was unter den Kürzeln „EvoDevo“ und „EcoEvoDevo“ firmiert, soll dabei kurz dargestellt werden.

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.), Über Darwin hinaus?!, Bonn 2010)

Sven P. Thoms, Gene, Meme und die Gottestäuschung (pdf mit Zählmarke)

Ich möchte im Folgenden einen gedanklichen Weg aufzeigen, der einige meist biowissenschaftlich orientierte religionskritische Schriften der letzten Jahre durchzieht. Dazu gehören Sachbücher des britischen Wissenschaftsvermittlers Richard Dawkins, der britischen Psychologin Susan Blackmore und des amerikanischen Philosophen Daniel C. Dennett. Mir geht es zunächst um eine kurze Darstellung der von diesen Autoren vertretenen Positionen. Am Ende möchte ich versuchen, diese allesamt von der Evolutionstheorie inspirierten Werke selbst in einen evolutionären Stammbaum einzuzeichnen und eine mögliche Weiterentwicklung dieser Ansätze vorschlagen.

(aus: Frank Vogelsang, Hubert Meisinger (Hg.),Herausforderungen und Grenzen wissenschaftlicher Modelle in Naturwissenschaften und Theologie, Bonn 2008)

Presseschau

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